Zuschauer haben nachgerechnet

Schwesig erntet mit gut gemeintem Satz in der ARD jede Menge Spott

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Manuela Schwesig war in der ARD-Schlussrunde zu Gast.

Sie wollte in der ARD-“Schlussrunde“ eine Nazi-Zeitzeugin zitieren. Doch damit erntete Manuela Schwesig nach der Talk-Runde jede Menge Spott. 

Berlin - Es war ein offenbar unbedachter Satz, der Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin, momentan Hohn und Spott einbringt. Doch der Reihe nach.

In der letzten großen Talk-Runde vor dem Bundestagswahl-Showdown am Sonntag hatten sich in der ARD-“Schlussrunde“ am Donnerstagabend Spitzenpolitiker zum finalen Schlagabtausch getroffen. Darunter Christian Lindner (FDP), Katrin Göring-Eckardt (Die Grünen), Sahra Wagenknecht (Die Linken), Alexander Gauland (AfD) und eben Manuela Schwesig (SPD). Eine Mischung, die schon vorher Brisanz versprach. Und genau die trat dann auch ein. 

Einmal mehr ging es um fragwürdige Äußerungen Gaulands wie zum Beispiel der über die Integrationsbeauftragte Aydan Özogus. Gauland versuchte, seine Worte zu rechtfertigen und betonte, er habe lediglich empfohlen, „dass sie vielleicht in ein Land gehen möge, wo sie die Kultur vielleicht besser versteht.“ Das wollte Schwesig so nicht unkommentiert lassen. “Das ist nicht irgendeine Dame“, sagte sie. „Das ist eine starke Frau, die hier aufgewachsen ist.” Später fuhr sie den AfD-Politiker an: „Sie spalten unser Land, Sie schüren Hass und Hetze.“ Sie wolle Gauland die Worte mitteilen, die ihr eine 70-Jährige bei einem Bürgerfest in ihrer Heimatstadt Frankfurt/Oder gesagt habe. „Sie hat gesagt: ‚Wenn ich den Ton und die Worte von Gauland höre, dann erinnert es mich an den Ton von Nazis.‘“

Und an dieser Stelle kam der Auftritt der Kritiker. Die rechneten nämlich genau nach: Eine 70-Jährige, die sich an die Nazis erinnere, wo der Krieg doch schon seit 72 Jahre zu Ende ist? Unmöglich! Klar also, dass der Spott nicht lange auf sich warten ließ.

User: „Musste unglaubwürdig den Kopf schütteln“

„Als ich vorhin in der ARD/ZDF in der letzten Wahlrunde erleben durfte, wie sie (Manuela Schwesig, Anm. d. Red.) eine 70-jährige Zeitzeugin der Nazizeit ins Feld führte, die ihr im persönlichen Gespräch mitteilte, wie sehr sie in den Reden der AfD genau die Nazirhetorik zu hören vermochte, die sie auch früher in den Nazireden schon hörte, musste ich doch unglaubwürdig den Kopf schütteln, dass eine Frau als Nazi-Zeitzeugin genannt wurde, die erst zwei Jahre nach der Nazizeit geboren wurde“, schrieb ein User unter einen Artikel von zeit.de. Und ein anderer kommentierte bei der Huffington Post: „70-Jährige behauptet, die AfD redet wie die Nazis? 2017 - 70 = 1947 geboren. Also ich kann mich in dem Alter nicht mehr daran erinnern, wer wie redete.“ Und auch auf Twitter blieb das Thema nicht unbemerkt:

Allerdings gab es auch Stimmen, die Manuela Schwesig zur Seite sprangen. „Es ist ja auch allseits bekannt, dass mit Kriegsende 1945 sämtliche Nazis wie vom Erdboden verschluckt waren, weshalb ein 1947 geborener Mensch überhaupt nie, nie, nie mit Nazis in Kontakt gekommen sein kann - ausgeschlossen“, so nur einer der ironischen Kommentare. Fakt ist: Die Zeit des Nationalsozialismus begann mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933 und endete am 8. Mai 1945. Was allerdings nicht bedeutete, dass nach dieser Zeit jeder Nazi unvermittelt seine Gesinnung änderte.

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