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Umfrage: So viele Wähler könnte Seehofers „Obergrenze“ der CSU bringen

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Bayerischer Sonderweg: Horst Seehofer pocht auf eine „Obergrenze“

Vom Ruf nach einer „Obergrenze“ will Horst Seehofer nicht lassen. Dass die Forderung realistisch ist, scheint fraglich - offenbar ist sie aber für viele CSU-Wähler entscheidend.

München - Ein Mann, ein Reizwort: Horst Seehofer und die Flüchtlings-„Obergrenze“ scheinen mittlerweile fest zusammen zu gehören: Seit vielen Monaten bekräftigt der CSU-Chef hartnäckig seine Forderung, die Zahl der ankommenden Asylbewerber zu deckeln. Auch gegen den erklärten Willen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - und trotz Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit einer solchen Regelung. Kleinere Meinungswechsel bleiben, für Seehofer eher untypisch, Episoden.

Kurz vor der Bundestagswahl bleibt allerdings eine große Frage. Trifft das Festhalten an der „Obergrenze“ bei den bayerischen Wählern überhaupt wirklich einen Nerv? Nehmen Seehofer und die CSU mit ihrer Forderung der AfD Wähler ab - oder überbewertet Bayerns Regierungschef das Thema? Aufschluss gibt eine repräsentative Umfrage* der Ippen-Digital-Zentralredaktion in Zusammenarbeit mit Google.

1.008 Internetnutzer aus Bayern haben auf folgende Frage geantwortet: „Würden Sie Horst Seehofer und die CSU auch ohne die Forderung nach einer Flüchtlings-Obergrenze wählen?“ 

Ich würde Seehofer und die CSU so oder so nicht wählen.

26,0%

Ja, Seehofer überzeugt mich auch mit anderen Themen.

15,3%

Nein, die Obergrenze ist für mich Seehofers wichtigste Forderung.

12,1%

Dazu möchte ich mich nicht äußern.

46,6%

46,6 Prozent erklärten, sie wollten sich zu der Frage lieber nicht äußern. Von den Verbleibenden gaben 26 Prozent an, sie würden die CSU so oder so nicht wählen. Für 15,3 Prozent ist Horst Seehofers Politik auch ohne „Obergrenze“ überzeugend - 12,1 Prozent nannten die Obergrenze als den entscheidenden Faktor in der Politik des Bayerischen Ministerpräsidenten.

44 Prozent der CSU-Sympathisanten pocht auf die Obergrenze

Ein wenig Rechenarbeit legt die Kernaussage der Umfrage klarer offen: Zieht man den Anteil von 46,6% der sich nicht Äußernden ab, verbleiben 53,4 Prozent inhaltlicher Antworten. Diese teilen sich in etwa zu gleichen Teilen auf in Teilnehmer, die die CSU keinesfalls wählen würden (26 Prozent) und die aktuell eine Wahl der Partei planen (27,4 Prozent). Ein Ergebnis, das sich in etwa mit aktuellen Wahlumfragen aus Bayern deckt.

Unter diesen 27,4 Prozent CSU-Sympathisanten ist der Anteil der bedingungslosen Wähler nur geringfügig größer, als jener, für die die Obergrenze eine absolut unerlässliche Forderung ist. Die Ratio von 15,3 Prozent zu 12,1 Prozent dieser beiden Gruppen bedeutet im Klartext: 44 Prozent der erklärten CSU-Wähler pochen auf die „Obergrenze“. Sie sind der Umfrage zufolge jenes Wählerpotenzial, das Seehofer durch sein Beharren auf der Obergrenze der CSU sichert.

Angela Merkel und Horst Seehofer sind sich beim Thema „Obergrenze“ nicht einig

Das Thema treibt Bayerns Wähler also augenscheinlich ganz besonders um - bemerkenswert vor allem angesichts der Tatsache, dass die CDU im Rest der Nation ihre Spitzenstellung in den Umfragen ohne eine vergleichbare Forderung holt.

Alte CSU-Wähler besonders treu

Wie bei der vorausgegangenen Umfrage von der Ippen-Digital-Zentralredaktion und Google zum Thema Videoüberwachung, zeigen sich beim Thema „Obergrenze“ auch einige demografische Unterschiede. So antworteten die weiblichen CSU-Sympathisanten in jeweils gleichem Verhältnis, sie würden Seehofer ohnehin, oder aber ausschließlich aufgrund des Faktors „Obergrenze“ wählen. Unter den männlichen Teilnehmern war das Thema deutlich weniger ausschlaggebend.

Unter den verschiedenen Altersgruppen zeigten sich die ältesten CSU-Wähler am treuesten: 27,3 Prozent der über 65-Jährigen Teilnehmer erklärten, sie seien von den Themen der CSU so oder so überzeugt. Nur 11,4 Prozent pochten auf die „Obergrenze“.

Mehr über die rechtlichen Schwierigkeiten einer „Obergrenze“ erfahren Sie in diesem Artikel.

fn

*Offenlegung zu Umfragen der Ippen-Digital-Zentralredaktion mit Unterstützung von Google Survey

Vor der Bundestagswahl 2017 führt das bundesweite Redaktionsnetzwerk der Ippen-Digital-Zentralredaktion mehrere Umfragen durch. Das Redaktionsnetzwerk umfasst Merkur.de, hna.de, tz.de, rosenheim24.de, wa.de, kreiszeitung.de sowie rund 40 weitere Portale. Technisch werden die Umfragen von Google unterstützt und mit dem Dienst „Google Survey“ durchgeführt. Die Umfragen sind repräsentativ für die Bevölkerung Deutschlands. Dazu werden die Ergebnisse gewichtet; also entsprechend der tatsächlichen Verteilung von Geschlecht, Alter und Wohnort angeglichen. Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch angesetzt: Die Umfrage werden per Zufall als Pop-Up und ohne feste URL auf unterschiedlichen Webseiten im Internet ausgespielt. Zudem wird durch ein sogenanntes Frequency Capping sichergestellt, dass Nutzer eine Umfrage nicht mehrfach zu sehen bekommen.

An der aktuellen Umfragen zur Obergrenze haben insgesamt 1008 Internet-User aus ganz Deutschland teilgenommen. Antworten, die nicht eindeutig den verschiedenen demografischen Merkmalen der Nutzer zugeordnet worden konnten, wurden nicht in das finale Ergebnis aufgenommen. Ausgewertet wurden schließlich 876 Antworten.

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