„Wie ein Virus“

Zahl antisemitischer Straftaten steigt

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Kundgebung gegen Judenhass in Berlin

Nach Angaben der Bundesregierung ist die Zahl antisemitischer Straftaten im ersten Halbjahr 2017 angestiegen. Politiker fürchten eine hohe Dunkelziffer.

Berlin - Die Zahl der antisemitischen und antiisraelischen Straftaten in Deutschland ist in den ersten Monaten des Jahres 2017 gestiegen. Im ersten Halbjahr wurden 681 derartige Delikte erfasst und damit 27 mehr als im Vorjahreszeitraum, wie die Welt am Freitag unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Volker Beck berichtete. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg demnach von 14 auf 15, die Fälle von Volksverhetzung von 425 auf 434. 

Dies seien aber nur die Fälle, "bei denen sich die Betroffenen getraut haben, zur Polizei zu gehen", sagte Beck der Zeitung. "Die Dunkelziffer, steht zu befürchten, ist wohl deutlich höher." 

Der Antisemitismus in Deutschland sei ein "Riesenproblem", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil in einem Wahlchat der Welt. "Rechtsradikale und Neonazis bedrohen Menschen jüdischen Glaubens. Das ist nicht akzeptabel."

Knobloch warnt

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, warnte angesichts der Zahlen vor dem Erstarken rechter Parteien und Gruppierungen gewarnt. „Rechtspopulismus und -extremismus haben stark zugenommen und wirken leider bis in die Mitte der Gesellschaft. Pegida und Co. sowie die AfD haben diesen Virus in Deutschland ausbrechen lasen“, sagte sie laut Mitteilung am Freitag. 

„Wir erleben eine ungeahnte Renaissance antijüdischer Ressentiments und Verschwörungstheorien. Die Tabus sind gefallen.“ Die neuen Zahlen entsprächen „leider der alltäglichen Erfahrung in unseren Gemeinden“, sagte Knobloch.

AFP

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