„Bruch der Regeln“

Johnsons Gesundheitsminister tritt zurück - nach Corona-Eklat um Kuss mit Assistentin

Matt Hancock mit gesenktem Kopf
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Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock (hier im Parlament Mitte Mai) hat seinen Rücktritt eingereicht.

Matt Hancock war der „britische Jens Spahn“: Er ist nicht nur Gesundheitsministers, er wird auch wegen seiner Corona-Politik kritisiert. Jetzt hat er seinen Rücktritt eingereicht.

Update vom 26. Juni, 20.28 Uhr: Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock hat seinen Rücktritt eingereicht. Hancock schrieb in seinem Brief an Premier Boris Johnson: „Wir sind es den Menschen, die in dieser Pandemie so viel geopfert haben, schuldig, ehrlich zu sein, wenn wir sie enttäuscht haben - wie ich es durch den Bruch der Regeln getan habe.“

Damit zog er Konsequenzen aus dem Bekanntwerden eines Kusses mit einer - wie er selbst ebenfalls verheirateten - Assistentin. Am Freitag hatte Hancock sich bereits öffentlich entschuldigt. Johnson hatte da aber erklärt, er habe die Entschuldigung angenommen. Ein Sprecher sagte, die Angelegenheit werde damit als erledigt betrachtet. Hancock wird vorgeworfen, bei dem Kuss die geltenden Abstandsregeln verletzt zu haben. Großbritannien erlebt derzeit massive Probleme mit der Delta-Variante des Coronavirus.

Großbritanniens Gesundheitsminister mit pikantem Bild in den Medien konfrontiert

Erstmeldung vom 26. Juni, 16.22 Uhr: London - Während Großbritannien gegen die Corona-Pandemie kämpft, beschäftigt sich der Gesundheitsminister des Königreichs offenbar beruflich nicht nur mit dem Wohlbefinden der Bevölkerung: Matt Hancock wurde dieser Tage mit Medienberichten konfrontiert, die ihn beim Küssen mit einer Frau zeigten.

Das Problem: Hierbei handelt es sich nicht um die bessere Hälfte des verheirateten Familienvaters. Vielmehr hatte die Sun aufgedeckt, dass der 42-Jährige zur persönlichen Assistentin einen hervorragenden Draht zu besitzen scheint. Hancock versuchte erst gar nicht, die Gerüchte von sich zu weisen.

Corona in Großbritannien: Gesundheitsminister macht mit Affäre Schlagzeilen

Stattdessen geht er nun mit einem Statement an die Öffentlichkeit, das nur spärlich mit Worten der Reue bestückt ist. So sagte der Gesundheitsminister am Freitag: „Ich räume ein, dass ich in diesem Fall gegen die Abstandsregeln verstoßen habe“. Außerdem ließ Hancock wissen, er „konzentriere sich weiterhin darauf, das Land aus dieser Pandemie zu führen.“

Die heiklen Bilder sollen am 6. Mai entstanden sein, elf Tage vor der weitgehenden Aufhebung der Corona-Abstandsregeln in Großbritannien. Bei der Herzensdame seiner Turtelei handelt es sich dem Bekunden nach um Gina Coladangelo. Da die 43-jährige Mitarbeiterin von Hancock eingestellt wurde und mit Steuergeld bezahlt wird, fordert die Opposition eine Untersuchung sowie den Rücktritt des Ministers.

Die Regierung des Premierministers verteidigt Hancock in dem heiklen Fall. Es handle sich um eine persönliche Angelegenheit, und bei der Einstellung der Beraterin seien keine Regeln verletzt worden, so Verkehrsminister Grant Shapps gegenüber dem TV-Sender Sky News. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von Boris Johnson.

Matt Hancock: „Britischer Jens Spahn“ wegen diverser Vergehen in der Kritik

Die Gemeinsamkeiten zwischen Hancock und seinem Pendant in der Bundesregierung, Jens Spahn, sind verblüffend: Schon länger steht der Minister wie sein deutscher Amtskollege in der Kritik. So soll er Millionenaufträge für Corona-Schutzausrüstung ohne Prüfung an Freunde verteilt haben - und außerdem Milliardenbeträge in ein unzureichendes Testsystem gesteckt.

Dass es bei dem schillernden Hancock schon vor Bekanntwerden der Affäre eher unkonventionell zugeht, wurde deutlich, als der Gesundheitsminister über den Einfluss eines Katastrophenfilms* auf seine Corona-Politik sprach:

Dass Hancock und seine ihm wohlgesonnene Arbeitskollegin überhaupt Zeit für derartige Avancen haben, erscheint angesichts des familiären Hintergrundes ein wenig überraschend: Sowohl Hancock als auch seine mutmaßliche Geliebte sind verheiratet und haben jeweils drei Kinder mit ihrem jeweiligen Partner. (PF mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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