Talkshow nach der Bundestagswahl

„Hart aber fair“: „Schuldiger“ für Erfolg der AfD gefunden

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Gleich vier Politiker gaben bei „Hart aber fair“ den Medien die Schuld am Erfolg der AfD.

Frank Plasberg hatte in seiner politischen Talkshow „Hart aber fair“ nach der Bundestagswahl einiges zu bereden. Wie reagieren nun die Volksparteien? Und wer trägt die Schuld am Erfolg der AfD? In letzter Frage finden die Parteien einen Schuldigen.

Am Montagabend lud Moderator Frank Plasberg zur ersten „Hart-aber-fair“-Sendung nach der Bundestagswahl am Sonntag. Das eigentliche Thema des Polittalks lautete: „Die gerupfte Kanzlerin - wie regieren nach dem Debakel der Volksparteien?“. Eins sei vorweg gestellt: Diese Frage geriet relativ schnell in den Hintergrund.

Jamaika-Koalition? „Kann ich mir schwer vorstellen“

Gleich zu Beginn wurde diskutiert, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel nun eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP zustande bringen könnte, nachdem die SPD bereits kurz nach den ersten Hochrechnungen verkündet hatte, in die Opposition zu gehen.

Der Liberalen-Politiker Alexander Graf Lambsdorff stellte klar, dass „keine unserer Parteien politischen Selbstmord begehen sollte“. Robert Habeck, Landwirtschaftsminister der Grünen in Schleswig-Holstein, kündigte nach dem Rechtsschwenk der CSU an, dass er sich dieses Bündnis nur schwer vorstellen kann, obwohl in seinem Bundesland seit Monaten eine schwarz-gelb-grüne Regierung an der Macht ist. 

Dorothee Bär kritisierte die SPD für die vorschnelle Absage an eine erneute Große Koalition. „Ich hätte mir zumindest mal Sondierungsgespräche gewünscht“, erklärte die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesverkehrsministeriums. Nachdem bei diesem Thema die Fronten verhärtet waren, driftete die Sendung in eine andere Richtung. 

Parteien geben Medien Schuld an AfD-Erfolg

Bär machte es ihrem Partei-Kollegen Joachim Herrmann gleich und gab vor allem einem öffentlichen Instrument eine Mitschuld am Wahldebakel der Union und dem großen Erfolg der AfD: den Medien. In der „Berliner Runde“ am Sonntag war dem bayerischen Innenminister der Kragen geplatzt, Herrmann machte den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF schwere Vorwürfe. Vor allem die ausgiebige Berichterstattung über die AfD, die mit knapp 13 Prozent in den Bundestag einzieht, war dem CSU-Politiker ein Dorn im Auge. 

Auch Bär gab ARD und ZDF eine Mitschuld. Besonders in den politischen Sendungen seien hauptsächlich zwei Themen angesprochen worden: die Außen- und Türkei-Politik. Gesellschaftliche Dinge, wie Rente, Familie, Gesundheit, Digitalisierung seien viel zu kurz gekommen, obwohl diese den Wähler doch viel mehr interessiert hätten. Vor allem das TV-Duell zwischen Martin Schulz und Angela Merkel sei so verlaufen.

Katarina Barley springt ihrer Bundestags-Kollegin zur Seite. „Da gebe ich der Kollegin Bär recht - das war eine absolute Zumutung." Die Familienministerin hat sogar ausrechnen lassen, dass sich im vergangenen Jahr 54 Prozent der Sendungen in den Öffentlich-Rechtlichen die Themen um Flucht, Migration und Islam drehten. Eindeutig zu viel für die SPD-Politikerin. Auch FDP und die Grünen schließen sich der Medienschelte an. Habeck musste noch loswerden, dass man nicht „über jeden Rülpser der AfD“ berichten müsse.

Moderator Frank Plasberg rechtfertigte das Ganze mit der Einschaltquote, die den Sendern klar machten, dass der Wähler mehr über die Flüchtlingskrise wissen wollten. Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender schlug in die gleiche Kerbe. Diese Themen hätten das Publikum nun mal am meisten interessiert.

"Quote kann nicht die Ausrede sein."

SPD-Frau Barley ist darüber empört: „Politik ist keine Casting-Show“. Es gehe darum, dass oft Personen in Talkshows eingeladen werden, bei denen es das größte Krachpotenzial gibt. Dies sei nicht Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen. Auch Bär meint, dass Quote nicht die Ausrede sein kann.

Aber ist das Ganze so einfach? Die harte Wahlschlappe einfach auf die Medien zu schieben, die in dieser Sendung als Sündenbock ausgemacht werden? Brender warnt vor einer „Instrumentalisierung der Medien“. Denn vom eigenen Unvermögen werde abgelenkt. 

Alle Informationen zur Bundestagswahl finden Sie in unserem Live-Ticker.

tor

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