Forscher hörten Schreie aus der Tiefe

Unter diesem Gullideckel verbirgt sich das tiefste Loch der Erde

+
Sieht unscheinbar aus, ist aber verdammt tief: Das Kola Superdeep Borehole.

Murmansk - Unter dem unscheinbaren, von Unrat umgebenen Gullideckel auf oben zu sehendem Foto verbirgt sich nicht weniger als das tiefste Loch der Erde. Gebohrt haben es russische Forscher in den Siebzigern. Der Grund, warum sie mit dem Bohren aufhören mussten, macht Angst.

Unter dem Gullideckel, den Sie auf dem Foto oben sehen, verbirgt sich das „Kola Superdeep Borehole“. Gelegen im russischen Murmansk, auf der Halbinsel Kola, wurde es 1970 von sowjetischen Forschern gebohrt. Das Ziel der Wissenschaftler: Herausfinden, wie die Erdkruste beschaffen ist. Aufschlüsse hierzu erhofften sie sich 15.000 Meter unter der Erdoberfläche. Insgesamt 24 Jahre - also zwischen 1970 und 1994 - bohrten die Ingenieure. Doch dann folgte das Aus.

6.700 Meter Fossilien

Die Forscher trieben zwar einen massiven Bohrer mit einem Durchmesser von 21,4 Zentimetern in die Erde und die Gesteinschichten darunter, bekamen aber ab einer gewissen Tiefe Probleme mit der dort unten herrschenden Hitze. Die Temperatur unter der Erdoberfläche betrug mit 210 °C - viel mehr als die Wissenschaftler erwartet hatten. Das bedeutete: Abbruch der Bohrung - in einer Tiefe von exakt 12.262 Metern. Die Hitze führten die Wissenschaftler damals auf die natürliche Radioaktivität des Gesteins zurück. Außerdem entdeckten die Forscher dort unten große Mengen Wasser und 6.700 Meter Plankton-Fossilien - insgesamt 24 unterschiedliche Spezies.

Irre Gerüchte

1989 gerieten irre Gerüchte über die Bohrung in Wallung: Die Forscher vernahmen im Loch durch herabgelassene Mikrofone Geräusche, die einige als Schreie aus der Tiefe deuteten. Daraus entstand das Gerücht, dass die Wissenschaftler versehentlich die Hölle angebohrt hatten. Wahrscheinlicher ist zwar, dass sie schlichtweg seismische Aktivitäten vernommen haben, aber wie das bei Verschwörungstheorien eben so ist: Diese halten sich dennoch hartnäckig.

Trost für die Forscher

Obwohl die sowjetischen Forscher über zwölf Kilometer tief in die Erde bohrten, entspricht das lediglich gerundete 0,2 Prozent des Weges, der zurückgelegt werden müsste, um den Mittelpunkt der Erde zu erreichen. Trost für die Sowjet-Forscher: Mit ihrer Bohrung in Kola übertrumpften sie die USA, die bis dahin den Rekord für das tiefste Loch der Welt hielten. US-Wissenschaftler bohrten zuvor „nur“ 9.583 Meter tief - bei der „Bertha Rogers Bohrung“ im US-Bundesstaat Oklahoma. Und wie wir wissen, waren solche Rekorde damals im kalten Krieg extrem wichtig für beide Seiten.

Immer wieder entdecken Forscher seltsame Dinge unter der Erde - z.B. diese uralten Mikroorganismen.

tz/mm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare