Richter führt Facebook-Chef vor 

Marathon-Anhörung: Bei dieser Frage kommt Zuckerberg ins Schwitzen

+
Mark Zuckerberg während seiner Aussagen vor dem US-Kongress.

Es ist einer der wenigen Momente während der zweitägigen Marathonsitzungen, in denen Mark Zuckerberg ins Schwimmen gerät. Denn der Richter verfolgt mit seiner Frage eine Strategie. 

Ob der Facebook-Chef das Hotel zu verraten bereit sei, in dem er die vergangene Nacht verbracht habe, fragt US-Senator Richard Durbin. "Äh - - nein", antwortet Zuckerberg nach verlegenem Grinsen und kurzer Denkpause. Und ob er die Leute benennen wolle, mit denen er zuletzt per Messengerdienst kommuniziert habe, fragt Durbin weiter. "Senator, nein", dies würde er wahrscheinlich nicht wollen, entgegnet Zuckerberg.

Mit seinen Fragen will Durbin den Konzernchef ein wenig vorführen. Ebenso wie Zuckerberg in diesem Moment seine Privatsphäre schützt, hätten auch die Facebook-User das Recht auf Kontrolle über ihre Informationen, hält er dem Gast aus dem Silicon Valley am ersten Tag der Anhörungen entgegen, die den gigantischen Datenmissbrauchsskandal bei Facebook aufarbeiten.

"Jeder sollte Kontrolle darüber haben, wie seine Informationen verwendet werden"

Doch Zuckerberg hat sich rasch wieder gefangen. Schließlich gehört der Ausbau des Datenschutzes zu dem neuen Facebook-Credo, das er dem US-Kongress möglichst glaubhaft verkünden will. "Ich denke, jeder sollte Kontrolle darüber haben, wie seine Informationen verwendet werden", pflichtet Zuckerberg dem Senator der oppositionellen Demokraten bei.

Facebook-Skandal: Bin ich betroffen und wie kann ich mich schützen? 

Der Facebook-Gründer liefert vor den Ausschüssen von Senat und Repräsentantenhaus einen weitgehend souveränen Auftritt ab. Er präsentiert sich ernst und nachdenklich, spricht die Parlamentarier höflich an und hört geduldig zu. Und statt seines üblichen grauen T-Shirts trägt er einen dunklen Anzug und Krawatte - womit er sich auch optisch dem steifen Parlamentsambiente anpasst.

Zuckerberg soll für seine Aussagen intensiv trainiert haben 

Der 33-jährige Superstar der Internetbranche, der sich mit öffentlichen Auftritten eher schwer tut, hat sich akribisch auf die Anhörungen vorbereitet. Schließlich muss er nicht weniger als den massiv beschädigten Ruf seines Unternehmens retten. Laut "New York Times" soll Zuckerberg für seine Aussage in Washington ähnlich intensiv trainiert haben wie US-Präsidentschaftskandidaten vor TV-Debatten.

Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook, stellt sich während einer gemeinsamen Anhörung des Handels- und Justizkomitees über die Verwendung von Facebook-Daten der amerikanische Wähler bei den Wahlen 2016 den Fragen des Ausschusses.

Zu Zuckerbergs Strategie gehört es, reichlich Asche auf sein Haupt zu streuen. Gleich zu Beginn der Sitzungen bekennt er sich zu seiner persönlichen Verantwortung für die unerlaubte Verwendung der Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Firma Cambridge Analytica - diesen Datenschatz soll dann das Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgeschlachtet haben.

"Es war mein Fehler, und es tut mir Leid", sagt Zuckerberg in dem vollgepackten Ausschussraum 216 des Senats. Zugleich beschwört er einen Wandel der Firmenkultur. Als "idealistische und optimistische Firma" habe Facebook früher ignoriert, dass seine globalen Netzwerke nicht nur für positive Ziele verwendet werden könnten. Inzwischen arbeitet der Konzern nach seiner Schilderung intensiv daran, Missbräuche zu stoppen.

Scharfe Worte eines US-Demokraten in Richtung Zuckerberg

Ob Zuckerbergs Reue- und Reformbekenntnisse helfen werden, den Konzern aus der schlimmsten Krise seiner 14-jährigen Geschichte zu führen, lässt sich kaum abschätzen. Die Parlamentarier gehen zwar überwiegend pfleglich mit ihm um, konfrontieren ihn aber auch mit harten Fragen und Kommentaren.

Lesen Sie auch: Zuckerberg: Auch meine Daten gingen an Cambridge Analytica

Facebook habe sich bereits in früheren Jahren immer wieder für Fehler entschuldigt - warum sollte dem Konzern jetzt vertraut werden, dass er die "notwendigen Veränderungen" umsetze, fragt der republikanische Senator John Thune. Sein Kollege Richard Blumenthal von den Demokraten formuliert es schärfer: Das Geschäftsmodell von Facebook basiere darauf, mit Nutzerdaten Geld zu machen - insofern reichten Zuckerbergs "vage Verpflichtungserklärungen" nicht aus.

Unter Druck: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Blumenthal und andere Parlamentarier drohen Facebook mit schärferer Regulierung: "Der Status quo funktioniert nicht mehr", konstatiert der Republikaner Chuck Grassley. Doch Zuckerberg hat auch darauf eine Antwort parat. Er zeigt sich offen für Regulierungen - "wenn es die richtige Regulierung ist", fügt er aber hinzu. Die Auseinandersetzung um die Zukunft von Facebook hat offenbar gerade erst begonnen.

afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.