Arbeitsmarktexperte vs. SPD-Frau

„Da haben wir krass versagt“: Forscher mit klaren Worten bei Illner - Nahles wehrt sich

+
Wie steht es in Deutschland um den digitalen Wandel? Bei „Maybrit Illner“ sprachen Experten über die Gefahren der zunehmenden Technologisierung auf den Arbeitsmarkt.

Müssen sich Menschen in Deutschland davor fürchten, dass intelligente Maschinen ihre Arbeit übernehmen? Diese und weitere Fragen standen beim ZDF-Talk „Maybrit Illner“ auf dem Programm. Andrea Nahles musste sich wehren.

München - In der Theorie wird das Thema Digitalisierung in Deutschland bei der Großen Koalition seit Jahren großgeschrieben. Doch wie sieht eigentlich die Praxis aus und welche Folgen hat der technologische Wandel auf den Arbeitsmarkt? Bei „Maybrit Illner“ ging es am Donnerstag um die Frage, was die Entwicklung für Europas Vorzeige-Wirtschaftsnation bzw. für deren Bevölkerung bedeutet. 

In immer mehr Berufen können intelligente Maschinen den Menschen ersetzen. Geht diese Entwicklung zu Lasten der Deutschen und wird sie dafür sorgen, dass sich hierzulande immer mehr Menschen der Arbeitslosigkeit bedroht sehen? Dazu war auch SPD-Politikerin Andrea Nahles eingeladen, die von Arbeitsmarktforscher Stefan Sell im Studio verbal angegangen wurde. 

Arbeitsmarkt der Zukunft: Trifft die Digitalisierung vor allem Hilfskräfte?

Während nämlich der ebenfalls anwesende CDU-Politiker Peter Altmaier einräumte, dass die Große Koalition das Thema Digitalisierung schon länger habe schleifen lassen, zeigte sich die Sozialdemokratin einer anderen Meinung: “Ich finde das nicht, da haben wir gar nicht gepennt”, erwiderte Nahles und sprach sogar davon, dass viele Debatten geführt wurden und in diesem Bereich mittlerweile viel passiert sei. 

Internet in nordpolnischem Wald besser als in Deutschland?

Sell ließ diese Aussage nicht unkommentiert und las der Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion stattdessen die Leviten: “Gerade die mittelständische Industrie, die in vielen Bereichen Weltmarktführer ist, setzt sich ja schon seit Jahren mit der Digitalisierung auseinander (...). Die klagen allerdings über die Rahmenbedingungen.” Alleine im Bereich Internet-Geschwindigkeit seien laut Stefan Sell eklatante Mängel vorhanden, was er mit folgendem Beispiel unterstrich: “Da haben wir krass versagt. Wenn ich nach Nordpolen fahre, da habe ich in jedem Wald bestes Internet – ja, super!”

Arbeitsmarktforscher Sell ist sicher: Deutschland hat den digitalen Wandel verschlafen.

Ist diese Kritik an der Arbeit der Großen Koalition übertrieben? Der Professor für Sozialpolitik an der Hochschule Koblenz legte nach und sprach darüber, dass immer mehr Roboter die Arbeit der Menschen übernehmen. würden. Das sei dabei allerdings nicht die eigentliche Problematik. Sell holte aus und erläuterte die Thematik anhand eines interessanten Beispiels des amerikanischen Versandriesen Amazon:

Im frisch ausgearbeiteten Koalitionsvertrag findet das Thema Digitalisierung übrigens des Öfteren Verwendung. So heißt es dort unter anderem: „Insbesondere die Digitalisierung und Wirtschaft 4.0 bringen eine neue Arbeitswelt mit neuen Qualifikationsanforderungen mit sich. Bildung, Ausbildung und Weiterbildung sind Schlüsselelemente, um den Wandel der Industrie, der Unternehmen und Beschäftigten zukunftsfähig zu machen.“ Peter Altmaier plädiert im Umgang mit diesem richtungweisenden Thema unterdessen zu mehr Gelassenheit: „Wir dürfen diese Debatte nicht mit Angst führen, wir müssen sie mit Selbstbewusstsein führen. Wer Angst hat, hat schon verloren“, so der Chef des Bundeskanzleramts.

Laut einer aktuellen Studie befürchtet fast jeder zweite Deutsche, seinen Lebensstandard nicht halten zu können. Diese Ängste reichen bis tief in die Mittelschicht. Doch was sind sie Gründe hierfür?

PF

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.