Nach Unabhängigkeitsreferendum

Erdogan warnt Kurden im Nordirak vor "ethnischem Krieg"

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Kurden haben am Montag trotz heftiger internationaler Kritik über ihre Unabhängigkeit abgestimmt. Nach ersten Ergebnissen zeichnete sich eine überwältigende Mehrheit für eine Abspaltung ab. Erdogan kündigt drastische Konsequenzen an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Kurden im Nordirak vor einem "ethnischen Krieg" gewarnt, sollten sie nicht ihre Unabhängigkeitspläne aufgeben. Wenn die politischen Führer der Kurden diesen "Fehler" nicht umgehend korrigierten, "werden sie mit der Schande in die Geschichte eingehen, die Region in einen ethnischen und konfessionellen Krieg gestürzt zu gaben", sagte Erdogan am Dienstag in Ankara.

Die Kurden im Nordirak hatten am Montag trotz der Ablehnung der Zentralregierung in Bagdad sowie der Nachbarn Türkei und Iran ein Referendum über die Unabhängigkeit der kurdischen Autonomieregion abgehalten. Das irakische Parlament forderte die Regierung daraufhin auf, Truppen in die zwischen Bagdad und den Kurden umstrittenen Gebiete zu schicken. Sollte sie dies tun, käme es einer Kriegserklärung gleich.

Iran erkennt Referendum nicht an

Nach Angaben des iranischen Parlamentspräsidenten wird der Iran das Ergebnis des kurdischen Unabhängigkeitsreferendums nicht anerkennen. „Alles, was zu einer Desintegration der Region führen könnte, werden wir (im Parlament) nicht anerkennen“, sagte Ali Laridschani am Dienstag.

Das Problem mit der Terrormiliz Islamischer Staat in Nordirak sei noch nicht vollkommen beendet. Umso bedauerlicher sei es, dass die Kurden nun mit ihrem Unabhängigkeitsreferendum für eine weitere Krise in der Region sorgen, von der keiner profitieren werde, so Laridschani laut Nachrichtenagentur IRNA.

Außenminister Gabriel äußert sich besorgt

Erdogan drohte den Kurden auch mit wirtschaftlichen Sanktionen, sollten sie nicht einlenken. "Wenn wir den Hahn (der Ölpipeline) zudrehen, wird ihr gesamtes Einkommen wegfallen. Wenn keine Lastwagen mehr passieren, werden sie kein Essen mehr finden", warnte Erdogan in einer Rede in Ankara zur Eröffnung des neuen Studienjahrs. Niemand außer Israel werde ihre Unabhängigkeit anerkennen.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak hat sich Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sehr besorgt gezeigt, dass sich die Spannungen in der Region weiter verschärfen können. Der SPD-Politiker forderte die kurdische Regionalregierung und die Zentralregierung in Bagdad am Dienstag zum Dialog auf. „Alle Seiten bleiben aufgerufen, jegliche Eskalation zu vermeiden und von einseitigen Schritten in Richtung Unabhängigkeit oder Zwangsmaßnahmen Abstand zu nehmen.

Iraks Kurden stimmen über Unabhängigkeit ab

Russland hat sich ebenfalls skeptisch über das kurdische Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak geäußert. Die Wahrung der territorialen und politischen Einheit des Iraks sei extrem wichtig für Stabilität und Sicherheit in der Region, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. Darüber habe sich Präsident Wladimir Putin auch am Montag mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani ausgetauscht, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Putin wird an diesem Donnerstag zu Gesprächen mit Erdogan in der Türkei erwartet.

Kurden auf Erdöl-Exporte angewiesen

Die kurdische Autonomieregion ist zum Export ihres Erdöls auf eine Pipeline durch die Türkei angewiesen. Auch ein Großteil des Handels läuft über das Nachbarland. Bisher unterhielt Ankara freundschaftliche Beziehungen zu Barsani, doch fürchtet die Türkei ebenso wie der Iran, dass eine Abspaltung der Kurden vom Irak die eigene kurdische Minderheit in ihrem Unabhängigkeitsstreben bestärkt.

Es war im Vorfeld gemutmaßt worden, dass Barsani mit dem Volksentscheid vor allem seine Verhandlungsposition gegenüber Bagdad stärken wolle. Es droht nun aber eine nicht mehr kontrollierbare Eskalation. Schiitische Milizen drohten bereits, eine Abspaltung der Kurden nicht hinzunehmen. Die Türkei und der Iran hielten an der Grenze zum Irak Militärmanöver ab, die als Warnung an die Kurden gesehen wurden.

dpa/AFP

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