Emotionale Diskussion

Nach Kritik an Aufnahme-Stopp für Flüchtlinge: Das sagt der Chef der Essener-Tafel 

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Lange Schlange: Die Essener Tafel versorgt 1800 Bedürftige.

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, steht im Zentrum der Kritik  seit der Aufnahmestopp von Migranten durch die Tafel in Essen bekannt geworden ist.

München - Der von der Essener Tafel verhängte Aufnahmestopp von Migranten zum Wohle langjähriger älterer und alleinstehender Bedürftiger hat eine emotionale Diskussion in Gang gesetzt. Auf den Vorsitzenden des Hilfsvereins prasselt wegen dieser Maßnahme Kritik von allen Seiten ein. Jörg Sartor jedoch versteht die ganze Aufregung überhaupt nicht. „Wir praktizieren das seit dem 10. Januar, und es gab seither nicht eine negative Geschichte. Aber auf einmal spielt die ganze Welt verrückt“, erklärt Essens Tafel-Chef im Interview mit t-online.

Seiner Meinung nach sei die Öffentlichkeit erst durch einen WAZ-Artikel auf diese Entwicklung aufmerksam geworden. Sartor vermutet zudem, dass auch andere Tafeln in der Bundesrepublik auf diese oder ähnliche Weise eingreifen würden - nur klammheimlich: „Ich behaupte, es gehen mehr so vor, nur sind wir die ersten, die das so auf ihre Internetseite gestellt haben.“ Der im Dezember getroffene Vorstandsbeschluss sei somit bereits vor einiger Zeit publik gemacht worden.

Will Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren: Jörg Sartor ist Vorsitzender der Essener Tafel.

„Mehr als die Hälfte jeden Mittwoch zurückgeschickt“

Mit den Bedürftigen habe es auch in den vergangenen Wochen keinerlei Probleme gegeben. „Wir haben einmal die Woche Aufnahme mit circa 80 bis 120 Leuten, die dann vor der Tür stehen. Davon haben wir mehr als die Hälfte jeden Mittwoch zurückgeschickt“, erklärt Sartor: „Und auch danach gab es keinerlei Proteste, weil wir denen das ja vernünftig erklärt haben.“ An der Obergrenze von 1800 Plätzen will er nicht rütteln: „Wir arbeiten auch alle ehrenamtlich.“

Zugleich betont Sartor in dem Interview, dass es sich lediglich um eine Momentaufnahme handele: „Es scheiden ja Leute aus, weil man ein Jahr kommen darf und dann ein Jahr Pause machen muss. Es werden dadurch ständig Plätze frei.“ Auch weitere Regeln würden eine Fluktuation begünstigen: „Wer dreimal bei der Lebensmittelausgabe der Tafel fehlt, verliert seine Karte für ein Jahr. Und bei uns werden Leute lebenslang gesperrt, wenn sie sich daneben benehmen.“ Da kennt Sartor kein Pardon.

Brötchen und Gemüse: Hier ist nicht für jeden Bedürftigen etwas dabei.

„Berlin macht mir die Hölle heiß“

Was in dem Gespräch auch klar wird: Der Organisator der Essener Tafel will sich auf keinen Fall unter Druck setzen lassen. „Im Moment macht mir Berlin die Hölle heiß, der Bundesverband. Ich soll das zurücknehmen, wegen der Sponsoren und so. Die können mich mal gern haben“, stellt Sartor klar.

Ebenso ist für ihn wichtig, dass keine falschen Erwartungen an die Tafel gestellt werden: „Wir sind nicht für die Grundversorgung zuständig, das ist eine staatliche Aufgabe. Wir sind eine Zusatzversorgung. Wir verstehen uns so, dass wir Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren und damit bedürftigen Menschen helfen.“ In nächster Zeit aber wohl unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit.

mg

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