Altmaier jubiliert, Schulz erleichtert

„Du bist ein Champion!“ - so reagieren deutsche Politiker auf die Holland-Wahl

+
Peter Altmaier freute sich über den Wahlausgang in Holland

Berlin - Das Wahlergebnis in den Niederlanden sorgt bei deutschen Politikern für Erleichterung. Kanzleramtschef Altmaier gratulierte dem gesamten Nachbarland, Angela Merkel Wahlsieger Rutte.

Die Regierungspartei VVD unter Premier Mark Rutte stärkste Kraft, Rechtspopulist Geert Wilders entgegen lange Zeit anderslautender Umfragen abgeschlagen - schon die ersten Prognosen zum Ausgang der Niederlande-Wahl sorgten bei mehreren deutschen Spitzenpolitikern für großen Jubel.

Besonders hervor tat sich Kanzleramtschef Peter Altmaier. Der CDU-Politiker - der erst am Sonntag in der Talkrunde „Anne Will“ seine Niederländisch-Kenntnisse zur Schau gestellt hatte - gratulierte überschwänglich. Und zwar nicht nur Wahlgewinner Rutte, sondern der gesamten niederländischen Nation. „Niederlande, oh Niederlande, du bist ein Champion! Wir lieben Oranje für sein Handeln und sein Tun! Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Ergebnis!“, schrieb er Minuten nach dem Schließen der Wahllokale auf Twitter.

Das Auswärtige Amt - als Ministierum und somit offizieller Teil der Bundesregierung - reagierte nüchterner, aber ebenfalls erfreut: "Die Niederländer haben den anti-europäischen Populisten eine Absage erteilt", erklärte das Ministerium am Mittwochabend im Online-Dienst Twitter. "Gut so, wir brauchen Euch für ein starkes Europa."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den niederländischen Premier Mark Rutte zur Wiederwahl beglückwünscht. Sie habe dem rechtsliberalen Politiker telefonisch gratuliert, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch auf Twitter. Wörtlich zitierte er Merkel mit den Worten: „Ich freue mich auf weiter gute Zusammenarbeit als Freunde, Nachbarn, Europäer.“

Schulz: „Der Hetze eine Absage erteilt“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wolfenbüttel, den ersten Prognosen zufolge habe die überwältigende Mehrheit der Niederländer der „Hetze von Geert Wilders und seiner unsäglichen Haltung gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen“ eine klare Absage erteilt. „Das ist eine gute Nachricht für Europa und für die Niederlande.“ 

Es sei ein gutes Zeichen, dass ein rechtsextremer Kandidat wie Geert Wilders nicht gewonnen habe, sagte SPD-Parteichef Gabriel an gleicher Stelle.

Seehofer zeigt sich erleichtert

Auch CSU-Chef Horst Seehofer reagierte erleichtert auf die Prognosen. „Bei Wahlen mit nationalen Bedeutungen bekommen die seriösen bürgerlichen Parteien Zuspruch, wenn sie den Menschen überzeugende Antworten auf ihre Fragen geben“, sagte Seehofer am Mittwochabend in Moskau, wo er am Donnerstag den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen will.

Seehofer sagte, Rutte habe den Wählern beste Zahlen vorweisen können, etwa bei den Beschäftigten oder der Jugendarbeitslosigkeit. Aber der Wahlausgang dort sei kein Hinweis auf Frankreich, da dort die bürgerlichen Kandidaten bislang alles andere als gute Figuren abgeben würden, fügte der CSU-Chef hinzu.

Özdemir und Lindner jubeln Ergebnisse der Schwesterparteien

Höchst zufrieden äußerte sich der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Ihn erfreut vor allem das starke Abschneiden der Grün-Linken niederländischen Partei. Die Partei um den Chef Jesse Klaver dürfte den Prognosen zufolge ihre Parlaments-Sitze vervielfachen. „Ihr seid die Stimme der Hoffnung und des Wandels“, jubelte Özdemir.

FDP-Chef Christian Lindner freute sich ebenfalls über den Erfolg einer europäischen Schwesterpartei - Mark Ruttes VVD gilt als „national-liberal“. „Wir freuen uns sehr über den Wahlausgang in den Niederlanden, liberale Regierungen sind die Stützpfeiler für ein starkes Europa und ein Signal für die Freiheit jedes Einzelnen“, erklärte Lindner in einem Tweet.

AfD-Cheffin Petry: Wilders hat den richtigen Ton verfehlt

Die AfD ist über das Wahlergebnis in den Niederlanden nicht glücklich. „Ich mache keinen Hehl daraus, dass wir der PVV und Geert Wilders ein besseres Ergebnis gewünscht hätten“, sagte Parteichefin Frauke Petry am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Wilders habe im Wahlkampf zwar die richtigen Themen angesprochen und dadurch auch die anderen Parteien ein Stück weit vor sich hergetrieben. Er habe aber vielleicht nicht immer den richtigen Ton getroffen. „Die Bürger wollen eine klare Ansage, aber sie fürchten sich vor einem harten Ton“, sagte Petry.

Dass die rechtsliberale Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) von Ministerpräsident Mark Rutte deutlich mehr Stimmen erhielt als Wilders' Partei, hat aus Sicht der AfD-Chefin auch mit der Eskalation des Streits mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu tun. „Ich glaube schon, dass Rutte Rückenwind aus Ankara bekommen hat“, sagte Petry. Sein konsequentes Handeln sei von den Bürgern honoriert worden.

Den Verlauf des Wahlabends in den Niederlanden können Sie in unserem Ticker nachlesen. Wie sich die Twitter-User zu Mark Ruttes Wahlerfolg äußerten, das erfahren Sie hier.

fn/dpa

Kommentare