Auch Angriff auf Gauland

Umstrittenes Interview mit Putin-Sender: Gabriel erneuert AfD-Nazi-Vergleich

+
Sigmar Gabriel.

Wenige Tage vor der Wahl hat Sigmar Gabriel  ein Interview mit einem sehr umstrittenen Medium geführt. Bereits vor der Ausstrahlung hatte sich der Außenminister dazu geäußert.

Moskau/Berlin - Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat wenige Tage vor der Bundestagswahl seine Aufsehen erregende Äußerungen, Verantwortliche in der AfD seien “nichts anderes als Nazis”, erneut bekräftigt.

“Ich kann doch nicht lügen. Und die Wahrheit ist: An der Spitze der AfD stehen Vertreter, die nichts anderes sind als Neonazis”, sagte Gabriel in einem am Mittwochabend ausgestrahlten Interview mit RT Deutsch.

Soweit nichts Neues, doch als die Interviewerin Jasmin Kosubek dazwischen grätschen und zur Gegenrede ansetzen wollte, wurde der 58-Jährige deutlich. “Junge Dame, lassen Sie mich mal ausreden, das ist ein wichtiges Thema”, so Gabriel weiter. “Ich sage nicht, dass die Wählerinnen und Wähler der AfD Nazis sind. Aber jeder muss wissen, an der Spitze stehen Leute, die nichts anderes sind als Neonazis.” Wer Jasmin Kosubek ist, können Sie in einem separaten Artikel auf merkur.de* nachlesen.

Für den Bundesaußenminister ist es nichts gutes, das “Gefühl zu haben, wenn ich zurück in den Bundestag komme, spricht zum ersten Mal nach 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ein Nazi im Reichstag am Mikrofon. Und das muss man auch aussprechen.”

Gabriel sagte nicht, welche AfD-Politiker er mit seiner Kritik meint. Er machte aber klar, dass er nicht den AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland meint, der kürzlich gesagt hat, die Deutschen dürften stolz sein auf „die Leistungen deutscher Soldaten“ im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Zu Gauland sagte Gabriel: „Es gibt auch andere wie Herrn Gauland, die ihren Lebtag gelebt haben von diesem Staat, da ihr Geld und ihre Pensionen bekommen und heute auf den Staat hetzen. Das gibt es auch. Die sind auch schlimm genug.“

Als daraufhin die Moderatorin argumentieren wollte, auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten noch Alt-Nazis im Bundestag gesprochen, entwickelte sich ein verbaler Schlagabtausch zwischen Kosubek und Gabriel, der der Moderatorin vorwarf, die Dinge zu “schlimm zu verharmlosen”.

„Die Tatsache, dass Leute damals in der NSDAP waren, hat nicht bedeutet, dass sie im Deutschen Bundestag als Nazis gesprochen haben mit dieser Ideologie“, sagte Gabriel. „Wir haben seitdem (seit 1949) niemanden im Deutschen Bundestag, selbst die alten NSDAP-Mitglieder nicht, die offen Propaganda für Nazi-Ideen gemacht haben.“

“Ein monströses Streitgespräch”

Schon im Vorfeld der Ausstrahlung sorgte das Interview für Aufsehen. Weil RT Deutsch als Ableger des russischen Senders Russia Today im Verdacht von Kritikern steht, als vom Kreml finanziertes Nachrichtenmedium keine objektive Berichterstattung zu betreiben.

In der Online-Ausgabe der Bild verteidigte Gabriel nun das Interview im Vorfeld. Es sei ein „monströses Streitgespräch“ gewesen und er habe einen „erheblichen Krach“ mit dem Sender gehabt, wurde der Außenminister dort zitiert. Er war zudem gespannt gewesen, „die das überhaupt so senden.“

„RT deutsch“ ist ein 2014 gegründeter deutscher Online-Ableger des staatlich finanzierten russischen Fernsehsenders „RT“. Das Interview mit Gabriel war bereits das zweite mit dem Vizekanzler innerhalb weniger Tage. Den Vorwurf, er bediene damit ein russisches Propagandainstrument, wies der SPD-Politiker bereits vor einigen Tagen bei „Spiegel Online“ zurück. „Wir reden auch mit anderen, wie mit (dem arabischen Sender) Al Dschasira, und warum nicht auch mit chinesischen Sendern? Und zu RT: Deren Zuschauer will ich jedenfalls nicht der AfD überlassen.“

Mit solchen Interviews erreiche er Menschen russischer Herkunft, die in Deutschland lebten, sagte Gabriel und fügte hinzu: „Wir haben doch als deutsche Demokraten ein Interesse daran, dass auch in autoritären Staaten unsere Stimme gehört wird.“

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

tlo (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare