„Explosion der Infektionszahlen“

Kein Oster-Urlaub wegen Corona? Hotelverband findet Kretschmer-Vorstoß „völlig inakzeptabel“

Gastronomie und Hotels müssen sich noch auf einen längeren Lockdown einstellen.
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Gastronomie und Hotels müssen sich noch auf einen längeren Lockdown einstellen.

Statt sich auf Osterurlaub zu freuen, warnen Sachsens Ministerpräsident Kretschmer und andere vor der dritten Corona-Welle. Schleswig-Holstein will den Fahrplan beibehalten.

Update vom 15. Februar, 13.22 Uhr: Während viele einen möglichen Osterurlaub wegen der immer noch hohen Corona-Zahlen und der Gefahr der Mutationen äußerst kritisch sehen (siehe Erstmeldung), gibt es auch optimistischere Stimmen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hält Reisen zu Ostern für realistisch. „Bei uns in Deutschland sehe ich sehr wohl die Möglichkeit, dass wir Inlandstourismus bis zu diesem Zeitpunkt möglich machen“, sagte Günther am Montag in Kiel.

„Und das Wichtigste aus meiner Sicht ist: Ostern ist noch sieben Wochen hin, und heute ist es mit Sicherheit grundfalsch, unabhängig von der Inzidenz schon Urlaube abzusagen.“ Er bewerte die Situation optimistischer als andere. Bund und Länder hätten sich darauf verständigt, bei den nächsten Öffnungsschritten Gastronomie und Hotels mit in den Blick zu nehmen. „Und ich sehe zum heutigen Zeitpunkt überhaupt nichts, was dagegen spricht, weiterhin an diesem Ziel zu arbeiten.“ Natürlich müsse dabei auch über Testungen und über den Umgang mit Gebieten geredet werden, in denen es relativ viele Corona-Fälle gebe. „Aber definitiv sehe ich für den Tourismus eine Perspektive ab Ostern.“

Oster-Urlaub: Bundesregierung will sich nicht festlegen - verspricht aber „anderes Fest, als Ostern 2020“

Auch die Bundesregierung will sich, anders als Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, in der Frage möglicher Lockerungen der Corona-Regeln zu Ostern zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen. Es spreche „vieles dafür, dass wir jetzt erstmal die Entwicklung der nächsten Wochen abwarten und dann bewerten, welche Lockerungen zu welchem Zeitpunkt möglich sind“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er betonte zugleich, die Bundesregierung „arbeitet daran, das Ostern 2021 schon wieder ein etwas anderes Fest wird, als Ostern 2020 war.“

Zur Zeit gebe es eine Lage, die sich in vieler Hinsicht positiv entwickele, sagte Seibert mit Blick auf den Rückgang der Neuinfektionen und der Zahl der intensivmedizinischen Behandlungen. Auch die hohe Zahl der Todesfälle gehe endlich vorsichtig zurück. „Aber diese Lage ist noch unsicher“, betonte er. Die Mutationen stellten eine reale Gefahr dar, deren großflächige Ausbreitung in Deutschland müsse verhindert werden.

Kein Oster-Urlaub wegen Corona? Hotelverband findet Kretschmer-Vorstoß „völlig inakzeptabel“

Update vom 15. Februar, 12.25 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und auch Karl Lauterbach sehen keine Chance für einen Osterurlaub wegen der Corona-Pandemie. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat nun empört auf diese Ansage reagiert. Kretschmer sorge mit solchen Äußerungen für Verunsicherung und existenzielle Nöte, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges am Montag in der Sendung „Frühstart“ der Fernsehsender RTL und ntv.

Dies sei „völlig inakzeptabel“, vor allem, nachdem das Hotel- und Gaststättengewerbe beim vergangenen Corona-Gipfel der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten nicht einmal erwähnt worden sei. Kretschmers Überlegungen seien auch „rechtlich fragwürdig“, fügte Hartges hinzu. Sie berichtete, dass die Stimmung in der Hotel- und Gaststättenbranche seit der Ministerpräsidentenkonferenz am vergangenen Mittwoch „aggressiv und verunsichert“ sei. Es liege eine „brutale existenzielle Betroffenheit“ vor.

Oster-Urlaub trotz Corona? „Würden alles zerstören“ - Landeschefs und Lauterbach mit bitterem Ausblick

Update vom 14. Februar, 22.14 Uhr: Die Diskussion über die Osterurlaube in diesem Jahr ist entbrannt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht keine Chance für solche Urlaubsreisen (siehe Erstmeldung). Dem schließt sich auch SPD-Politiker Karl Lauterbach an: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Osterurlaub machen können“, sagte er der Welt. Die Zeit müsste genutzt werden, um die noch immer drohende dritte Corona-Welle mit gefährlichen Mutationen abzuwenden.

Brandenburgs Ministerpräsident, Dietmar Woidke (SPD) vertritt eine ähnliche Linie. „Auf touristische Reisen, auf Tagesausflüge, auf jegliche nicht notwendige Fahrt sollte jetzt dringend verzichtet werden“, sagte auch er der Zeitung. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther sieht den Osterurlaub dagegen bislang nicht in Gefahr: Bei der letzten Ministerpräsidentenkonferenz habe man einen klaren Fahrplan verabredet, eine Öffnungsstrategie auch für die Bereiche Gastronomie und Beherbergung zu erarbeiten. „Ich halte nichts davon, dies nicht mal eine Woche später infrage zu stellen“, sagte der CDU-Politiker. „Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr.“

Wieder kein Oster-Urlaub wegen Corona? Sachsens Ministerpräsident positioniert sich

Erstmeldung vom 14. Februar, 8.39 Uhr:

Dresden - „Kann es dieses Jahr leider nicht geben“: Wegen Corona* hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Oster-Urlaub in Deutschland* ausgeschlossen. „Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben“, sagte der CDU*-Politiker der Bild am Sonntag (BamS).

„Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen“, führte er aus. „Zu große Mobilität etwa durch Reiseverkehr und Tourismus bereits im April ist Gift.“

Tourismus bereits im April ist Gift

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)

Corona in Deutschland: Länderchef warnt vor dritter Welle und hartem Lockdown im Frühjahr

Eine Rückkehr zur „Normalität“ wie im vergangenen Herbst würde zu einer „Explosion der Infektionszahlen“ wie im November und Dezember führen, sagte Kretschmer. Die Folge wäre ein harter Lockdown* im Frühjahr. „Das müssen wir unbedingt vermeiden.“

Lockerungen müssten vorsichtig und Schritt für Schritt erfolgen, sagte Kretschmer. „Gaststätten und Hotels werden in Sachsen auch über Ostern geschlossen sein müssen. Auch der Spielbetrieb in Opernhäusern und Theatern kann frühestens erst nach Ostern wieder aufgenommen werden.“

Die Erfahrung der vergangenen Monate zeige: „Kleinste Veränderungen im Verhalten der Bevölkerung, beispielsweise eine höhere Mobilität und mehr Kontakte, führen sofort zu höheren Infektionszahlen.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält Urlaub bereits im April für ausgeschlossen.

Corona-Grenzkontrollen wie in Bayern: „Müssen auch Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen“

Sachsen hat - wie Bayern unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU*) - gerade ein Problem: eine Grenze zu einem Nachbarland, wo sich aktuell Corona-Mutationen* ausbreiten. Kretschmer verteidigte die seit diesem Sonntag geltenden Reisebeschränkungen und Kontrollen an der Grenze zu Tschechien, selbst wenn diese zu kilometerlangen Staus führen sollten.

Ohne Negativ-Test darf keiner mehr über die Grenze

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)

„Für einen wirksamen Schutz müssen wir auch Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen“, sagte er. „Wir haben in Deutschland mit massiven Maßnahmen und enormen Kosten die Infektionszahlen senken können. Das dürfen wir nicht verspielen. Klar ist: Ohne Negativ-Test darf keiner mehr über die Grenze.“ Auf absehbare Zeit dürften nur noch Pendler einreisen, die für die medizinische Versorgung wichtig sind. *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

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