„So a Schmarrn!“ 

„Vaterland“ aus der Nationalhymne streichen? Vorschlag sorgt für Empörung

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Braucht Deutschland eine modernere Nationalhymne? 

Diskriminiert der Text der deutschen Nationalhymne Frauen? Von „Vaterland“ und „brüderlich“ ist dort die Rede. Doch eine Änderung der dritten Strophe wird im Netz mehrheitlich abgelehnt. 

Berlin - Wenn es nach Kristin Rose-Möhring, der Frauenbeauftragten im SPD-geführten Bundesfamilienministerium geht, singen wir bald eine andere Nationalhymne. Statt „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand“, soll es zukünftig heißen: „für das deutsche Heimatland“ und „couragiert mit Herz und Hand“. Rose-Möhring verschickte diese Vorschläge einer geschlechtergerechten Umdichtung per Rundbrief an alle Mitarbeiter des Ministeriums. Sie verweist auf Beispiele aus dem Ausland. So texteten bereits die Österreicher und Kanadier ihre Nationalhymnen aus Gender-Gründen um.

„Anmaßend und kulturlos“

Eine Veränderung der Hymne, die August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland dichtete, scheint aber in der Bevölkerung alles andere als gut anzukommen. Das Echo auf diesen Vorschlag in den Sozialen Netzwerken war am Sonntag eindeutig negativ. Das muss natürlich kein repräsentatives Abbild des Meinungsbildes in der Bevölkerung sein, doch es scheint unwahrscheinlich, dass die Gender-Bedenken der Frauenbeauftragten derzeit mehrheitsfähig sind. 

Besonders bei Konservativen und in der AfD stößt der Vorschlag auf harsche Ablehnung. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömmig, bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, empört sich auf Twitter. Der Vorschlag sei „anmaßend und kulturlos“. Man dürfe Gedichte nicht einfach ändern. 

Ablehnende Stimmen aus der Union

Die zukünftige Bundeslandwirtschaftministerin Julia Klöckner (CDU) twitterte: „Mir fielen andere Themen ein, die wichtiger für Frauen wären als die Nationalhymne zu ändern“. Immerhin war ihr das Thema dann doch wichtig genug, dazu einen einen Tweet zu veröffentlichen.

Auch aus den Reihen der Jungen Union kommt Ablehnung: „Entschieden dagegen“, schreibt die JU München-Nord auf Facebook. Und: „Lasst die Finger weg von unserer Nationalhymne“. Über 3700-mal wurde dieser Beitrag schon geteilt. 

Regelrecht in Rage schrieb sich Traunsteins CSU-Landrat Siegfried Walch auf Facebook. Der Vorschlag sei eine „himmelschreiende Dummheit“ und mache die Sache der Gleichberechtigung „völlig lächerlich“. Zudem missbrauche Rose-Möhring das Thema, „um eine undemokratische und extremistische Genderideologie zu propagieren“, meint der Landrat. 

„Schwesterlich mit Herz und Hand“

Offene Befürworter bzw. Berfürworterinnen des Vorstoßes findet man im Netz derzeit nur wenige. Die Journalistin Miriam Hollstein von der Bild am Sonntag immerhin gibt zu bedenken: „Wenn Männer in der Nationalhymne ‘schwesterlich mit Herz und Hand‘ singen müssten, wären sie schon LÄNGST geändert“.

Eine andere Meinung vertritt Rainer Haubrich für „Die Welt“ in einem Kommentar. „Unsere Nationalhymne ist modern genug“, behauptet er. Er fragt: „Fühlt sich bei ‚Vaterland‘ jemand ausgeschlossen? Oder beim wunderbaren Wort ‚Muttersprache‘? Das Weibliche kommt im Deutschen ja keineswegs zu kurz bei identitätsprägenden Begriffen wie ‚Muttererde‘ oder ‚Mutter Natur‘. Das müsste man konsequenterweise auch alles abschaffen.“ Im Vergleich zu Hymnen anderer Nationen sei Hoffmann von Fallerslebens dritte Strophe erstaunlich moderat und modern, so Haubrich weiter. 

Merkur-Leser fordern Volksentscheid

Diskutiert wird natürlich auch auf der Facebook-Seite von merkur.de. Auch hier ist das Meinungsbild eindeutig. Viele Leser sind wütend über diesen Vorstoß. „Schon wieder 1. April?“, „So a Schmarrn“, „Die schaffen uns Deutsche ab“, schreiben sie. Andere fordern sogar einen Volksentscheid über die Änderung der Nationalhymne. 

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