Merkel übt Kritik

„Tor zur Hölle aufgestoßen“: So reagiert die Welt auf Trumps Jerusalem-Schritt

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US-Präsident Donald Trump unterzeichnet diee Proklamation, in der er Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkennt

Donald Trump spielt auf Risiko: Die Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, stößt in Europa auf Kritik - und im Nahen Ost auf Zorn.

Washington/Jerusalem - Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, stößt in Israel auf Lob, sorgt weltweit aber für Beunruhigung. 

Schon am Mittwochabend kamen besorgniserregende Zeichen aus dem Nahen Osten: Palästinensische Gruppierungen haben aus Empörung über die US-Entscheidung von Mittwoch an zu drei „Tagen des Zorns“ aufgerufen. In der Nähe von Bethlehem kam es zu einer Konfrontation zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. 

In Bethlehem verbrannten Demonstranten schon am Dienstagabend Bilder von Trump. In Gaza zündeten am Mittwoch hunderte Demonstranten Trump-Bilder und US-Flaggen an. Die Bundesregierung warnte vor möglichen Ausschreitungen in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen. 

Aber auch die Politik ist in Aufruhr. Eine Übersicht über erste Reaktionen nach Trumps Rede vom Mittwochabend:

UN besorgt - Palästina in Aufruhr

„Es gibt keinen Plan B. Ich habe mich immer wieder gegen einseitige Maßnahmen ausgesprochen, die die Aussichten auf einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern gefährden würden.“ - (UN-Generalsekretär António Guterres)

„Die amerikanische Regierung hat sich mit dieser Erklärung dazu entschlossen, alle internationalen und bilateralen Resolutionen und Vereinbarungen zu verletzen.“ - (Palästinenserpräsident Mahmud Abbas)

Mahmud Abbas reagierte mit einer Rede im TV

„Ich denke, dass Präsident Trump die USA heute Abend für jegliche Rolle im Friedensprozess disqualifiziert hat.“ - (Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat)

„Das palästinensische Volk weiß angemessen auf die Missachtung seiner Gefühle und Heiligtümer zu reagieren.“ - (Der Chef der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas, Ismail Hanija)

„Trumpf öffnet (...) die Pforten der Hölle für die US-Interessen in der Region.“ (Der Hamas-Funktionär Ismail Radwan)

„Dies ist ein historischer Tag. (...) Jerusalem ist die Hauptstadt Israels seit fast 70 Jahren. (...) Jerusalem ist die Hauptstadt des jüdischen Volkes seit 3000 Jahren gewesen.“ - (Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu)

Benjamin Netanjahu am Mittwochabend in Jerusalem

Merkel äußert Kritik - wenn auch sehr diplomatisch

„Es gibt kein passenderes oder schöneres Geschenk, jetzt wo wir uns 70 Jahren Unabhängigkeit des Staates Israel nähern. (...) Jerusalem ist nicht und wird niemals ein Hindernis für Frieden sein, für die, die Frieden wollen.“ - (Israels Präsident Reuven Rivlin)

„Die Bundesregierung unterstützt diese Haltung nicht, weil der Status von Jerusalem im Rahmen einer 2-Staaten-Lösung auszuhandeln ist.“ - (Bundeskanzlerin Angela Merkel)

„Ich glaube, dass die Entscheidung wirklich das Risiko beinhaltet, dass eine ohnehin schon schwierige Lage dort im Nahen Osten und in dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern jetzt noch weiter eskaliert.“ - (Bundesaußenminister Sigmar Gabriel)

„Diese Entscheidung verletzt internationales Recht und alle UN-Resolutionen. (...) Wir müssen um jeden Preis Gewalttätigkeiten vermeiden und den Dialog bevorzugen.“ - (Der französische Präsident Emmanuel Macron)

„Wir verurteilen die unverantwortliche Stellungnahme der US-Regierung.“ - (Mitteilung des türkischen Außenministeriums)

„Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen.“ - (Mitteilung des iranischen Außenministeriums)

12:40 07.12.2017

Linke und Grüne warnen vor Eskalation

„Wer eine solche Entscheidung trifft, nimmt eine erneute Eskalation des Konflikts bewusst in Kauf.“ - (Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir)

„Notwendig ist neuer Anlauf zu gerechter Friedensregelung für Palästinenser und Israelis, nicht hochgefährliche Eskalation“ - (Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht)

dpa/fn/Video: Glomex

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