Gesamte Wagenseite weggerissen

Eine Tote und rund 20 Verletzte bei Zugunglück in Österreich

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Bei einem Waggon der 1. Klasse wurde die gesamte Fensterfront weggerissen. Foto: Erwin Scheriau

Schock für die Reisenden im EuroCity auf dem Weg nach Deutschland. Bei der Kollision mit einem Regionalzug wurde die gesamte Fensterfront eines Waggons wegradiert - mit tödlichen Folgen.

Niklasdorf (dpa) - Auf dem Weg von Graz nach Saarbrücken ist am Montag in Österreich ein Eurocity mit einem Regionalzug zusammengestoßen. Dabei kam laut Polizei eine Frau ums Leben. Außerdem wurden 22 Insassen, darunter drei Kinder, verletzt.

Der EuroCity216 war im Bereich des Bahnhofs von Niklasdorf in der Steiermark mit einem Nahverkehrszug seitlich kollidiert. Zur Herkunft und Alter der toten Frau wollte die Polizei keine Angaben machen. "Zunächst muss die Identität zweifelsfrei geklärt sein und müssen die Angehörigen unterrichtet werden", sagte ein Sprecher.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sprachen auch von schwer verletzten Opfern. Die Polizei erklärte dazu, dass die Verletzten dem ersten Anschein nach nur leichte Blessuren davongetragen hätten. Bei genauerer Untersuchung könne das aber anders aussehen, so ein Polizeisprecher.

Bei einem Waggon an der Spitze des EC wurde die gesamte Fensterfront weggerissen. Dabei handelte es sich um einen Wagen der 1. Klasse, erklärte ein Bahn-Sprecher. Wie viele Menschen in diesem völlig zerstörten Areal saßen, konnte die Bahn zunächst nicht sagen. Laut Polizei wurden insgesamt 60 Menschen aus dem Zug geborgen. Die Verbindung von Graz in Richtung Saarbrücken ist nach Angaben der ÖBB normalerweise besonders stark frequentiert.

Das Unglück ereignete sich kurz vor 13 Uhr bei der Ausfahrt vom Bahnhof Niklasdorf in der Steiermark. Die Ursache dieser sogenannten Flankenkollision war zunächst unklar. Ob es sich um einen technischen Defekt oder um menschliches Versagen handle, müssten die Ermittlungen ergeben. Die beiden Lokführer seien vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden und nicht vernehmungsfähig, so ein Polizeisprecher.

Mehrere Waggons wurden beschädigt. Teile beider Züge entgleisten bei dem Zusammenstoß. Die Bahn ging davon aus, dass sich der Unfall bei langsamen Tempo im Bereich einer Weiche ereignete. "Einer der Züge war zu früh oder zu spät dran", so ein Sprecher.

Zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz. Dutzende Passagiere mussten auch wegen eines Schocks betreut werden.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn reagiert geschockt und sprach Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. Nach Bahn-Angaben wird der Zug aus Deutschland auf österreichischem Gebiet von der ÖBB betrieben. Dazu werde in Salzburg das Personal komplett getauscht.

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Der Einsatz von Hubschraubern war wetterbedingt nicht möglich.  Drei Feuerwehren mit 42 Einsatzkräften und sieben Fahrzeugen waren im Einsatz. Das Rote Kreuz war mit 19 Rettungs- und zwei Notarztfahrzeugen am Unfallort und versorgte die Patienten. Die Feuerwehrleute mussten teils hydraulisches Rettungsgerät einsetzen.

Durch das Unglück dürfte es zu Schäden an Masten und Oberleitungen der ÖBB gekommen sein. Inwieweit das Gleisbett durch die aus den Schienen gesprungenen Züge in Mitleidenschaft gezogen wurde, ließ sich zunächst nicht ermitteln.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. "Meine Gedanken sind bei der Familie & den Freunden des Todesopfers. Allen Verletzen wünsche ich eine baldige Genesung. Vielen Dank an alle Einsatzkräfte, die vor Ort helfen!". Die ÖBB richteten eine Hotline für besorgte Angehörige ein.

In Österreich war es zuletzt Ende Dezember zu einem folgenschweren Zugunglück gekommen. Beim Zusammenstoß zweier Personenzüge in der Nähe von Wien waren ein Dutzend Menschen verletzt worden. Viele Passagiere mussten von den Helfern aus den Waggons durch die Fenster befreit werden. Im Sommer war es im Bahnhof Wien-Meidling zur Kollision von zwei Zügen gekommen. Dabei waren neun Menschen verletzt worden - die meisten davon leicht. 

Tweet von Sebastian Kurz

ÖBB auf Twitter

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