„Wir könnten in eine tiefe Verfassungskrise kommen“

US-Wahl 2020: Kippt die Stimmung im Land? Trump könnte für „Albtraum“ sorgen

Wie fallen die Reaktionen auf das Ergebnis der US-Wahl aus? Womöglich könnte die Lage im Land eskalieren. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits.

Washington - Der Ausgang der US-Wahl könnte offenbar für Ausschreitungen sorgen. Beobachter befürchten eine Eskalation der Situation.

Der us-amerikanische Historiker Nils Gilman gab vor der US-Wahl gegenüber dem BR zu Protokoll: „Wir könnten in eine tiefe Verfassungskrise kommen, wenn Biden und Trump behaupten, gewonnen zu haben und der anderen Seite Betrug vorwerfen.“ Aufgrund der enormen Anzahl an Briefwählern* könnten die ersten Ergebnisse verzerrt sein. Denn die Briefwahlstimmen werden später ausgezählt als die aus dem Wahllokal.

US-Wahl 2020: Eskaliert die Lage nach dem Ergebnis? Trump könnte für „Albtraum“ sorgen

Interessant: Die Agentur Hawkfisch ermittelte jüngst, dass nur 19 Prozent der republikanischen Wähler per Brief wählen wollen. Bei den Demokraten bevorzugten dies 69 Prozent. In ersten Prognose könnte Trump daher ein besseres Ergebnis vorweisen als am Ende, weil die Briefwahlstimmen eben noch unberücksichtig blieben.

Gilman befürchtet daher, Trump „könnte sagen, dass nur die Stimmen zählen würden, die persönlich abgegeben wurden und diese ganzen Briefwahlstimmen unrechtmäßig sind. Das wäre ein Albtraum.“ Wenn Trump die Rechtmäßigkeit der Wahl anzweifeln sollte, drohe die Stimmung im Land engültig zu kippen.

US-Wahl 2020: Ausschreitungen befürchtet - Trump-Fans umzingeln Biden-Bus

Im Vorfeld der Wahl hatte es bereits Bedenken gegeben, dass Trump-Unterstützer andere Wähler einschüchtern könnten. Am Wochenende organisierten seine Anhänger landesweite Autokorsos und blockierten Straßen in mehreren Städten. Im Bundesstaat Texas* bedrängten Trump-Fans in Pick-up-Fahrzeugen am Sonntag einen Wahlkampfbus Joe Bidens. Auf Twitter veröffentlichte Trump ein Video von der Aktion - und setzte dazu die Worte: „Ich liebe Texas.“ Später fügte er hinzu: „Diese Patrioten haben nichts falsch gemacht.“ Das FBI nahm unterdessen Ermittlungen auf. Gehe es nach Trump, solle die Behörde aber lieber gegen „Terroristen und Anarchisten“ ermitteln.

US-Wahl 2020: Bewaffneter Mann vor Wahllokal festgenommen

In den ersten Stunden des Wahltages waren zunächst keine größeren Zwischenfälle bekannt. CNN sprach gegen Mittag (Ortszeit) sogar von einem „normal tuesday“, ein Dienstag wie jeder andere. Das us-amerikanische Nachrichtenportal befürchtet allerdings, dass dies nicht so bleiben muss. Ob CNN Recht behalten soll, werden wohl erst die Abendstunden zeigen.

Vereinzelt gab es am Nachmittag (Ortszeit) bereits Vorfälle. Ein mit einer Schusswaffe bewaffneter Mann ist vor einem Wahllokal festgenommen worden. Der Mann habe nach seiner Stimmabgabe in der Stadt Charlotte in North Carolina* weiter vor dem Wahllokal „herumgelungert“, schrieb die örtliche Polizei auf Twitter und andere Wähler eingeschüchtert. Medienberichten zufolge trug der Mann eine Kappe mit der Aufschrift „Trump 2020“. Auffällig: Die Zahl der verkauften Waffen war vor der Wahl angestiegen.

Unter eine eigentlich friedliche „Black-Lives-Matter“-Demonstration sollen sich laut Spiegel-Korrespondent Matthias Gebauer immer mehr Vermummte mit Gasmasken und teilweise auch Baseballschlägern gemischt haben.

US-Wahl 2020: Sorge vor Ausschreitungen - wie entwickelt sich die Situation?

Je später der Tag, desto angespannter werde die Lage, hieß es in US-Medien. Aus Sorge vor Protesten haben zahlreiche Geschäfte, Restaurants und Hotels in Washington* oder New York* am Dienstag ihre Türen und Schaufenster verbarrikadiert. 

Wie sich die Lage im drittgrößten Land der Erde entwickelt und ob sie nach der Wahl womöglich eskaliert, erfahren Sie in diesem Ticker. Ansonsten haben wir hier für sie alle weiteren Infos zur US-Wahl 2020 wie die Hochrechnungen und Zwischenergebnisse des Tages sowie den aktuellen Stand der Kandidaten der US-Wahl. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Morry Gash/AP/dpa

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