100.000 neue Wohnungen fehlen 

Wohnungsmangel: Geplante Bau-Offensive der GroKo droht zu platzen

Obwohl der Koalitionsvertrag von Union und SPD noch nicht beschlossen ist, droht das erste GroKo-Ziel bereits zu scheitern. Die bis 2021 geplante Bau-Offensive ist aus mehreren Gründen unrealistisch. 

Berlin - Der im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte Bau von 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis 2021 droht nach Einschätzung von Branchenverbänden zu scheitern. 2018 werde die jährliche Zielmarke von 375.000 Wohnungen wohl verfehlt, teilte das Verbändebündnis Wohnungsbau am Donnerstag mit. Grund dafür sei der Rückgang bei den Baugenehmigungen im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 340.000.

Insgesamt fehlen nach Angaben des Verbändebündnisses bundesweit rund eine Million Wohnungen. "Wir haben dieses Jahrzehnt beim Wohnungsbau verloren. Auch wenn der Wohnungsbau im letzten Jahr mit geschätzten 300.000 Neubauwohnungen endlich wieder zugelegt hat, ist das noch längst kein Grund zur Entwarnung", erklärten die Verbände. Benötigt würden 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr.

Zu wenig Bauland: Preise explodiert

Der Mangel an Bauland sei "ein wesentliches Hemmnis für den Wohnungsbau", erklärten die Verbände unter Berufung auf eine Studie des Pestel-Instituts. Städte und Gemeinden wandelten zu wenig Land in Bauland um, was die Kosten in die Höhe treibe. Seit 1995 stiegen die Baulandpreise laut der Studie um rund 170 Prozent.

In der Untersuchung wird auch ein Mangel an Sozialwohnungen beklagt. So hätten in Großstädten zwischen gut einem Drittel und der Hälfte aller privaten Haushalte grundsätzlich Anspruch auf eine Sozialwohnung. Tatsächlich seien bundesweit allerdings nur sechs Prozent aller Mietwohnungen Sozialwohnungen.

Grüne und Linke forderten mehr Anstrengungen im sozialen Wohnungsbau. Es gebe eine "riesige Versorgungslücke beim bezahlbaren Wohnraum", erklärte die stellvertretende Fraktionschefin der Linken, Caren Lay. "Nur durch eine Kehrtwende in der Wohnungspolitik kann der zunehmenden sozialen Spaltung in den Städten begegnet werden." Sie forderte eine "deutliche Erhöhung" der Bundesmittel. Auch die Grünen riefen die künftige Bundesregierung auf, "deutlich mehr in den sozialen Wohnungsbau zu investieren".

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AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Christian Charisius (Symbolbild)

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