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Hitzewelle: Wie die Rekordtemperaturen deutsche Verkehrswege an ihre Grenzen bringen

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Von: Lisa Mayerhofer

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Die Hitzewelle hat Deutschland im Griff. Sogar Straßen und Schienen brauchen bei den hohen Temperaturen eine Abkühlung. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Die Hitzewelle hat Deutschland im Griff. Sogar Straßen und Schienen brauchen bei den hohen Temperaturen eine Abkühlung. Für Unternehmen und private Haushalte wird das zum Problem.

Berlin – Die Niederländer machen es vor: Wegen der hohen Temperaturen kühlen sie ihre Straßen und Brücken – und zwar mit Streusalz. Das Salz soll den Asphalt zu kühlen, teilte etwa die holländische Kommune Hardenberg mit. Denn es entzieht der Luft Feuchtigkeit, und die wiederum kühlt den Asphalt ab. Auf diese Weise sollen Schäden und das Kleben der Straßenoberfläche verhindert werden.

Außerdem wurden die beweglichen Brücken in Amsterdam extra mit Wasser gekühlt. Dadurch soll verhindert werden, dass der Stahl sich ausdehnt. Denn in diesem Fall könnten die Brücken dann nicht mehr geöffnet werden, um Boote durchzulassen. Auch in Deutschland setzt die Hitze der Infrastruktur schwer zu.

Hitzewelle: Blow-ups auf älteren Autobahnen in Deutschland

Besonders gefürchtet sind in Deutschland bei Temperaturen von über 30 Grad sogenannte Blow-ups – also geplatzte Fahrbahnoberflächen auf älteren Autobahnen. Vor allem Motorradfahrern könnten sie zum Verhängnis werden, aber auch für Autofahrer steige die Unfallgefahr, warnt der ADAC. Betroffen sind demnach vor allem ältere Streckenabschnitte aus Beton, die nicht so verformbar sind wie Fahrbahnen aus Asphalt. Man erkennt sie daran, dass sie keine geschlossene Fahrbahnoberfläche haben, sondern aus aneinandergereihten Platten gebaut sind. Zu hören sind sie an dem rhythmischen Geräusch beim Überfahren der Plattenkanten.

An diesen Querrillen bilden sich dem ADAC zufolge typischerweise die Aufwölbungen. „Auch Bereiche, die Reparaturstellen aus Asphalt an benachbarten Betonplatten aufweisen, gelten als besonders gefährdet.“ Der Club rät Verkehrsteilnehmern, auf einschlägigen Strecken besonders aufmerksam und vorsichtig zu fahren, indem sie auch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrößern. Straßen, auf denen noch keine Beschilderung auf vorhandene Schäden aufmerksam macht, sollten umgehend bei der Polizei oder Autobahnmeisterei gemeldet werden, bittet der ADAC.

Der Anteil an Betonfahrbahnen liegt den Angaben zufolge bundesweit bei rund 30 Prozent. In den vergangenen Wochen gab es Tempolimits und Sperren von Fahrstreifen unter anderem auf wichtigen Verbindungen wie der A 2 Dortmund – Oberhausen, der A 9 Berlin – Halle/Leipzig und der A 13 Schönefelder Kreuz – Dresden. Viele Gefahrenstellen seien aber in den vergangenen Jahren beseitigt worden. 

Deutsche Bahn: Tausende Klimaanlagen für Leit- und Sicherungstechnik

Die Hitze wirkt sich aber nicht nur auf die Straßen aus: Sie kann auch Schienen und dem Gleisbett zu schaffen machen, da sich Stahl bei extremen Temperaturen dehnt, wie die Deutsche Bahn diese Woche mitteilte. Deshalb ist laut Bahn vor allem die Leit- und Sicherungstechnik mit Tausenden Klimaanlagen ausgestattet, welche regelmäßig geprüft und gewartet würden. „Zusätzlich haben wir in betrieblich besonders relevanten Stellwerken Temperatursensoren angebracht, die bei Überschreitung bestimmter Schwellwerte automatisch Meldungen auslösen.“

Die Deutsche Bahn experimentiert derzeit eigenen Angaben zufolge auch mit sogenannten Phasenwechselmaterien. Diese sollen demnach funktionieren wie ein umgekehrter Taschenwärmer: „Durch Hitzestrahlung verwandelt sich das zunächst feste Material in ein dickflüssiges Gel. Dieser Umwandlungseffekt verbraucht Wärme und kühlt dadurch seine Umgebung ab“, hieß es. Getestet werde, inwiefern diese Technik sensible Bauteile schützen kann.

Hitzewelle: Binnenschiffe nur zur Hälfte beladen – und ausgebucht

Die Hitzewelle hat teilweise auch die Schifffahrt stark eingeschränkt: Die Pegelstände der Flüsse in Deutschland sind für die Jahreszeit zu niedrig. Die Frachtschiffe auf dem Rhein und anderen Flüssen dürfen nur noch etwa 50 Prozent der Menge transportieren, die sie sonst transportieren könnten, berichtet der Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt, Roberto Spranzi, der Deutschen Presse-Agentur in Duisburg. Durch die geringere Ladungsmenge sind die Schiffe weniger schwer und nicht so tief im Wasser. Die Kapazitäten sind also reduziert, die Nachfrage ist aber hoch. „Wir sind ausgebucht“, so Spranzi. 

Der ebenfalls in Duisburg ansässige Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) spricht von einer „enorm hohen Nachfrage nach Schiffsraum“, etwa für Kohle, Container und Getreide. Diese Nachfrage balle sich nun wegen der Getreidetransporte und des Wiederhochfahrens der Kohlekraftwerke. „Deshalb kann es passieren, dass nicht jeder Kunde in dem Umfang bedient werden kann, wie er es sich wünscht“, sagt Verbandsgeschäftsführer Jens Schwanen. Das führe „zu einer gewissen Verschärfung der Situation, die durch das Niedrigwasser ohnehin bereits gegeben ist“.

Klimawandel hinterlässt seine Spuren

Die Probleme, die Autobahnmeistereien, Bahnen und Binnenschiffe gerade beschäftigen, werden wohl noch länger bleiben: Durch den menschengemachten Klimawandel sei ganz Europa von stärkeren und extremeren Hitzeperioden betroffen, sagte Karsten Haustein, Klimawissenschaftler am Institut für Meteorologie an der Universität Leipzig. Diese hängen demnach mit dem sogenannten Jetstream – also großen Windbändern in fünf bis zehn Kilometer Höhe – zusammen, dessen Zirkulation sich verändert habe. Das Umweltbundesamt dringt angesichts der Hitzewelle darauf, Städte und Infrastruktur besser gegen hohe Temperaturen und auch gegen Starkregen zu wappnen. (lma/dpa)

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