Besteuerung von Spielautomaten Gewinnen - was muss man wissen!

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Das deutsche Steuerrecht gilt als weltweit einzigartig. Denn nirgendwo sonst ist das Thema so vielfältig und komplex, wie im Land der Dichter und Denker.

Das führt in vielen Bereichen dazu, dass die Situation für den Bürger unklar ist und er gar nicht weiß, ob er für einen gewissen Sachverhalt steuerpflichtig ist oder nicht. Beispielsweise im Bereich der Glücksspielgewinne. Immer wieder kommt nämlich die Frage auf, ob Spieler ihre Gewinne aus Spielhallen, Spielbanken und Online Casinos versteuern müssen, wenn Sie einmal richtig Glück hatten. Das hängt, wie so vieles im deutschen Recht von den konkreten Umständen des Einzelfalls an. Doch es gibt einige Anhaltspunkte, mit denen die Spieler selbst herausfinden können. Dieser Artikel soll Spielern zeigen, wann sie sich Gedanken um eine Steuerpflicht für ihre Spielgewinne machen müssen.

Die Steuerpflicht in Deutschland

In Deutschland gibt es viele verschiedene Einkunftsarten, die zu einer Steuerpflicht führen. Das können beispielsweise Einkünfte aus einer nichtselbstständigen Arbeit, aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung sein. In Betracht kommen für Glücksspieler aber nur die gewerblichen Einkünfte nach Paragraph 15 des Einkommensteuergesetzes. Voraussetzung für die gewerblichen Einkünfte nach Paragraph 15 ist es, dass eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Der Spieler muss also das Ziel haben, mit seinem Handeln ein Plus zu erzielen. Außerdem muss die Tätigkeit nachhaltig sein. Darüber hinaus muss eine Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr vorliegen. Das ist der Fall, da die Spieler natürlich mit einem Online Casino, einer Spielhalle, einer Spielbank oder direkt mit anderen Spielern in Verbindung treten. Grundsätzlich kann es also sein, dass Menschen in Deutschland bei der Teilnahme an Glücksspiel eine gewerbliche Tätigkeit ausüben.

Das hängt aber sehr stark vom jeweiligen Glücksspiel und der Strategie des Spielers ab.

Die Versteuerung von Gewinnen aus Spielautomaten

Viele Menschen in Deutschland spielen an Spielautomaten. Sie sind in Bars, Kneipen und den Spielhallen zu finden. Darüber hinaus stehen auch in den immer beliebter werdenden Online Casinos eine ganze Menge unterschiedliche Spielautomaten zur Verfügung. Oft erzielen die Spieler dabei keinen Gewinnen, sondern genießen nur das Spiel und die damit verbundene Spannung. Etwas größere Gewinne von einigen hundert Euro kommen dabei natürlich immer wieder vor. Doch enorme Jackpots sind sehr selten. Nur die wenigsten Spieler werden in ihrem Leben einen Jackpot in Höhe von mehr als 100.000 Euro knacken können. Deshalb ist das Thema Steuern nicht sehr präsent und die Spieler fragen sich erst dann nach der rechtlichen Lage, wenn sie ihren Gewinn schon erzielt haben.

Doch das ist gar nicht so schlimm. Denn beim Spielen an Spielautomaten handelt es sich in fast allen Fällen nicht um eine gewerbliche Tätigkeit. Zwar wünsch der Spieler sich stets einen großen Gewinn oder einen Millionenjackpot. Objektiv ist die Tätigkeit aber nicht geeignet, um auf Dauer Gewinne zu erzielen. Deshalb handelt es sich beim Spielen an Spielautomaten nicht um eine gewerbliche Tätigkeit. Das ändert sich auch dann nicht, wenn ein Spieler einen großen Gewinn erzielt. Selbst wenn ein Spieler einen enormen Jackpot erzielt, handelt es sich dabei nicht um ein steuerpflichtiges Einkommen. Das gilt übrigens auch dann, wenn sich ein Spieler in einer Glückssträhne befindet und über mehrere Wochen oder Monate hinweg regelmäßig Geld auszahlt.

Wann sind die Gewinne aus Glücksspielen zu versteuern?

In einigen Szenarien kann es durchaus vorkommen, dass das Finanzamt die Hand aushält. So berichtete beispielsweise der Pokerweltmeister Hossein Ensan, dass er von seinem Gewinn in Höhe von fast 9 Millionen Euro wohl einen erheblichen Teil für Steuern aufwenden muss. Das liegt daran, dass er ein professioneller Pokerspieler ist.

Er bestreitet schon seit vielen Jahren seinen Lebensunterhalt mit dem Spiel. Damit sind die Nachhaltigkeit und die Gewinnerzielungsabsicht zu bejahen und die Steuerpflicht entsteht. Zwar gibt es noch einige Gerichtsverfahren, in denen Pokerspieler gegen diese Einstufung prozessieren. Trotzdem ist anzunehmen, dass viele von ihnen die entsprechenden Steuern bezahlen müssen. Denn professionelle Pokerspieler verlassen sich nicht auf ihr Glück. Sie analysieren viele Hände und Situationen, um mit der Zeit immer besser zu werden. Ihnen sind die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Situationen bekannt. So können sie entscheiden, ob sie eine Hand noch profitabel spielen können oder nicht. Sie werden zwar nicht jedes einzelne Spiel gewinnen können, doch langfristig gewinnen sie wegen ihrer überwiegend guten Entscheidungen Geld.

Ganz anders sieht es aus, wenn Spieler einarmiger Bandit spielen. Hier können sie selbst dann den Hausvorteil nicht schlagen, wenn sie über eine Seite einen Bonus in Anspruch nehmen. Zwar ist ein Bonus in Verbindung mit der richtigen Spielauswahl und der passenden Strategie dazu geeignet, die Chancen auf einen großen Gewinn erheblich zu steigern und den rechnerischen Verlust zu minimieren. Solange aber nicht auf Dauer ein positiver Erwartungswert erreicht werden kann, kann der Spieler den Vorwurf der gewerblichen Tätigkeit auch bei hohen Gewinnen widerlegen. Es gibt also keinen Grund zur Sorge, wenn ein Jackpot an einem Spielautomaten geknackt wurde. Der Staat hält glücklicherweise zumindest hier nicht die Hand auf. Der Spieler kann seinen Gewinn also in Gänze genießen, ohne mit dem Finanzamt teilen zu müssen.

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