Grünen-Wähler besonders enttäuscht

Jamaika in Not: Umfragewerte brechen ein - 62 Prozent haben Seehofer satt

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Schwierige Gespräche: Angela Merkel und Horst Seehofer Ende Oktober bei den Sondierungen in Berlin

Die Jamaika-Sondierungen ziehen sich. Nun gibt es erste Auswirkungen: In einer Umfrage werden sowohl die mögliche Koalition, als auch Angela Merkel und Horst Seehofer abgestraft.

Berlin/München - Die zähen Jamaika-Sondierungen kommen bei den Wählern offenbar nicht gut an. Nicht nur das Bündnis aus Union, FDP und Grünen sinkt laut einer neuen Umfrage in der Gunst der Bürger - auch die Beliebtheit der Unions-Spitzen Angela Merkel und Horst Seehofer ist rückläufig.

So fänden laut dem aktuellen ARD-„Deutschlandtrend“ derzeit nur noch 45 Prozent der Bürger eine Jamaika-Koalition gut oder sehr gut. Das sind zwölf Punkte weniger als bei der letzten Erhebung Anfang Oktober, wie der WDR am Donnerstag mitteilte. 

52 Prozent bewerten ein solches Bündnis inzwischen als weniger gut beziehungsweise schlecht - ein Anstieg von zwölf Prozent im Monatsvergleich. Bei den Grünen-Anhängern sank die Zustimmung besonders stark von 76 auf jetzt nur noch 55 Prozent. Bei den FDP-Wählern ging sie von 80 auf 71 Prozent zurück, bei den Unions-Anhängern von 72 auf 70 Prozent.

Mehrheit für Rücktritt Seehofers

Zugleich wächst auch der Druck auf CSU-Chef Horst Seehofer weiter: Der Umfrage zufolge sind 62 Prozent der Bürger der Ansicht, dass sich der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende nach dem Ende der Jamaika-Gespräche von seinen politischen Ämtern zurückziehen sollte.

Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) findet, dass die CSU unverhältnismäßig viel Macht in der Union hat. Dieser Eindruck habe sich während der laufenden Sondierungsverhandlungen von Union, FDP und Grünen nochmals verstärkt (+7 Prozentpunkte im Vergleich zu Oktober), berichtete der WDR am Donnerstag. Unter den Unions-Anhängern vertraten 49 Prozent die Ansicht, dass die CSU zu viel Macht in der Union hat.

Die CSU-Forderung nach einer Begrenzung der Zuwanderung stößt bei den Bürgern hingegen mehrheitlich (52 Prozent) auf Zustimmung. Bei den Unions-Anhängern sind sogar 55 Prozent dieser Auffassung.

Auch Merkel im Umfrage-Tief

Zugleich büßte Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich an Beliebtheit ein. Die CDU-Vorsitzende verlor sechs Punkte im Vergleich zum Vormonat, nur noch 57 Prozent der Deutschen zeigen sich zufrieden mit ihrer politischen Arbeit. CSU-Chef Horst Seehofer rutscht um acht Punkte auf 28 Prozent ab.

Grünen-Parteichef Cem Özdemir verbessert sich hingegen leicht auf 54 Prozent Zustimmung (plus 1), FDP-Chef Christian Lindner verliert und kommt auf 45 Prozent (minus 3). Im SPD-Lager schneidet Fraktionschefin Andrea Nahles (38 Prozent) erneut besser ab als Parteichef Martin Schulz (35).

68 Prozent der Deutschen glauben der Umfrage zufolge, dass eine Jamaika-Koalition zustande kommen wird. In der Sonntagsfrage bleibt die Union (30 Prozent) vor SPD (21), AfD (13), FDP (12), Grünen (11) und Linken (9).

Kretschmann und Strobl setzen sich für Jamaika ein

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) fordern unterdessen einen Erfolg bei den Jamaika-Sondierungen. In einem gemeinsamen Gespräch mit Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten verlangen beide eine schnelle Regierungsbildung in Berlin und warnten vor einem Scheitern der Verhandlungen von CDU, CSU, FDP und Grünen.

Kretschmann sagte: „Der Preis von Neuwahlen ist so hoch, dass ich nur abraten kann.“ Beide Politiker kritisierten CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der ein Kompromissangebot der Grünen zur Zukunft des Verbrennungsmotors mit scharfen Worten zurückgewiesen hatte.

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dpa/fn

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