"Es wäre eine Katastrophe"

VW-Tochter warnt vor drohenden Brexit-Folgen in Südafrika

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Flaggen mit dem VW-Logo vor einem Werk des Autokonzerns. Foto: Hendrik Schmidt

Die Auswirkungen des drohenden Brexit werden weltweit mit Sorge gesehen. Auch in Afrika drohen Verwerfungen, die Folgen für Arbeitsplätze und Exporte haben könnten.

Johannesburg (dpa) - Ein ungeregelter britischer EU-Austritt könnte auch Jobs in der südafrikanischen Automobilindustrie kosten.

"Wenn es zu einem harten Brexit ohne Vereinbarung mit Südafrika kommen sollte, ist hier bei uns eine ganze Schicht weg", sagte der Geschäftsführer von Volkswagen South Africa, Thomas Schäfer, der Deutschen Presse-Agentur. Der Grund: Unter dem EPA-Abkommen zwischen der EU und Südafrika exportiert Volkswagen pro Jahr rund 50.000 Polo aus dem Kap-Staat zollfrei nach Großbritannien. Voraussetzung sind mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung in Afrika.

Bisher zählen auch aus der EU gelieferte Komponenten als Teil dieser Wertschöpfung - bei einem harten Brexit wäre Großbritannien nicht mehr Nutznießer des EPA-Abkommens (Economic Partnership Agreement/ EPA). Werden Komponenten aus der EU dann nicht mehr in die Wertschöpfungs-Kalkulation einbezogen, drohen in beiden Richtungen Einfuhrzölle. Sie würden Autos - je nach Typ - um 1500 bis 2000 Euro teurer machen.

"Auf Südafrikas Autoexporte würden nach den WTO-Handelsregeln zehn Prozent Zölle entfallen", schrieb die nationale Wochenzeitung "Mail & Guardian" in ihrer jüngsten Ausgabe und zitiert einen früheren Handelsminister mit den Worten, dass man die nationale Autoindustrie dann abschreiben könnte. Nach ihren Angaben ist daher im September ein Treffen mit der britischen Regierung geplant.

Laut Schäfer - der auch Vorsitzender des Afrikanischen Automobilhersteller-Verbandes (AAAM) ist - ergäbe sich ohne ein bilaterales Abkommen zwischen London und Südafrika ein geringerer Bedarf sowie eine drohende Reduzierung der Auto-Exporte vom Kap. Im schlimmsten Fall könnte Volkswagen von dort nur noch 30.000 Polos pro Jahr exportieren. "Egal wie groß die Reduzierung ausfällt: es wäre eine Katastrophe für Südafrika", meinte er.

Das Land gilt als eine Art Testmarkt für Automobil-Hersteller aus aller Welt, darunter BMW, Mercedes, Ford oder Nissan, aber auch die chinesische Beijing Automotive Industry Corporation oder der indische Tata-Konzern. Als nationale Zentren der Automobilproduktion gelten die Regionen um Port Elizabeth und die Hauptstadt Pretoria.

In Südafrika hat die Marke VW mittlerweile einen Marktanteil von 20 Prozent - den höchsten konzernweit. Im Vorjahr hat das Volkswagenwerk nahe der Hafenstadt Port Elizabeth 126.463 Fahrzeuge produziert. Fürs laufende Jahr gibt Schäfer ein Ziel von rund 162.000 Fahrzeugen vor, von denen 107.400 in den Export gehen sollen. Das Volkswagen-Werk in der mit dem Bundesland Niedersachsen partnerschaftlich verbundenen Ostkap-Provinz beschäftigt rund 3700 Mitarbeiter und baut sowohl für den Export sowie den heimischen Markt diverse Polo-Versionen.

Volkswagen South Africa

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