Mehr als 50 Verletzte

Zehntausende fordern Puigdemonts Freilassung - Polizei gibt Warnschüsse ab

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Nach der Festnahme von Carles Puigdemont ist die Lage in Barcelona prekär. Zehntausende forderten von Deutschland die Freilassung des Politikers. Angeblich fielen Warnschüsse.

Aus Protest gegen die Festnahme des ehemaligen katalonischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont in Deutschland sind am Sonntagabend tausende Demonstranten in Barcelona auf die Straße gegangen. „Wir fordern Deutschland auf, Präsident Puigdemont nicht für Verbrechen (an Spanien) auszuliefern, die aus einem politischen Grund erfunden wurden“, erklärte die einflussreiche Separatistenorganisation ANC, die zu der Kundgebung aufgerufen hatte.

Dabei spitzte sich die Lage Berichten zufolge zeitweise bedrohlich zu: Offenbar feuerte die Polizei unweit der Menge Warnschüsse ab. Ein Video des katalanischen Radiosenders 324.cat auf Twitter scheint eine entsprechende Situation zu zeigen.

Verletzte bei Demonstration - Teilnehmer zeigen Transparente mit deutscher Aufschrift

Fotos zeigen überdies, wie Teilnehmer der Kundgebung verletzt abtransportiert werden. Bei Zusammenstößen mit der Polizei, die auch Schlagstöcke einsetzte, wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden mehr als 50 Menschen verletzt. Laut Polizei gab es drei Festnahmen. Schon im vergangenen Jahr war die spanische Polizei mehrfach mit großer Härte gegen Unabhängigkeits-Befürworter, aber auch Teilnehmer des Unabhängigkeits-Referendums vorgegangen

Szene aus Barcelona am Sonntagabend: Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zeigt das Foto den Abtransport eines verletzten Protestierenden

Viele Demonstranten zeigten unterdessen auch kleine Transparente mit der deutschen Aufschrift: „Befreit unseren Präsidenten. Seid nicht Mithelfer!“ Andere trugen Unabhängigkeitsflaggen und Puigdemont-Masken als Zeichen der Unterstützung. Der Protestmarsch führte von der Vertretung der Europäischen Kommission zum deutschen Konsulat in Barcelona.

Aufruhr auch im Netz

Auch im Internet sorgte die Nachricht von der Festnahme Puigdemonts für Aufruhr. „Spanien sorgt nicht für einen fairen Prozess, sondern nur für Rache und Unterdrückung“, twitterte Elsa Artadi, Sprecherin von JxCat (Gemeinsam für Katalonien), der Liste, der auch Puigdemont angehört. Sie schloss sich auch dem Protestmarsch in Barcelona an. Eine ehemalige Abgeordnete der radikalsten separatistischen Partei CUP, Mireia Boya, schrieb: „Jetzt werden wir sehen, ob die Europäische Union die Verletzung der Grundrechte durch den spanischen Staat unterstützt.“

„Die Flucht des Putschisten Puidgemont ist beendet“, twitterte hingegen Albert Rivera, Vorsitzender der Anti-Unabhängigkeitspartei Ciudadanos. Der Versuch, eine europäische Demokratie zu zerstören, demokratische Gesetze zu brechen, das Zusammenleben zu stören oder öffentliche Gelder zu veruntreuen, könne nicht ungestraft bleiben. Die liberale Ciudadanos war aus den Regionalparlamentswahlen im Dezember als stärkste Partei hervorgegangen, die drei separatistischen Parteien vereinigen aber zusammen mehr Stimmen auf sich.

Puigdemont war Sonntagmittag bei der Einreise aus Dänemark auf einer Autobahnraststätte an der A7 bei Schleswig gestoppt und auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls festgenommen worden. Der katalanische Separatist befand sich auf dem Weg nach Belgien, wo er im Exil lebte.

dpa/fn

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