Katalonien-Konflikt im News-Ticker

Unabhängigkeitsbefürworter wollen Puigdemont zurück

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Oriol Junqueras Kataloniens Ex-Vize bleibt weiter in Haft.

Oriol Junqueras bleibt in Haft. Ihm droehen bis zu 30 Jahren Haft. Puigdemont hingegen soll wieder in sein Amt eingesetzt werden.

  • Die Katalanen haben am Donnerstag ein neues Parlament gewählt
  • Die Neuwahl war von der spanischen Zentralregierung nach der vorübergehenden Unabhängigkeitserklärung Kataloniens angeordnet worden
  • Der Urnengang fand unter ungewöhnlichen Vorzeichen statt: Zwei Spitzenkandidaten waren in Untersuchungshaft bzw. befanden sich zwangsweise außer Landes
  • Die katalanischen Separatisten konnten sich durchsetzen und gewannen die absolute Mehrheit
  • Die pro-spanischen Parteien holten jedoch bei der Wahl 52% der Stimmen, nur auf Grund des besonderen Wahlrechts holten die Separatisten die meisten Mandate
  • Unklar ist nun, wie es mit den Unabhängigkeitsbestrebungen weitergehen wird

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UPDATE am 18. März 2018

Wladimir Putin wird am Sonntag voraussichtlich erneut zum Präsidenten Russlands gewählt. Sein stärkster Gegner wurde von der Wahl ausgeschlossen. Alle Infos zur Russland-Wahl im News-Ticker.

Die News vom 10. Januar 2018

18.57 Uhr: Die beiden großen Parteien aus dem Unabhängigkeitslager Kataloniens haben sich darauf geeinigt, den von Madrid abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont wieder in sein Amt einzusetzen. Eine Sprecherin der linksnationalistischen Partei Esquerra Republicana de Catalunya (ERC, Republikanische Linke Kataloniens), sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, die ERC-Generalsekretärin Marta Rivora habe sich zu diesem Zweck am Dienstag mit Puigdemont in Brüssel getroffen.

Die News vom 5. Januar 2018

16.53 Uhr: Der von Madrid abgesetzte katalanische Vizepräsident Oriol Junqueras bleibt in Haft: Die drei Richter der Berufungskammer von Spaniens Oberstem Gericht lehnten am Freitag eine Haftentlassung einstimmig ab. Der einstige Stellvertreter des ebenfalls abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont sitzt seit Anfang November wegen seiner Mitwirkung an der katalanischen "Rebellion" in der Nähe von Madrid hinter Gittern. Bei der katalanischen Parlamentswahl am 21. Dezember errang er ein Abgeordnetenmandat.

Die drei Richter sahen Hinweise als gegeben an, dass der Unabhängigkeitsbefürworter Junqueras sich "Rebellion, Aufruhr und Unterschlagung öffentlicher Mittel" zuschulden kommen ließ. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte erneut derartige Vergehen begehe. Denn nichts deute darauf hin, dass Junqueras die Absicht habe, "den von ihm bislang eingeschlagenen Weg aufzugeben".

Die Kammer verwahrte sich gegen den Vorwurf eines politischen Verfahrens. Sie hielt fest, dass es legal sei, für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien einzutreten. Gemäß der spanischen Verfassung könne jede politische Position vertreten werden. Allerdings dürften dabei "keine Delikte verübt" werden. 

Welche Folgen hat das Gerichtsurteil?

Das Gerichtsurteil hat politische Folgen. Im Parlament in Barcelona verfügen die Unabhängigkeitsbefürworter über die absolute Mehrheit von 70 der insgesamt 135 Sitze. Allerdings können acht der Abgeordneten ihr Mandat nicht wahrnehmen: Junqueras und zwei weitere Abgeordnete sitzen im Gefängnis, Puigdemont und vier seiner ehemaligen Minister befinden sich im belgischen Exil. Sie werden von der spanischen Justiz mit Haftbefehl gesucht - wegen derselben Delikte, die Junqueras zur Last gelegt werden. Rebellion kann in Spanien mit bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft werden, Aufruhr mit bis zu 15 Jahren. 

Damit das Unabhängigkeitslager im Parlament auf die Mehrheit von 68 Stimmen kommt, müssten von den acht inhaftierten und exilierten Abgeordneten mindestens sechs im Parlament sein. Da dies kaum möglich scheint, dürften sie von ihren jeweiligen Nachrückern vertreten werden. 

Bei dem von Madrid verbotenen und mit massiver Polizeigewalt behinderten Volksentscheid vom 1. Oktober hatten 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit von Spanien gestimmt. Allerdings nahmen nur 43 Prozent der Wahlberechtigten an dem vom spanischen Verfassungsgericht für illegal erklärten Referendum teil. 

Die Zentralregierung übernahm am 27. Oktober die direkte Kontrolle über Katalonien und enthob die von Puigdemont geführte Regionalregierung ihres Amtes, nachdem das Parlament in Barcelona Kataloniens Unabhängigkeit erklärt hatte. Madrid stützte sich dabei auf Artikel 155 der Verfassung des Königreichs Spaniens.

Die News vom 29.12.2017

 18.20 Uhr: Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger sieht Lösungsmöglichkeiten für den Streit zwischen der spanischen

Zentralregierung und den Separatisten in der Region Katalonien. „Aus deutscher Sicht kann ich nur in aller Bescheidenheit den Rat geben, sich diejenigen Regierungssysteme in Europa anzusehen, in denen die Regionen eine eigene Verfassung und ein großes Maß an Eigenverantwortung haben, für den Haushalt etwa, die Justiz oder das Schulwesen“, sagte der CDU-Politiker dem Spiegel.

In Deutschland oder Österreich habe man „mit starken Ländern und einer kooperativen Demokratie gute Erfahrungen gemacht.“ Er sei sich sicher, dass dieses Vorbild bei einer konstruktiven Debatte weiterhelfen könne, sagte Oettinger.

Offiziell hat sich die EU-Kommission bislang nicht als Vermittler in den Unabhängigkeitsstreit eingeschaltet. Grund dafür ist, dass der Konflikt als innerstaatliche Angelegenheit gewertet wird, in die sich Brüssel nicht ohne Einverständnis der Regierung in Madrid einmischen darf.

Die Meldungen am Freitag, den 22. Dezember 2017

20.09 Uhr: Teammanager Pep Guardiola vom englischen Fußball-Spitzenklub Manchester City hat zurückhaltend auf Medienberichte reagiert, nach denen er sich wegen seines Engagements für die Unabhängigkeitskampagne seiner Heimatregion Katalonien vor der spanischen Justiz verantworten müsse. "Wir werden sehen, was passiert", sagte der ehemalige Coach des deutschen Rekordmeisters Bayern München.

17.12 Uhr: Die der PP nahestehende Zeitung „El Mundo“ meinte, Rajoy werde vom „Debakel deutlich geschwächt“ und werde nun vom„Gespenst der Neuwahlen“ auf nationaler Ebene bedroht. Vor Journalisten wies der Ministerpräsident diese Möglichkeit am Freitag barsch zurück. Er denke nicht daran, sagte er auf Anfrage. Selbstkritik?, fragte ein anderer Journalist. Keine. Verhandlungen mit Puigdemont?, wollte ein Dritter wissen. „Nur auf Grundlage des Gesetzes.“

14.55 Uhr: Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat den überraschenden Erfolg der Separatisten bei der Parlamentsneuwahl in der Konfliktregion Katalonien relativiert. „Die Unabhängigkeits-Befürworter haben an Unterstützung eingebüßt. Weniger, als wir uns gewünscht hatten, aber sie haben eingebüßt“, sagte der konservative Regierungschef am Freitag vor Journalisten in Madrid. Zu einer Dialogforderung der Separatisten sagte er, er wolle nur auf der Grundlage des Gesetzes verhandeln.

An die Adresse der Separatisten sagte Rajoy: „Niemand darf im Namen Kataloniens sprechen, wenn er dabei nicht ganz Katalonien berücksichtigt.“ In der Region gebe es Meinungspluralität, wie die Wahl gezeigt habe.

14.35 Uhr: Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy hat das Angebot des abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont für ein Treffen außerhalb Spaniens abgelehnt. Das sagte Rajoy am Freitag auf die entsprechende Frage eines Journalisten. Rajoy äußerte sich nach Beratungen seiner konservativen Volkspartei PP, die bei der Parlamentswahl in Katalonien abgestraft worden war.

13.30 Uhr: Die Bundesregierung hat sich nach der Katalonien zur Wort gemeldet. Sie fordert einen „Dialog“ der beiden Konfliktparteien. Ziel müsse es sein, "eine Aussöhnung in der spanischen Gesellschaft zu erreichen", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag in Berlin. "Die Bundesregierung vertraut darauf, dass alle Akteure in Spanien dieses Ziel verfolgen und dabei sämtliche Möglichkeiten zum Dialog und zur Deeskalation nutzen werden", sagte Demmer weiter.

Demmer sagte, es gehe nun darum, eine neue Regionalregierung zu bilden. "Wir verbinden damit die Hoffnung, dass es gelingt, die gegenwärtige Spaltung der katalanischen Gesellschaft zu überwinden und mit allen politischen Kräften Spaniens eine gemeinsame Zukunft zu gestalten", hob die stellvertretende Regierungssprecherin hervor. Sie bekräftigte aber auch, dass sich jede neue katalanische Regionalregierung "auf dem Boden des Rechtsstaats und der spanischen Verfassung" bewegen müsse - eine implizite Absage an mögliche eigenmächtige Unabhängigkeitserklärungen.

12.45 Uhr: Carles Puigdemont hat sich nach den Neuwahlen in Katalonien offen für Gespräche mit Madrid gezeigt. Er sei bereit, sich außerhalb Spaniens mit Ministerpräsident Mariano Rajoy zu treffen, sagte der 54-Jährige am Freitag bei einer Pressekonferenz in seinem Exil in Brüssel. Rajoy müsse den Wahlsieg der Unabhängigkeitsbefürworter anerkennen.

Neue Wahl, altbekannte Fronten: Puigdemonts Wiederwahl bahnt sich an

12.25 Uhr: In Katalonien zeichnet sich eine Rückkehr an die Macht des im Oktober abgesetzten separatistischen Regional-Präsidenten Carles Puigdemont ab. Die linksradikale Partei CUP erklärte sich am Freitag bereit, der Bildung einer Regierung unter Führung des 54-Jährigen zuzustimmen. Voraussetzung sei, dass Puigdemont weiterhin das Ziel „der Gründung einer katalanischen Republik“ verfolge, sagte CUP-Spitzenkandidat Carles Riera vor Journalisten in der katalanischen Hauptstadt Barcelona.

Puigdemonts Allianz JuntsXCat landete zwar mit 34 Sitzen hinter den liberalen Unabhängigkeitsgegnern Ciudadanos (37) nur auf dem zweiten Platz. Doch im Gegensatz zur regionalen Ciudadanos-Chefin Inés Arrimadas kann sich Puigdemont Hoffnungen auf eine Wahl zum Regionalpräsidenten machen, weil die drei für die Unabhängigkeit eintretenden Parteien - neben seiner JuntsXCat und CUP auch die linksnationalistische ERC - zusammen erneut die absolute Mehrheit der Sitze errangen.

12.10 Uhr: Einem Zeitungsbericht zufolge nehmen die spanischen Behörden nach der Regionalwahl einen prominenten Unabhängigkeits-Befürworter ins Visier: Offenbar wird gegen den früheren FC-Bayern-Coach Pep Guardiola wegen „Anstiftung zur Rebellion“ ermittelt. Guardiola hatte im Juni bei einer Demonstration ein Manifest für die Loslösung Katalonien von Spanien verlesen.

10.50 Uhr: Zur Lösung der Katalonien-Krise fordern deutsche Europaabgeordnete Zugeständnisse der spanischen Zentralregierung. „Ein Ausweg aus der Misere kann das ernsthafte Angebot einer Reform der spanischen Verfassung sein“, sagte der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Katalonien solle ähnlich wie das Baskenland mehr kulturelle und wirtschaftlich-finanzielle Eigenständigkeit bekommen. „Das sture Festhalten an alten Glaubenssätzen hilft jetzt nicht mehr weiter“, meinte Leinen.

Der CDU-Abgeordnete Elmar Brok verlangte im Deutschlandfunk ebenfalls Kompromissbereitschaft. Er hoffe, dass der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy den Katalanen mehr Rechte zugestehen werde. Rajoy neige allerdings ein bisschen zur Sturheit, sagte Brok. Er lehnte eine Vermittlung durch die Europäische Union ab, da es sich um eine innerspanische Angelegenheit handele.

10.27 Uhr: Die bisherige Vertreterin der katalanischen Regionalregierung in Berlin, Marie Kapretz, fordert nach den Regionalwahlen in Katalonien den Einsatz eines internationalen Vermittlungsteams. Die Regierungspartei Spaniens wurde "klar abgestraft", sagte Kapretz am Freitag im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Um einen Dialog zwischen den Unabhängigkeitsbefürwortern und der Zentralregierung zu erreichen, bedürfe es nun internationaler Hilfe. 

Dringend notwendig sei, "dass es in Zukunft zu Gesprächen kommt", sagte die ehemalige katalanische Vertreterin. "Und da das so nicht stattfinden wird, (...) sollte man doch bitte ein internationales Vermittlungsteam schicken", fügte sie hinzu. Nach ihrer Einschätzung wird der bisherige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont nun zunächst von seinem belgischen Exil aus regieren: "Er hat ja auch sehr erfolgreich Wahlkampf aus Brüssel geführt", sagte dazu Kapretz dazu.

6.35 Uhr: Die Wähler in Katalonien haben die spanische Zentralregierung abgestraft: Bei der Regionalwahl am Donnerstag gaben sie den katalanischen Nationalisten, die nach der Unabhängigkeitserklärung von Madrid entmachtet worden waren, erneut eine absolute Mehrheit im Parlament. Kataloniens abgesetzter Regierungschef Carles Puigdemont sprach im belgischen Exil von einer Niederlage der spanischen Zentralregierung: "Die Katalanische Republik hat über die Monarchie gesiegt." Ein rascher Ausweg aus der spanischen Staatskrise ist nach diesem Ergebnis nicht absehbar.

Im neuen katalanischen Regionalparlament gehen 70 von 135 Sitzen an jene drei Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten. Bei der letzten Wahl 2015 hatten sie noch zwei Sitze mehr gehabt.

Die größte Fraktion im Parlament von Barcelona wird künftig aber eine Partei stellen, die für den Verbleib im spanischen Staatsverbund eintritt: Die liberale Bürgerpartei gewann mit ihrer charismatischen Spitzenkandidatin Ines Arrimadas 37 Sitze.

Die Vorsitzende der Fraktion der Partei Ciudadanos, Ines Arrimadas, freut sich mit ihren Anhängern über das gute Wahlergebnis ihrer Partei.

Die pro-spanischen Parteien gewannen bei der Wahl mit rund 52 Prozent mehr Stimmen als die Unabhängigkeitsbefürworter, die auf knapp 48 Prozent kamen. Dass letztere dennoch die absolute Mehrheit im Parlament haben, liegt an Besonderheiten des Wahlrechts, das Stimmen aus ländlichen Regionen stärker gewichtet. Dort haben die Separatisten ihre Hochburg, während in Kataloniens großen Städten die pro-spanischen Parteien siegten. 

Die Wahlbeteiligung erreichte mit 82 Prozent einen Rekord.

Puigdemont sprach in Brüssel von einer "Ohrfeige" für Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Der spanische Staat ist geschlagen. Rajoy und seine Verbündeten haben verloren", sagte Puigdemont. Er will sich am Freitag um 10.30 Uhr in Brüssel zu seinen weiteren Plänen äußern. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht ihm die Festnahme, da ein Haftbefehl wegen Rebellion und anderer Delikte gegen ihn vorliegt.

Der frühere Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, jubelt sich in Brüssel zusammen mit Meritxell Serret, der früheren katalanische Agrarministerin, über den Sieg der Separatisten.

Rajoys konservative Volkspartei wurde bei der Wahl besonders abgestraft: Sie verlor acht ihrer elf Parlamentsmandate. Die siegreiche Spitzenkandidatin der Cuidadanos, Arrimadas warnte die Separatisten in der Wahlnacht vor neuerlichen Alleingängen: "Die Nationalisten werden nie mehr im Namen von ganz Katalonien sprechen können. Wir sind alle Katalonien."

Die EU-Kommission erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass sich ihre Haltung in der Katalonien-Frage "nicht ändern" werde. "Es handelt sich um eine Regionalwahl, und das haben wir nicht zu kommentieren", sagte ein Kommissionssprecher zu AFP in Brüssel. Die Kommission hatte wiederholt eine Einmischung in die Auseinandersetzung zwischen Madrid und Brüssel abgelehnt.

Die Meldungen am Donnerstag, 21. Dezember 2017

22.40 Uhr: Bei der Parlaments-Neuwahl in der spanischen Konfliktregion Katalonien zeichnet sich immer deutlicher eine absolute Mehrheit der Separatisten ab. Nach Auszählung von rund 70 Prozent der Stimmen kommen die drei für eine Unabhängigkeit eintretenden Parteien am Donnerstag zusammen auf 70 der insgesamt 135 Sitze des Parlaments in Barcelona, wie am späten Abend aus Veröffentlichungen der katalanischen Wahlbehörde hervorging. Für eine absolute Mehrheit reichen 68 Sitze.

Nach den vorläufigen Zahlen lag zwar die liberale Partei Ciudadanos der Spitzenkandidatin Inés Arrimadas mit 35 Sitzen vorne. Die 36-jährige Gegnerin einer Abspaltung der Region von Spanien hat allerdings aufgrund des schlechten Abschneidens ihrer möglichen Koalitionspartner laut Beobachtern keine Chance auf eine Regierungsbildung. Dafür könnte es eine Comeback des Ende Oktober abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont geben. Puigdemonts separatistische Allianz JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) lag mit 34 Sitzen vorerst an zweiter Stelle.

20.30 Uhr: Katalonien hat abgestimmt: Bei der Regionalwahl in der nordostspanischen Region haben am Abend die Wahllokale geschlossen. Die Behörden verzeichneten am Donnerstag eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als bei der Regionalwahl 2015. Bis 18 Uhr, zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale, lag die Beteiligung bei 68,32 Prozent, vor zwei Jahren waren es zu der Uhrzeit 63,12 Prozent gewesen. Mit ersten einigermaßen aussagekräftigen Ergebnissen wird gegen 22.00 Uhr gerechnet.

Die Abstimmung gilt als richtungsweisend: Alle Augen sind darauf gerichtet, ob die Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten, ihre absolute Mehrheit verteidigen können. 5,5 Millionen Stimmberechtigte waren aufgerufen gewesen, die 135 Sitze im katalanischen Parlament neu zu vergeben. In Umfragen hatten sich Unabhängigkeitsbefürworter und deren Gegner zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.

14.25 Uhr:

Bei der Regionalwahl in Katalonien zeichnet sich eine

hohe Wahlbeteiligung

ab. Bis 13.00 Uhr hatten am Donnerstag knapp 34,7 Prozent aller wahlberechtigten Bürger ihre Stimme abgegeben, wie die Wahlbehörden mitteilten. Das seien nur 0,4 Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl im Herbst 2015, hieß es.

Vor zwei Jahren war bereits eine hohe Wahlbeteiligung von mehr als 77 Prozent registriert worden. Diesmal wird nicht ausgeschlossen, dass sogar rund 80 Prozent der insgesamt gut 5,5 Millionen Wahlberechtigten zu den Urnen gehen. Experten wiesen im spanischen Fernsehen darauf hin, dass die Tatsache, dass diesmal an einem Werktag gewählt wird, wohl dazu führen werde, dass ungewöhnlich viele Menschen erst nach Feierabend ihre Stimme abgeben werden. Die Wahllokale schließen um 20.00 Uhr.

14.00 Uhr: Der abgesetzte Regionalpräsident Carles Puigdemont hat von Brüssel aus die Unabhängigkeitsbefürworter der spanischen Konfliktregion Katalonien am Wahltag angefeuert. „Wir werden heute erneut die Stärke eines unbeugsamen Volkes unter Beweis stellen“, schrieb der 54 Jahre alte Spitzenkandidat der separatistischen Allianz JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) am Donnerstag auf Twitter.

Puigdemont verzichtete auf eine Briefwahl. Für ihn gab die junge Katalanin Laura Sancho am Donnerstag die Stimme ab. Die 18-Jährige hatte Puigdemont jüngst in Brüssel besucht und ihm angeboten, für ihn die Stimmabgabe durchzuführen, wie der Politiker auf Instagram bekanntgab. Es handelte sich allerdings um eine symbolische Aktion, denn auch in Katalonien darf man die Stimmabgabe nicht delegieren. „Puigdemont ist sehr einfallsreich“, hieß es dazu im TV-Sender RTVE.

12.35 Uhr: Wer tritt bei der Katalonien-Wahl eigentlich an, wie sehen die Umfragen aus - und was könnte das Ergebnis für den Streit um die Unabhängigkeit der Region bedeuten? Die wichtigsten Antworten haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengefasst.

09.30 Uhr: In Katalonien hat nun die Stimmabgabe zur Regionalwahl begonnen. Das Interesse der Wähler ist offenbar groß: Wie die dpa berichtet, haben sich schon am Morgen vor vielen der 2680 Wahllokale Schlangen gebildet. 

Umfragen zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den separatistischen Parteien und den Unabhängigkeitsgegnern ab. Die Wahllokale schließen um 20.00 Uhr. Am späten Abend soll das Ergebnis bekanntgegeben werden.

Regionalwahlen in Katalonien: Spanien wartet gespannt

Barcelona - Ganz Spanien blickt an diesem Donnerstag auf Katalonien. Seit Oktober herrscht dort nach einem von der Justiz verbotenen Unabhängigkeitsreferendum politisches Chaos, jetzt soll eine Neuwahl die Richtung für die Zukunft der Region vorgeben.

Regionalwahlen in Katalonien: Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus

Jedoch zeigen Umfragen: Die separatistischen Parteien könnten trotz eines Kopf-an-Kopf-Rennens mit den Unabhängigkeitsgegnern wieder an die Macht kommen. Ob sie aber die absolute Mehrheit von 68 Sitzen auf sich vereinen können, war bis zuletzt unklar. Möglicherweise droht sogar eine Patt-Situation mit langwierigen Koalitionsverhandlungen.

Rund 5,5 Millionen Katalanen sind zu den Urnen gerufen. Beobachter erwarten eine Wahlbeteiligung von über 80 Prozent. Rund 15.000 Polizisten sollen auf Anweisung der Zentralregierung in Madrid die Sicherheit bei der Abstimmung gewährleisten.

Spitzenkandidaten im Gefängnis und im „Exil“

Der Wahlkampf verlief höchst ungewöhnlich: Der Spitzenkandidat der bei Umfragen führenden linksnationalistischen Partei ERC, Oriol Junqueras, sitzt in Untersuchungshaft, während sich Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont - der Spitzenkandidat der Liste JxCat (Gemeinsam für Katalonien) - nach Brüssel abgesetzt hat. Kehrt er nach Spanien zurück, droht im die sofortige Festnahme. Zuletzt hatte der 54-Jährige versprochen, im Falle eines Sieges heimzukehren und eine Verhaftung zu riskieren.

Auch die liberale Partei Ciudadanos unter Spitzenkandidatin Inés Arrimadas kommt auf gute Umfragewerte. Arrimadas gilt als Hoffnungsträgerin und stärkste Widersacherin der separatistischen Kandidaten.

Nach einem Unabhängigkeitsbeschluss des Parlaments in Barcelona hatte die Zentralregierung in Madrid unter erstmaliger Anwendung des Verfassungsartikels 155 die Regionalregierung entmachtet und Ende Oktober selbst die Kontrolle in der wirtschaftsstarken Region übernommen. Gleichzeitig rief Ministerpräsident Mariano Rajoy aber eine rasche Neuwahl aus. Sobald eine neue Regierung vereidigt ist, werde die von Madrid auferlegte Zwangsverwaltung enden, sagte er.

dpa, AFP, Video: Glomex

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