Nach Covid-19-Erkrankung

Dauerhaft krank nach Corona? Langzeit-Folgen oft unbekannt – erste Muster entdeckt

Das Coronavirus breitet sich unaufhaltsam in Deutschland aus. Viele Menschen haben die Krankheit bereits überstanden, berichten jedoch von unterschiedlichen Spät- und Langzeitfolgen.

Die Coronavirus-Pandemie hält Deutschland weiter fest im Griff. Das Niveau der Neuinfektionen und der Todesfälle bleibt weiterhin hoch - auch trotz Komplett-Lockdown und harten Corona-Regeln. Nichtsdestotrotz haben zig  Millionen Menschen weltweit eine Infektion mit dem Coronavirus bereits überstanden. Alleine in Baden-Württemberg haben sich schätzungsweise 219.676 Personen von der Covid-19-Erkrankung erholt (Stand: 13. Januar 2021), wie echo24.de* im aktuellen Corona-Ticker für Baden-Württemberg* berichtet.

Die Dunkelziffer gilt dennoch als hoch, auch weil Sars-CoV-2 vielfach kaum oder gar keine Symptome verursacht. Doch nicht selten klagen genesene Covid-Patienten über anhaltende Symptome und Langzeitfolgen. Ist nun mit lebenslangen Spätfolgen bei Millionen Menschen weltweit zu rechnen?

Coronavirus Deutschland: Wie es Patienten nach Covid-19 geht - Folgeschäden oft unbekannt

Noch ist insgesamt wenig über Spät- und Langzeitfolgen einer Corona-Infektion bekannt. Aber mit dem Fortschreiten der Pandemie finden Forscher immer mehr über die Krankheitsverläufe und Folgeschäden bei Covid-19-Patienten heraus. Muster und Zusammenhänge werden erkennbar. Laut focus.de berichten viele Patienten auch lange nach ihrer Genesung über gesundheitliche Probleme.

In Italien ergab eine Befragung von 143 Klinikpatienten, dass 87 Prozent der Genesenen noch 60 Tage nach dem ersten Auftreten von Covid-19-Symptomen ein oder mehrere Symptome haben. Dazu zählen vor allem Erschöpfung (53 Prozent) und Atemnot (43 Prozent), aber auch Gelenk- und Brustschmerzen, Husten und Geruchsverlust.

Denn das Virus greift nicht nur die Lunge an, sondern auch andere Organe und Nerven. Andere Studien scheinen dieses Ergebnis zu bestätigen. Die Spät- beziehungsweise Langzeitfolgen werden auch als Long Covid oder auch als Post-Covid-Syndrom bezeichnet. Wie Focus Online weiter berichtet, leiden nicht nur Menschen, die einen schweren Covid-19-Verlauf hatten unter den Spätfolgen. Auch Menschen mit einem milden Verlauf klagen über Schwindel oder fehlende Konzentration.

Spätzeitfolgen und Langzeitfolgen von Covid-19: US-Forschen unterteilen Krankheit in drei Phasen

Für die durch das Virus Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19 und die dadurch entstehenden Langzeitfolgen beschreiben US-Forscher im Fachblatt „Jama“ nun mehrere Phasen.

US-Forscher machen 3 Phasen von Covid-19 fest.

1. Akute Phase: Covid-19

Typische Symptome einer akuten Erkrankung mit Covid-19 sind Atemnot, Husten und Fieber. Die Dauer dieser ersten Phase beträgt in der Regel mehrere Tage bis Wochen. Akut verursache Covid-19 laut den Forschern allerdings nur einen Teil der Sterblichkeit und Beschwerden insgesamt.

2. Post-akute-Phase: Hyperinflammatorische Krankheit

Auch, wenn jemand eine akute Sars-CoV-2-Infektion symptomfrei übersteht, könnte laut Wissenschaftlern trotzdem an Folgeerkrankungen leiden. Denn: Ab zwei Wochen danach könne eine hyperinflammatorische Erkrankung folgen. Im Klartext: Es entstehen Entzündungsvorgänge durch eine überschießende Immunreaktion. Dadurch können Organe versagen oder Schäden davontragen, neben der Lunge etwa auch Niere und Herz.

Diese Überreaktion des Immunsystems wurde zunächst vor allem bei Kindern bekannt, da sie Ähnlichkeiten mit dem sogenannten Kawasaki-Syndrom* hat. Inzwischen trägt sie den Namen MIS-C für Kinder („Children“) oder MIS-A für Erwachsene („Adults“). Patienten, die an MIS-C oder MIS-A leiden, weisen in der Regel Antikörper auf, ihr PCR-Test ist jedoch bereits negativ.

3. Entzündliche und virale Spätfolgen

Die dritte Phase beginnt etwa vier Wochen nach der Infektion. Wie lange diese andauern kann, ist noch nicht erforscht. Die Phase zeigt sich in verschiedenen Arten von Langzeitfolgen, darunter Müdigkeit, Atemnot, Brust- oder Gliederschmerzen. Auch Patienten, die einen symptomlosen Verlauf der Phase eins durchmachten, können hiervon betroffen sein.

Coronavirus in Deutschland: Vorsicht beim Begriff „Spät- und Langzeitfolgen“ - Symptome können sich zurückbilden

Wissenschaftlichen Erkenntnissen nach können Spät- und Langzeitfolgen die unterschiedlichsten Ausprägungen haben. Die Forscher erklären sie mit Organschäden durch die akute Phase oder als Folge von langanhaltenden entzündlichen Reaktionen im Körper. Auch physische oder psychische Schwäche aufgrund eines langanhaltenden oder schweren Krankheitsverlaufs seien möglich. Heißt es also, dass Millionen Menschen mit Spät- und Langzeitfolgen zu kämpfen haben werden?

„Man sollte vorsichtig sein mit der Aussage: Das ist ein Dauerschaden“, warnt Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Wir werden die Frage möglicher Spätschäden frühestens im Lauf des Jahres 2021 valide beantworten können. Bis zu einem Jahr können sich neurologische Symptome zum Glück noch zurückbilden.“ *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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