Wachstum bis 2,0 Prozent

Volkswirte: Export sorgt auch 2018 für Konjunktur-Schub

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"Made in Germany" sorgt auch in näherer Zukunft für ein solides Wirtschaftswachstum. Foto: Frank Rumpenhorst

Zuletzt sorgten vor allem Verbraucher für konjunkturellen Rückenwind. Inzwischen gewinnen nach Einschätzung von Konjunkturexperten auch die Exporte wieder an Bedeutung. Vor allem deutsche Maschinen sind im Ausland wieder stärker gefragt.

Nürnberg (dpa) - Die steigende weltweite Nachfrage nach deutschen Maschinen, Autos und Ausrüstungsgütern wird nach Einschätzung von Konjunkturexperten auch 2018 Wachstumstreiber bleiben. 2018 sei in Deutschland mit einem ähnlichen starken wirtschaftlichen Auftrieb wie 2017 zu rechnen.

Das betonten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch die gute Auftragslage der Bauindustrie trage dazu bei.

Nach den Ökonomen-Prognosen könnte das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr zwischen 1,8 und 2,0 Prozent steigen. Für 2017 rechnen sie nach jüngst korrigierten Prognosen inzwischen mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 bis 2,0 Prozent. Uneinig sind sich die Volkswirte dagegen beim Arbeitsmarkt. Während einige mit einem Stillstand im Jahresdurschnitt 2018 rechnen, gehen andere von einem leichten Rückgang aus.

"Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist in allen Bereichen gut", stellt etwa Michael Holstein von der DZ-Bank fest. "Besonders rund läuft es in der Industrie. Die profitiert vor allem vom internationalen Aufschwung." Ähnlich sieht das Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank: "Die Weltkonjunktur und auch die Wirtschaft in der EU-Währungsunion entwickeln sich stabil. Dadurch hat die Nachfrage im Ausland stark zugenommen - stärker als wir das noch im Frühsommer eingeschätzt haben."

Allianz-Volkswirt Rolf Schneider rechnet dabei vor allem mit "starken Zuwächsen" bei Ausrüstungsinvestitionen, um veraltete Maschinen zu ersetzen oder Produktionskapazitäten auszubauen. Nach einem Zuwachs der Ausrüstungsinvestitionen von 2,7 Prozent in diesem Jahr rechnet der Konjunkturexperte für 2018 mit einem Plus von 5,4 Prozent. Order in den eigenen Maschinenpark hätten Unternehmen lange zurückgestellt.

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sieht aktuell zudem im Wohnungsbau einen starken Wachstumstreiber. "In den letzten Jahren hat sich ein gigantischer Bauüberhang von 600 000 genehmigten Wohnungen aufgestaut. Sein Abbau wird 2017 und 2018 zu einer kräftigen Steigerung des Neubaus führen", schätzt der Ökonom.

Dagegen dürfte sich der Arbeitsmarkt nach den Prognosen der Ökonomen 2018 nicht ganz so dynamisch entwickeln. So werde sich die Arbeitslosigkeit nach mehrheitlicher Experten-Einschätzung auf dem Niveau von 2017 von voraussichtlich 2,541 Millionen Menschen stabilisieren. Lediglich Allianz-Volkswirt Schneider hält einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt 2018 von rund 80 000 für möglich. Er rechnet mit einem nicht ganz so starken Anstieg der Flüchtlingsarbeitslosigkeit wie seine Kollegen.

Dennoch seien Konjunktur- und Arbeitsmarktausblick für 2018 keineswegs frei von Risiken. Neben der Verunsicherung über die Nordkorea-Politik von US-Präsident Donald Trump und den Brexit-Folgen sorgen sich die Ökonomen auch um den gestiegenen Euro-Kurs. KfW-Chefvolkswirt Zeuner sieht in einer noch stärkeren Aufwertung der Gemeinschaftswährung sogar das "aktuell größte Konjunkturrisiko" - neben der möglichen "Flucht der USA und Großbritanniens in den Protektionismus". Ein starker Euro erschwert Exporte.

Für September rechnen die Ökonomen im Zuge des Herbstaufschwungs wieder mit einer deutlich sinkenden Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Erwerbslosen werde auf Basis ihrer Berechnungen auf knapp 2,46 Millionen sinken. Das wären rund 80 000 weniger als im August und gut 140 000 weniger als vor einem Jahr. Für den stärkeren Rückgang im September sorge das Ende der Sommerpause. Viele Unternehmen hätten wieder verstärkt Mitarbeiter eingestellt.

Der Arbeitsmarkt im August

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