Wahlkampfauftakt in Thüringen

Merkel wird erneut ausgebuht: „Manche können nur schreien“

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Merkel ging schon vor dem Beginn der Veranstaltung auf die Gegendemonstranten zu.

Sachsen bleibt für Politiker ein heikles Pflaster, die „Wutbürger“ pöbeln weiter. Wahlkampfauftritte der Kanzlerin werden genutzt, um Stimmung gegen „die da oben“ zu machen - auch in Thüringen.

Update vom 20. September 2017: Steht der Kanzlerin ein richtig unangenehmer Abend bevor? Am Freitagabend könnte es möglicherweise massive Proteste von AfD und Pegida beim Wahlkampf-Finale der Union mit Kanzlerin Angela Merkel in München geben.

Annaberg-Buchholz/Apolda - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bei Wahlkampfauftritten in Sachsen und Thüringen massiv beschimpft worden. Mit Trillerpfeifen und „Hau ab“-Rufen störten Pegida- und AfD-Anhänger am Donnerstag ihren Auftritt in der Erzgebirgsstadt Annaberg-Buchholz. Rund 150 Demonstranten fanden sich auf dem Marktplatz ein, um der Kanzlerin einen ohrenbetäubenden Empfang zu bereiten. Auch ein Auftritt Merkels in Thüringen wurde von heftigen Beschimpfungen begleitet.

In Annaberg stand auf Plakaten „Volksverräter“, „Nicht meine Kanzlerin“ oder „Merkels DDR 2.0“ zu lesen. Die Polizei erteilte mehrere Platzverweise. Insgesamt seien neun Straftaten registriert worden: zweimal das Zeigen des Hitlergrußes, drei Beleidigungen, drei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie einmal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, teilte die Polizei mit.

Merkel wurde von einem starken Aufgebot an Sicherheitskräften geschützt. Vor mehreren hundert, teils geladenen Zuhörern ging sie schon zu Beginn der Veranstaltung auf wütende Demonstranten ein: „Manche können nur schreien, manche wollen etwas bewegen, andere rufen nur“, sagte sie. 

Schon beim Wahlkampfauftakt in Hessen wurde Merkel von AfD-Anhängern ausgebuht.

Merkel verteidigt humanes Eingreifen bei Flüchtlingskrise

Angesichts der fremdenfeindlichen Pegida-Anhänger verteidigte die Kanzlerin die Flüchtlingspolitik ihrer Regierung: „Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, Menschen zu helfen, die in Not sind. Das war ein gutes Stück Deutschland in einer humanitären Notlage.“

Ein Jahr wie 2015 solle und dürfe sich aber nicht wiederholen, sagte Merkel. Es sei aber nicht Politik der Union, eine Gruppe gegen eine andere auszuspielen. „Wir unterscheiden nicht, sondern wir akzeptieren auch Unterschiede.“

Beim Wahlkampfauftakt der thüringischen CDU auf dem Gelände der Landesgartenschau in Apolda riefen rund 30 Menschen: „Hau ab“, „Lügenpack“, „Heuchler“ oder „Volksverräter“. Auf einem Transparent stand: „Grenzen hoch und Schotten dicht“; auf einem anderen: „Wer CDU wählt, wählt unbegrenzte Einwanderung von Scheinasylanten“. Merkel sagte mit Blick auf die Rufe nur: „Ja, kennen wir ja schon.“

Vor einem Monat hatte es bereits bei Besuchen von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in Dresden und Zwickau lautstarke Proteste aus dem Pegida- und AfD-Umfeld gegeben.

dpa

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