„Oder heißt der Wagen Recep?“

Böhmermann teilt wieder gegen Erdogan aus

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Das Publikum der ZDF-Show „Neo Magazin Royale“ scheint amüsiert von Böhmermanns Erzählungen über das neue türkische Auto. So ergeht es aber nicht allen Zuschauern. 

Jan Böhmermann schafft es immer wieder für Diskussionen zu sorgen. Die Zahl seiner Verehrer steigt, genauso wie die seiner Feinde. Sein wohl größter Feind: der türkische Präsident Erdogan. Dem hat der Satiriker nun wieder etwas mitzuteilen.  

Satiriker und Moderator Jan Böhmermann hat eine Meinung - diese teilt er auch sehr gerne mit. Egal, ob in sozialen Netzwerken, in Interviews oder im Rahmen seiner ZDFneo-Show „Neo Magazin Royale“. 

Ein kurzer Rückblick: Es war der 31. März 2016 als Jan Böhmermann mit seinem „Schmähgedicht“ über Erdogan einen politischen Skandal auslöste. In diesem Zuge flammten auch hitzige Diskussionen über die Grenzen der Satire sowie die Freiheit in der Kunst auf. Damals tauchte Böhmermann erst mal unter, nahm sogar Polizeischutz in Anspruch. 

Doch ein Entertainer wie Böhmermann lässt sich den Mund - auf lange Zeit gesehen - nicht verbieten. So stichelt er in seiner Show „Neo Magazin Royale“ nun erneut gegen den türkischen Präsidenten Erdogan, wie die Huffington Post berichtet. Der Anlass: Vor kurzem kündigte die Türkei an, im Jahr 2021 ein im Land produziertes Auto auf den Markt zu bringen

„Der Anwalt von Erdogan lässt schön grüßen und ich soll mal fragen, ob jemand von Ihnen einen 13er-Maulschlüssel dabei hat – oder ob jemand weiß, wie man Autos baut“, erzählt Böhmermann seinem Studio-Publikum. Die Anwesenden lachen - auch über die Feststellung Böhmermanns, dass das Auto wohl ein Politisches sein wird. Er selbst tauft es den „AK-PKW“, was auf Erdogans Partei „AKP“ anspielen soll. Böhmermann weiter: „Oder heißt der Wagen Recep? Auf jeden Fall ist er wahnsinnig schnell auf 180.“ Im Publikum mehrere Sekunden Applaus, der Moderator selbst lacht währenddessen über seinen eigenen Witz. 

Nach der Namensgebung beschäftigt sich der 36-Jährige mit den technischen Details: Wie ihm „Kontakte im türkischen Geheimdienst“ erzählten, gibt es eine Besonderheit bei der Schaltung: Der Rückwärtsgang soll „Erdogang“ heißen und das „ist auch der einzige Gang“. Natürlich soll das Zukunfts-Auto auch eine Anhängerkupplung haben - „da kann man dann einen Gülen-Anhänger dran binden“. 

Auch für das Geräusch des startenden Motors hat sich der Entertainer was Individuelles einfallen lassen: „Putsch, putsch, putsch, putsch, putsch.“ So Böhmermann, während er vorgibt den Zundschlüssel umzudrehen. 

Heftige Diskussionen im Netz

Im Internet wird nach der Show wieder heftig über den Auftritt Böhmermanns diskutiert: Vor allem Letzteres sorgt bei einigen für einen bitteren Nachgeschmack, den sie auf sozialen Netzwerken äußern. Für viele geht die Anspielung auf den Putschversuch in der Türkei eindeutig zu weit - schließlich wurden dabei über 1400 Menschen verletzt, 450 verloren ihr Leben. Die Opfer dieses Putsches würden auf diese Art verhöhnt werden - dort ist für viele ganz klar die Grenze der Satire. Auch der Tag, den Böhmermann für seine Witzchen ausgesucht hat, scheint vielen unpassend: Die Show wurde am 9. November ausgestrahlt - dem Jahrestag der Reichsprogromnacht.

Gegner des Satirikers bezeichnen ihn als einen „der dümmsten Menschen in Deutschland“. Auch Halil Ertem, Gründer der Allianz Deutscher Demokraten, äußert sich auf Twitter: „Werde gezwungen für "Inhalte" zu zahlen, die Millionen Mitbürger stören beleidigen diffamieren ausgrenzen. Ich möchte mit meinen Zwangsgebühren keine GEZahlten Staatskomiker finanzieren!“, weiter schreibt er: „Das Gegrunze in Staatsfunk ZDF Studios auf Kosten von Minderheiten muss ein Ende haben!“

Ähnlich wie bei dem Gedicht über Erdogan, gab es aber auch nach der am vergangenen Donnerstag ausgestrahlten Sendung, die Verteidiger der Satire, die Böhmermann-Liebhaber. Auch die teilen auf Facebook mit, was sie über Böhmermanns Darstellung des „AK-PKWs“ denken:

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