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Lukaschenkos Kontrahentin auf der Intensivstation – Baerbock fordert Freilassung

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Von: Florian Naumann

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Sorge um Maria Kolesnikowa: Die Lukaschenko-Kritikerin liegt in Belarus auf der Intensivstation, die Hintergründe sind unklar. Ihrem Anwalt wurde ein Besuch untersagt.

Minsk/Berlin – Die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa befindet sich offenbar in ersnten gesundheitlichen Schwierigkeiten. Die 2021 zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilte Kontrahentin Alexander Lukaschenkos liege auf der Intensivstation, erklärte Kolesnikowas Sprecher Gleb Germantschuk dem Sender CNN. Kolesnikowa sei in einem stabilen, aber „schwierigen Zustand, mit einiger Besserung“, sagte er.

Erste Berichte über einen Krankenhausaufenthalt Kolesnikowas waren am Dienstagabend (29. November) über die Ticker der Nachrichtenagenturen gegangen. Viele Fragen zu den Hintergründen sind allerdings noch offen. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) forderte Kolesnikowas sofortige Freilassung. Zusammen mit Swetlana Tichanowskaja war Kolesnikowa eine der Führungsfiguren der Massenproteste gegen Lukaschenko im Sommer 2020.

Belarus: Maria Kolesnikowa auf der Intensivstation – Baerbock besorgt

„Die Berichte über den Gesundheitszustand von Maria Kolesnikowa gehen mir sehr nahe“, erklärte Baerbock am Mittwoch in einem Tweet. „Das Regime in Belarus muss für ihre Gesundheit garantieren und sie sofort freilassen. Ihr Einsatz für Demokratie ist kein Verbrechen.“

Zuerst hatte der Pressedienst des ebenfalls inhaftierten Oppositionellen Viktor Babaryko mitgeteilt, Kolesnikowa werde in der Stadt Gomel im Südosten Belarus‘ auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt. Zuvor sei die Lukaschenko-Kritikerin in die Chirurgie gebracht worden.

Vorausgegangen war offenbar eine haftinterne Strafe für Kolesnikowa. Die 40-Jährige sei in eine „Straf-Zelle“ verlegt worden, weil sie nicht wie vorgeschrieben an ihrem Gefängnis-„Arbeitsplatz“ erschienen sei, sagte Germantschuk CNN. Ob ein Zusammenhang mit dem Krankenhaus-Aufenthalt besteht, war zunächst unklar. Weitere Informationen aus Kolesnikowas Umfeld schürten allerdings Sorgen: Ihr Anwalt Wladimir Pyltschenko habe Kolesnikowa im Krankenhaus nicht besuchen können, hieß es. Angehörige hätten grundsätzlich kein Besuchsrecht.

Lukaschenko-Kontrahentin Kolesnikowa: Mitstreiterin beklagt „schlimme Neuigkeiten“

Im September 2021 war Kolesnikowa zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Anders als andere führende Oppositionelle hatte sie sich nicht für die Flucht ins Exil entschieden – obwohl laut Vertrauten der belarussische Geheimdienst versucht hatte, sie zur Ausreise zu zwingen. In einem Strafverfahren wurde ihr unter anderem „Verschwörung zur Machtergreifung“ vorgeworfen. Babarykos Pressedienst hatte bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass Kolesnikowa wegen ihres angeblich „unhöflichen Verhaltens“ in Isolationshaft genommen worden sei.

Mitstreiterin Tichanowskaja schrieb am Dienstag im Online-Dienst Telegram von „schlimmen Neuigkeiten“. „Unsere liebe Mascha, wir hoffen alle, dass es Dir bald besser geht“, schrieb sie unter Verwendung der Koseform für den Namen Maria.

Für ihr politisches Engagement erhielt Maria Kolesnikowa mehrere Auszeichnungen. Wenige Wochen nach ihrer Verurteilung Ende September 2021 etwa den Vaclav-Havel-Preis des Europarats. Zusammen mit Tichanowskaja und Zepkalo wurde ihr im Jahr darauf in Abwesenheit in Aachen der Europäische Karlspreis verliehen. Die Meldung über ihre Einlieferung ins Krankenhaus erfolgte nur wenige Tage nach dem überraschenden Tod des belarussischen Außenministers Wladimir Makej. (fn mit Material von dpa)

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