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Putins Militärstützpunkt mitten in Europa: Russland rüstete in der Ostsee auf - Manöver vor deutscher Küste

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Von: Patrick Mayer

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Macht der Nato Sorgen: die russische Marine, hier ein namentlich nicht genanntes Kriegsschiff der Schwarzmeerflotte. (Symbolfoto)
Macht der Nato Sorgen: die russische Marine, hier ein namentlich nicht genanntes Kriegsschiff der Schwarzmeerflotte. (Symbolfoto) © IMAGO / Cover-Images

Russland unterhält in seiner Exklave Kaliningrad einen riesigen Marinestützpunkt. Bei einem Manöver kamen Kriegsschiffe der deutschen Ostsee-Küste nahe. Was wir über die Baltische Flotte wissen. Und was nicht.

München/Baltijsk - Damals ging der Bericht nachrichtlich unter. Es war Hochsommer in Deutschland an jenem 10. Juli 2019, schwül-warmes Wetter überall. In dieser sonnigen Wetterlage mit keinen Wolken am Himmel waren auch sie gut zu sehen: Kriegsschiffe vor der deutschen Ostsee-Küste.

Baltische Flotte in Kaliningrad: Putins Militär-Stützpunkt inmitten der Nato

Nun ist das zwischen Stralsund und Lübeck erstmal nichts Außergewöhnliches, schließlich hat das Kommando der deutschen Marine in Rostock sein Hauptquartier. Doch: Die wuchtigen Seegefährte fuhren unter russischer Flagge. Das berichteten seinerzeit die Kieler Nachrichten (KN), der sicherheitspolitische Blog Augen geradeaus! und darauf beruhend die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) übereinstimmend. Die KN veröffentlichte sogar Fotos von dem Manöver, die unter anderem den Lenkwaffen-Kreuzer „Marshall Ustinov“ sowie den U-Jagd-Zerstörer „Seweromorsk“ vor der Küste der deutschen Insel Fehmarn zeigen sollen. 

Kaum auszudenken, was diese Nachricht in Zeiten des Ukraine-Konfliktes* an Reaktionen und Protesten hervorgerufen hätte. Schließlich ist der Ostsee-Bereich zwischen Fehmarn, Dänemark und Rostock tiefstes Nato-Gebiet. Die sicherheitspolitisch sensible Küste Polens hatten die Kriegsschiffe damit längst passiert. Der F.A.Z. zufolge handelte es sich um das bislang größte Seemanöver (Übung „Ocean Shield“) der russischen Streitkräfte in der Ostsee mit 69 eingesetzten Schiffen und Booten sowie mehr als 10.600 Soldaten. Und: Der russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge sei es den amphibischen Schiffen der Baltischen Flotte gelungen, Angriffstruppen auf unwegsamem Gelände zu landen. Wo auch immer das gewesen sein soll.

Baltische Flotte in Kaliningrad: „Machtdemonstration“ von Wladimir Putin - Sorgen der Nato

Die Baltische Flotte. Sie ist die Festung von Kreml-Chef Wladimir Putin* mitten in Europa, stationiert auf der russischen Exklave Kaliningrad, die einst das ostpreußisch-deutsche Königsberg war. Das transatlantische Bündnis Nato* blickt mit Sorgen dorthin. Putin demonstriert just hier, zwischen Polen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland gerne seine militärische Stärke. Wie die KN und die F.A.Z übereinstimmend berichten, soll die deutsche Marine damals völlig überrascht davon gewesen sein, dass ganze russische Verbände an Rügen und Fehmarn vorbei zum Großen Belt gefahren sind - und damit tief in Nato-Gebiet eingedrungen sind. Ein Sprecher der dänischen Marine habe die Anzahl russischer Kriegsschiffe auf 19 beziffert, heißt es weiter.

In Zeiten des Russland-Ukraine-Kriegs wäre sowas wohl undenkbar. Manöver der Baltischen Flotte in der Ostsee sind indes keine Seltenheit. Im Frühjahr 2018 kritisierte Lettland eine Marineübung mit zehn russischen Kriegsschiffen vor der eigenen Küste laut Welt als „Machtdemonstration“. Schweden habe sogar vor Gefahren für die zivile Schifffahrt gewarnt. Solche militärischen Provokationen von russischer Seite gab es immer wieder.

2015 wurden für Militärübungen sogenannte Iskander-Raketen aus Russland nach Kaliningrad gebracht. Diese können mit konventionellen und nuklearen Sprengköpfen ausgestattet werden und haben eine Reichweite von 500 Kilometern. Sie könnten damit weite Teile polnischen Staatsgebiets erreichen. Im Frühjahr 2018 wiederholte Russland das Szenario. Der Kreml bestätigte seinerzeit die Stationierung der Mittelstrecken-Raketen ohne Umschweife.

Im Video: Kompakt - Die News zum Ukraine-Krieg und zum Überfall Russlands

Damit nicht genug: Laut Frankfurter Rundschau (FR) rüstete Russland die Baltische Flotte im Mai 2021 noch weiter auf. So habe Moskau* zwei hochmoderne Kampfbomber SU-30SM zusätzlich geschickt, die Marineinfanterie über 80 neue Schützenpanzer BMB-3 erhalten. Seinerzeit standen demnach acht deutschen und polnischen Nato-U-Booten sowie fünf verbündeten schwedischen U-Booten angeblich nur zwei russische U-Boote gegenüber.

Russland habe aber angekündigt, heißt es in dem Bericht, eine noch unbekannte Zahl neuer Diesel-U-Boote der Klasse Warschawjanka oder Lada in der Ostsee zu stationieren. Der Moskauer Militärexperte Viktor Litowkin vermutete gegenüber der FR sechs weitere russische U-Boote. Eine Schätzung.

Quellen: Berichte der Frankfurter Rundschau, der Deutschen Welle, des Handelsblatts und bei Welt

Teil der Baltischen Flotte: russische Marine-Infanteristen bei einer Übung Anfang März nahe Kaliningrad.
Teil der Baltischen Flotte: russische Marine-Infanteristen bei einer Übung Anfang März nahe Kaliningrad. © IMAGO / ITAR-TASS

Das berühmte Säbelrasseln? Die Gemengelage ist heikel. Die transatlantische Verteidigungsbündnis entsandte als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine Tausende Nato-Soldaten ins Baltikum. Einzig in Litauen sollen mittlerweile (unter anderem) 1000 Soldaten der deutschen Bundeswehr stationiert sein - samt wuchtigen Leopard-2-Panzern und mit mindestens sechs schweren Panzerhaubitzen2000.

Wie viele russische Marine-Infanteristen dagegen in Kaliningrad stationiert sind, ist nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass sie erst am 4. März eine öffentlich zur Schau gestellte Militärübung mit Hubschraubern und Schützenpanzern abhielten.

Kaliningrad: Nato beobachtet Baltische Flotte Russlands aufmerksam

Wie sehr militärisch stark die Baltische Flotte letztlich ist, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. 2019 wurde die Anzahl russischer Fregatten auf zwei geschätzt. Zum Vergleich: Die deutsche Marine hat zwölf Fregatten. Darunter sind vier hoch moderne Schiffe der sogenannten Baden-Württemberg-Klasse. Der Blick der Nato geht in diesen Tagen dennoch besorgt in Richtung Kaliningrad. (pm) *Merkur.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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