Behörden ermitteln

Nach Daten-Skandal: Tesla-Chef löscht Facebook-Seiten

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Kein Facebook-Freund: Elon Musk.

Der Datenskandal um das soziale Netzwerk Facebook sorgt für heftige Reaktionen. Unter dem Hashtag #deletefacebook fordern immer mehr Nutzer sich von Facebook abzuwenden. Darunter auch Elon Musk.

Menlo Park - Trotz der Entschuldigung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Datenskandal wächst der Druck auf das Unternehmen weiter. Politiker bezeichneten Zuckerbergs Entschuldigung am Donnerstag als unzureichend und unglaubwürdig. Zudem mehrten sich die Aufrufe, Facebook den Rücken zu kehren und die eigenen Profile zu löschen. Der Mitbegründer des inzwischen zu Facebook gehörenden Mitteilungsdienstes WhatsApp, Brian Acton, rief im Kurzbotschaftendienst Twitter User dazu auf, ihren Facebook-Account zu löschen. "Es ist an der Zeit, löscht Facebook", schrieb er unter dem Hashtag #deletefacebook.

Auch Tesla-ChefElon Musk (20,5 Millionen (Follower auf Twitter) hat zwar nach eigenen Worten noch nie einen privaten Facebook-Account genutzt. Bei Facebook existierten lediglich Fan-Seiten für Musks Unternehmen „Space X“ und „Tesla“. Auf Twitter unterhielt sich Musk nun angeregt mit seinen Followern und sagte, dass er der Aufforderung, die Facebook-Fanseiten zu löschen, nachkommen wolle. Beide Seiten sind mittlerweile nicht mehr erreichbar.

Und wie sieht es mit dem Instagram-Profil von Musk aus? Die Plattform gehört ja schließlich auch zum Facebook-Konzern. Für ihn sei Instagram für den Moment okay solange es unabhängig bleibe, so Musk. Facebook hingegen habe der Unternehmer nie genutzt.

Zuvor schon war bereits der Aktienkurs von Facebook auf Talfahrt gegangen. Was war passiert? Zuckerberg hatte sich zuvor nach tagelangem Schweigen bei den mehr als zwei Milliarden Nutzern seines Netzwerks für den mutmaßlich gigantischen Datenmissbrauch entschuldigt. Nachdem er zunächst seine persönliche Verantwortung und "Fehler" des Unternehmens einräumte, entschuldigte er sich in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN und sprach von einem "großen Vertrauensbruch".

Auf seiner eigenen Facebook-Seite schrieb Zuckerberg, das Unternehmen wolle "aus dieser Erfahrung lernen" und das Online-Netzwerk sicherer für die Nutzer machen. In einem Interview mit der "New York Times" schloss der Facebook-Chef zugleich nicht aus, dass über bestimmte Apps in der Vergangenheit möglicherweise ebenfalls große Datenmengen abgerufen und "ohne unser Wissen" verkauft worden seien.

Vor Zuckerbergs persönlicher Erklärung hatte Facebook eine Stellungnahme veröffentlicht, in dem das Unternehmen die Schuld an dem Datenmissbrauch vor allem der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica sowie dem App-Entwickler Aleksandr Kogan zuwies. Facebook sei "entrüstet", das Unternehmen sei "betrogen" worden, hieß es darin.

Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern für den Wahlkampf von Donald Trump missbraucht

Zeitungen hatten am Wochenende berichtet, Cambridge Analytica habe mittels einer App die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern abgefischt und daraus ohne Wissen der Nutzer Persönlichkeitsprofile für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump erstellt.

Zuckerberg versicherte, Facebook habe nach der US-Präsidentschaftswahl von 2016 Schritte unternommen, die es ausländischen Regierungen erschwerten, sich mittels der sozialen Plattform in Wahlen einzumischen. Vor der US-Kongresswahl im kommenden November müsse es aber weitere Verbesserungen geben.

Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte am Donnerstag im Radiosender Bayern 2, Zuckerbergs Entschuldigung in dem Skandal sei "nicht wirklich glaubwürdig". Das Unternehmen gebe sich "erst jetzt, wo darüber so öffentlich diskutiert wird, zerknirscht". Auch der sinkende Börsenkurs habe vermutlich "die Betroffenheit bei Herrn Zuckerberg nochmal vergrößert". Medienberichten zufolge wusste Facebook schon 2015 von dem massiven Abfischen von Nutzerdaten durch Cambridge Analytica.

Kulturminister Matt Hancock hält Maßnahmen für unzureichend

Der britische Kulturminister Matt Hancock bezeichnete Zuckerbergs Ankündigungen zum besseren Datenschutz als unzureichend. "Ich glaube nicht, dass diese Änderungen weit genug gehen", sagte er der BBC. "Es sollte nicht einem Unternehmen überlassen werden zu entscheiden, was die richtige Balance zwischen Privatsphäre, Innovation und Datennutzung ist", sagte Hancock. Diese Regeln müssten von der Gesellschaft als ganzes bestimmt und von Parlamenten festgelegt werden.

Der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz sagte im Radioprogramm SWR Aktuell, die Zeit des Redens sei vorbei. "Wir müssen endlich die notwendigen Gesetze machen, um die Verbraucher zu schützen." Der EU-Abgeordnete Jan-Philipp Albrecht (Grüne) forderte eine bessere Kontrolle für Internet-Konzerne wie Facebook. Die deutschen Aufsichtsbehörden müssten entsprechend ausgestattet werden, sagte er NDR Info.

Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien ermitteln

Facebook sieht sich wegen des Datenskandals mit Untersuchungen von Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien konfrontiert. Zudem wollen Parlamente in mehreren Ländern den Unternehmenschef befragen. Zuckerberg erklärte sich bereit, vor Mitgliedern des US-Senats auszusagen. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, sie werde Facebook-Vertreter ins Ministerium laden. Das Thema soll auch beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel diskutiert werden.

Einem Bericht des Senders ABC zufolge untersucht auch der US-Sonderermittler zur Russlandaffäre, Robert Mueller, die Rolle von Cambridge Analytica in Trumps Wahlkampf.

AFP/mgo

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