„Klartext, Frau Merkel!“

Fragen zu unbequem für Merkel? ZDF lädt Berliner Terror-Opfer aus Sendung aus

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ZDF-Chefredakteur Peter Frey (r) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stehen am Donnerstag in der Sendung „Klartext, Frau Merkel!“.

Das ZDF hat die Hinterbliebene eines Opfer des Terroranschlags vom Berliner Breitscheidplatz aus der Sendung „Klartext, Frau Merkel!“ ausgeladen. 

München - Warum durfte sie sich nicht zu Wort melden? Astrid Passin, die Sprecherin der Hinterbliebenen der Terroropfer vom Berliner Breitscheidplatz, hätte am Donnerstag Gast in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel!“ sein sollen (Hier zum Anschauen in der Mediathek). In der Show konnten Bürger der Kanzlerin Fragen stellen. Doch Stunden vor der Live-Show wurde sie wieder ausgeladen. Das berichtet die Berliner Morgenpost.

Telefonisch habe das ZDF der Frau, die ihren Vater Klaus Jacob bei dem Anschlag im Dezember verloren hatte, mitgeteilt, dass sie nicht mehr Teil der Sendung sei. "Die Begründung war nicht glaubhaft", sagt Astrid Passin der Zeitung. Sie hat auch gleich eine Vermutung, warum sie wieder ausgeladen wurde: "Ich denke, meine Fragen wären denen zu unbequem gewesen."

Bereits am 24. Juli sei Passin vom ZDF per Mail angeschrieben und gefragt worden, ob sie in der Sendung als Sprecherin der Hinterbliebenen auftreten wolle. Man habe sie in einer TV-Reportage gesehen, hieß es. Wörtlich wurde ihr vom ZDF mitgeteilt: "Wenn man in dieser schwierigen Zeit dann auch noch das Gefühl hat, von Politik und Behörden alleingelassen zu werden, wird das Leid wohl noch viel größer. Ihr Auftritt in dem Beitrag von Spiegel TV hat diese Kombination aus Trauer, Enttäuschung und Wut zumindest sehr eindrücklich vermittelt und nachhaltig Eindruck hinterlassen."

Passin besprach sich mit anderen Hinterbliebenen des Anschlags vom Breitscheidplatz und sagte dem ZDF zu. Es gab noch weitere Gespräche mit dem Sender. Dabei wurde sie auch gefragt, welche Frage sie der Kanzlerin bei „Klartext, Frau Merkel!“ stellen wolle. "Darauf wollte ich mich aber nicht einlassen" betont sie. "Ich wollte mir das vorbehalten, spontan zu agieren, so wäre es ja auch authentischer." Das ZDF ließ sich offenbar darauf ein. Astrid Passin bekam sogar noch einen Vertrag zugeschickt.

Hinterbliebenen-Sprecherin blitzte bereits bei Merkel ab

Kurz vor der Sendung am Donnerstag kam dann die telefonische Ausladung. Das ZDF teilte ihr sinngemäß mit: Sie solle nicht kommen. Es habe nach der zwei Tage zuvor ausgestrahlten TV-Sendung "Klartext, Herr Schulz!" Probleme gegeben. Bürger, die Fragen stellten, seien von Medien und in sozialen Netzwerken attackiert worden. Das wolle man ihr ersparen.

Astrid Passin kann diese Begründung nicht nachvollziehen. "Ich habe erklärt, dass ich es als Sprecherin der Hinterbliebenen gewohnt bin, von Medien bedrängt zu werden und dass ich es sehr schade und traurig finde, Frau Merkel meine Frage nicht stellen zu dürfen", betonte die Hinterbliebenen-Sprecherin gegenüber dem ZDF. "Das hat aber auch nichts genutzt. Es folgten immer wieder die gleichen Erklärungen. Ich habe gespürt, die wollen nicht, dass ich komme." Die Ausladung sei umso bedauerlicher, weil es quasi die zweite Pleite war.

Die erste Abfuhr bekam sie von der Kanzlerin persönlich. Bereits am 28. März hatte ihr Anwalt Andreas Schulz einen Brief an Merkel geschrieben und um ein Treffen mit den Hinterbliebenen gebeten. Das wurde allerdings abgesagt. "Das war damals schon enttäuschend", meint Astrid Passin. "Wir möchten schon gern wissen, warum sie sich als Bundeskanzlerin noch nicht die Zeit genommen hat, uns kennenzulernen, und warum von ihr nicht wenigstens ein persönliches Kondolenzschreiben kam."

Erfuhr die Kanzlerin etwa im Vorfeld der Sendung, dass die Hinterbliebene des Terror-Opfers, die sie nicht treffen wollte, bei „Klartext, Frau Merkel!“ auftreten würde? Und die Absage im ZDF ansprechen könnte? Diese Frage bleibt offen.

Terror-Hinterbliebene aus Merkel-Sendung ausgeladen: So rechtfertigt sich das ZDF

Das ZDF bestätigt der Berliner Morgenpost, dass sich die Redaktion "unmittelbar vor der Sendung noch einmal mit den möglichen Gästen befasst" habe. Nach der "Klartext"-Sendung mit Schulz wurde "kritisch geprüft, wem der Druck der Live-Situation und die mediale Nachwirkung eines Auftritts vor einem Millionenpublikum zuzumuten ist." Das ZDF sei mit Astrid Passin aber weiter im engen Kontakt. Geplant sei eine Dokumentation über die Opfer des Anschlags und ihre Angehörigen.

Ein CDU-Sprecher erklärte auf Anfrage der Zeitung: "Wir haben die Gäste nicht ausgesucht, hatten keinerlei Zugang zum Auswahlverfahren und keine Kenntnis, wer als Gast erscheinen und was er fragen wird."

fro

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