Nach jahrelangem Prozess

Urteil im Streit um geheime Gespräche gefallen: Kohl-Witwe mit Sieg über Ghostwriter

Maike Kohl-Richter und Helmut Kohl.
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Maike Kohl-Richter, die zweite Ehefrau von Helmut Kohl.

Die Witwe von Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter, setzte sich vor Gericht gegen den Ghostwriter des Altkanzlers durch. Dieser muss nun Auskunft über alte Tonaufnahmen geben.

  • Maike Kohl-Richter, die Witwe von Helmut Kohl, hatte gegen den ehemaligen Ghostwriter des Altkanzlers geklagt.
  • Es ging dabei um Tonbandaufnahmen und abgetippte Passagen von Gesprächen, die der Altkanzler zum Zwecke seiner Memoiren geführt hatte.
  • Heribert Schwan, der Ghostwriter, sprach einmal von „einem Schatz, der wirklich einmalig ist“ und den er "irgendwann heben" werde.

Karlsruhe - Helmut Kohls ehemaliger Ghostwriter Heribert Schwan muss dessen Witwe sagen, welche Inhalte aus den langen Gesprächen mit dem Altkanzler noch in seinem Besitz sind. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag in letzter Instanz. Für Maike Kohl-Richter ist das Urteil die Voraussetzung, um im nächsten Schritt die Herausgabe erstreiten zu können. Es geht um Tonkopien und abgetippte Passagen.

Die Herausgabe der Original-Bänder hatte Helmut Kohl noch zu Lebzeiten erstritten. Auf Dokumente und Akten, die Schwan für seine Arbeit an Kohls Memoiren zur Verfügung gestellt und die möglicherweise nicht vollständig zurückgegeben wurden, dürfte die Kohl-Seite allerdings keinen Zugriff mehr bekommen. Diese Ansprüche sind laut BGH verjährt.

Dem Ghostwriter Heribert Schwan öffnete sich Altkanzler Kohl in langen Gesprächen - bis es zum Bruch kam. Die Witwe und Alleinerbin Maike Kohl-Richter versucht seit Jahren, alles Anvertraute sicherzustellen. Zur Vorbereitung seiner Memoiren hatte sich Kohl 2001 und 2002 an mehr als 100 Tagen in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim mit dem Journalisten und Historiker zusammengesetzt. Über sein Leben und vor allem seine Zeit als Kanzler sprach Kohl offen und ausführlich. Schwan zeichnete etwa 630 Stunden Gespräch auf.

Helmut Kohl: Nach drei von vier Büchern kam es zum Bruch mit dem Ghostwriter

Aber nach drei von vier geplanten Bänden kam es zum Bruch. 2014 veröffentlichte Schwan eigenmächtig den Bestseller „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“. Das Buch sorgte vor allem deshalb für Aufsehen, weil der frühere Kanzler und CDU-Chef darin mit etlichen abwertenden Urteilen über Politiker und gesellschaftliche Größen zitiert wurde. Kohl klagte, zahlreiche Passagen wurden verboten. Kurz vor seinem Tod im Juni 2017 erstritt er 87-jährig die höchste Entschädigung der deutschen Rechtsgeschichte - eine Million Euro. Nach bisherigen Urteilen ist der Anspruch aber nicht auf seine Witwe übertragbar. Die insgesamt 200 Tonbänder mit den Gesprächen hatte Schwan mit zu sich nach Hause genommen.

2012 sagte Schwan dem Spiegel, er habe „einen Schatz, der wirklich einmalig ist“, er werde ihn „irgendwann heben“. Die Herausgabe der Originale setzte Kohl noch zu Lebzeiten durch. Aber er hatte seinem Ghostwriter auch Zugang zu vertraulichen Papieren ermöglicht, darunter Geheimdokumente aus dem Kanzleramt und Kohls Stasi-Akte. Umfangreiche Unterlagen wurden kopiert, etliche Akten durfte Schwan zu Hause durcharbeiten. Die Gespräche mit Kohl hatte seine Schwester abgetippt. Und auch von den Bändern gebe es „jede Menge Kopien“, erklärte Schwan 2014 in einer Fernsehsendung. Wegen dieser Kopien, Transkripte und Unterlagen ging es nun vor Gericht. (dpa/fmü) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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