Wirbel ums Finanzministerium

Tauber droht Griechenland - beerbt ein FDP-Mann Schäuble?

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Wissen Peter Tauber (li.) und Angela Merkel schon, wer neuer Finanzminister wird?

Wolfgang Schäuble wird den Posten als Finanzminister wohl verlassen. Womöglich hat CDU-General Peter Tauber den Nachfolger verraten - weil sich mit der FDP so gut drohen lässt.

Berlin/Brüssel - Der CDU-Generalsekretär ist traditionell der Mann fürs Grobe, fürs Poltern und Drohen - die berüchtigte „Abteilung Attacke“. Der aktuelle Amtsinhaber, Peter Tauber, hat augenscheinlich zuletzt ein bevorzugtes Ziel für publikumswirksame Angriffe: All jene, die die Wählerschaft vermeintlich als finanzielle Belastung empfinden könnte. 

Unlängst kassierte Tauber schon einen Shitstorm für die getwitterte Bemerkung, wer „was Ordentliches gelernt habe, brauche keine drei Minijobs“. Nun hat der CDU-General auf Twitter die Griechen ins Auge gefasst. Und damit erneut eine vermutlich nicht intendierte Welle losgetreten - Spekulationen über den Nachfolger Wolfgang Schäubles (CDU) als Finanzminister nämlich.

Schäuble-Nachfolge: Hat sich der CDU-General verquatscht?

„Meine These: Manch einer in Griechenland wird sich Wolfgang Schäuble zurückwünschen“, schrieb der Politiker am Mittwochabend in dem Kurznachrichtendienst. Gemeint war das als Retourkutsche für ein kolportiertes Aufatmen der Griechen über Schäubles mutmaßlichen Wechsel ins Amt des Bundestagspräsidenten.

Taubers Anwurf kam aber bei einigen nicht so sehr als pauschale Drohung an - sondern als sehr konkrete. Einer Drohung mit der FDP nämlich. „Kündigt der CDU-Generalsekretär hiermit einen FDP-Finanzminister an?“, twitterte der Brüssel-Korrespondent des ZDF, Stefan Leifert, als Antwort.

Die Liberalen als Schreckgespenst

Denn: Schäuble gilt in Griechenland zwar weithin als Symbolfigur für eine als so schmerzhaft wie kontraproduktiv empfundene restriktive Sparpolitik. Die FDP hatte sich im Wahlkampf aber noch als wesentlich härter präsentiert. Parteichef Christian Lindner lehnte einen Schuldenschnitt kategorisch ab und forderte in Interviews sogar einen Austritt Griechenlands aus dem Euro.

Durchaus denkbar also, dass Tauber die Liberalen schon als neues Schreckgespenst in Stellung bringt - zumal hinter den Kulissen durchaus bereits erste Gespräche über mögliche Postenverteilungen in einer Jamaika-Koalition laufen dürften. „Weswegen sonst soll Schäuble Bundestagspräsident werden, wenn nicht dafür, dass das Finanzministerium für die FDP frei wird?“, spekulierte eine Userin unter Leiferts Tweet.

„Wir Griechen sind ein geschichtsbewusstes Volk...“

Dass der CDU-Generalsekretär tatsächlich so weit gedacht hat, kann gleichwohl nicht als gesichert gelten. Bei seinem Minijob-Tweet ruderte Tauber später zurück. Es tue ihm leid, dass er sein eigentliches Anliegen - den Wert einer guten Ausbildung - „so blöd formuliert und damit manche verletzt habe“, erklärte Tauber wenig später. 

Damals hatte er ad hoc auf einen Tweet eines Users reagiert. Und auch diesmal war sein Post eigentlich ein schneller Konter. ZDF-Mann Leifert hatte zuvor eine nicht namentlich genannte griechische Kollegin zitiert: „Wir Griechen sind ein geschichtsbewusstes Volk. Wir respektieren deswegen sehr, dass Finanzminister Schäuble nun Geschichte ist“, soll sie gesagt haben. Ein Satz der Tauber womöglich in Rage brachte.

Und dann gibt es ja auch noch ein paar andere Unwägbarkeiten: Ob die FDP über ein mögliches Jamaika-Bündnis tatsächlich in Regierungsverantwortung gelangen wird, ist noch offen. Und selbst wenn es so kommt, ist noch unklar, ob der Finanzminister in Sachen Griechenland freie Hand haben wird. Denn die Grünen etwa fordern etwas ganz anderes: Schuldenerleichterungen für Griechenland.

Der Bundestagsabgeordnete Sven Kindler ging Tauber sogar unmittelbar nach dem Tweet an. „Schlimmer als die verheerende Kaputtsparpolitik und Grexitversuch von Schäuble? Das kann man ja nur als brutale Drohung verstehen...“, erklärte er.

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fn

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