“Führerloser Jihad“

Experte erklärt: Diese Strategie verfolgt der IS jetzt

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Experte warnt: Der Islamischer Staat könnte in Zukunft noch größere Anschläge durchführen.

Im Irak und in Syrien ist der IS besiegt: Er wurde aus seinen Hochburgen vertrieben. Doch damit ist der Kampf des Islamischen Staates noch lange nicht vorbei, warnt ein Experte.

München - Nach der Eroberung von Mossul im Irak und Al-Rakka in Syrien verliert die Terrororganisation Islamischer Staat immer mehr an Boden. Doch obwohl ihr sogenanntes Kalifat zerstört ist, lebt der Terror des IS weiter, meint der Experte Ulf Brüggemann (Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Schwerpunkt Terrorismus) bei focus.de

IS verfolgt Strategie des „führerlosen Jihad“

Der Experte begründet seine Aussage mit der zunehmenden Zahl an Anschlägen in westlichen Ländern. Anführer des IS hatten bereits im September 2014 dazu aufgerufen, die „Kreuzfahrer“ direkt in ihren Ländern zu bekämpfen, eine Anweisung, die auch nach der Eroberung der beiden Hauptstädte des IS offenbar weiter ihre Gültigkeit hat.

Wie der Experte auf focus.de erklärt, verfolgt der IS damit die Strategie des sogenannten „führerlosen Jihad“, die von dem Terror-Denker und Ideologen Abu Musab al-Suri vor etwa zehn Jahren aufgestellt wurde. Von einer Zentrale aus werden demnach die Anhänger zu Anschlägen aufgerufen. Da die große Gruppe diese nicht mehr organisieren kann, wird die Planung von kleinen sich bildenden Zellen übernommen.

Dadurch entsteht einerseits für die Organisation an sich ein Kontrollverlust, andererseits werden aber die Angriffe unabsehbar, da sie immer und überall stattfinden können. Laut al-Suri würde so eine Methode entstehen, die der Gegner kaum verhindern könne.

Experte: Menschen gewöhnen sich an Anschläge

Wie die aktuellen sich mehrenden Anschläge zeigen, hat der IS diese Theorie in die Realität umgesetzt. Laut dem Experten Brüggermann haben aber weder der IS noch al-Suri ein wichtiges Detail bedacht: Durch die Vielzahl an Anschlägen werden sie auch immer alltäglicher, wodurch auch eine Gewöhnung eintritt. „So schrecklich die Angriffe für die Betroffenen und deren Hinterbliebenen auch sind, die Gesellschaften als Ganzes absorbieren sie und setzen ihr normales Leben fort“, erklärt der Experte.

Genau darin liegt laut dem Experten das Problem für die Terroristen. Durch ihre Anschläge versuchen sie eigentlich ein Klima der Angst zu erzeugen und so Einfluss auf die Entscheidungen der Gegenseite zu nehmen. Damit ist also nicht der Anschlag entscheidend, sondern die Reaktion darauf.

Wie der Experte erklärt, entfernt sich der IS dadurch mit jedem neuen Anschlag von seinen eigentlichen Zielen, da der Schrecken mit der zunehmend Zahl an Anschlägen abnimmt. Genau diese Entwicklung könnte aber noch weit schlimmere Anschläge auslösen, mutmaßt Brüggemann. 

ak

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