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Jamaika, Schwampel, Kleeblatt: Was die Begriffe bedeuten und wer sie verwendet

Jamaika, schwarze Ampel, Kleeblatt-Koalition - für das mögliche Regierungsbündnis aus CDU, CSU, FDP und Grünen kursieren verschiedene Namen. Ein Überblick über die Begrifflichkeiten - und wer sie verwendet.

München - Ein Überblick über die Begrifflichkeiten „Jamaika“, „Schwampel“ und „Kleeblatt“ - und wer sie verwendet.

Favorit „Jamaika“

Bei der Namensgebung für eine schwarz-gelb-grüne Koalition steht bevorzugt der Karibikstaat Jamaika Pate, dessen Nationalflagge die Parteifarben von Union, FDP und Grünen trägt. Bei der Bundestagswahl 2005 machte der WDR-Journalist Jörg Schönenborn „Jamaika“ erstmals einem Millionenpublikum bekannt. Seitdem hat sich dieser Begriff eingebürgert.

Auch viele Politiker sprechen mit Blick auf die mögliche neue Regierung von einem Jamaika-Bündnis: Der Name kommt der AfD-Fraktionschefin Alice Weidel ebenso über die Lippen wie der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping. Es gibt aber auch Kritik an der Bezeichnung. „Kann eine deutsche Regierung den Namen eines Kifferparadieses tragen? Gäbe es nicht eine Bezeichnung, die etwas seriöser ist?“, fragte etwa die Zeitung Welt kürzlich in einem Kommentar.

SPD will „schwarze Ampel“ etablieren

Die Gedanken an karibische Traumstrände, die „Jamaika“ hervorrufen kann, gefallen der SPD gar nicht. Daher verwenden führende Sozialdemokraten in Interviews immer wieder die Ausdrücke „schwarze Ampel“ oder gleich „Schwampel“. Das klingt schon weniger sonnig. Nach Angaben aus SPD-Kreisen läuft derzeit noch die Abstimmung, wie die Partei das mögliche künftige Regierungsbündnis aus der Opposition heraus betiteln wird.

Ein Sprecher der Linkspartei sagt, „dass schwarze Ampel natürlich angemessener ist, da die Assoziationen mit einer paradiesischen Insel nicht passen“. Eine von der Parteiführung verordnete Sprachregelung gebe es aber nicht. „Jeder wendet das an, wie er mag.“ Aus der AfD hieß es knapp: „Wir haben bisher immer von ‚Jamaika‘ gesprochen.“

FDP wirbt für das „Kleeblatt“

Die Aussicht, einer Regierung mit dem Etikett „Jamaika“ anzugehören, stößt in der FDP auf wenig Freude. Zwar gibt es nach Parteiangaben keine offizielle Regelung für die Bezeichnung des Vier-Parteien-Bündnisses. FDP-Chef Lindner versucht aber beharrlich, die Wortschöpfung „Kleeblatt-Koalition“ in den Sprachgebrauch einzuführen. „Ein vierblättriges Kleeblatt könnte ein Glücksfall für Deutschland sein, ist allerdings sehr selten“, sagte er zum Auftakt der Sondierungen Mitte Oktober.

Bislang hat sich Lindners Kleeblatt-Variante allerdings nicht durchgesetzt. Die Grünen sehen das terminologische Tauziehen derweil gelassen. „Diese Frage beschäftigt unsere Sondierer zur Zeit nicht“, sagt eine Parteisprecherin. „Der Name steht ganz unten auf der Prioritätenliste.“

Merkel spricht nur von „zukünftiger Bundesregierung“

Intern ist „Jamaika“ in der CDU ein durchaus geläufiger Begriff, vor den Kameras nimmt Parteichefin Angela Merkel ihn aber nicht in den Mund. Mitte Oktober sprach die Bundeskanzlerin von einer „außergewöhnlichen politischen Konstellation“, in ihrer Stellungsnahme zum Stand der Sondierungen am 3. November lediglich von der „zukünftigen Bundesregierung“.

Ohnehin ist Merkel in Namensfragen eigenwillig. So ignorierte sie - wie auch andere Spitzenpolitiker aus der Union - während der Regierung mit der FDP von 2009 bis 2013 die weitläufig verwendete Bezeichnung „Schwarz-Gelb“. Stattdessen sprach sie von einer „christlich-liberalen“ Koalition.

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AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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