„Einige sind ziemlich eindeutig“

Corona-Skandal um „Wind-Impfungen“: Senioren in Brasilien nur scheinbar geimpft - Videos decken Betrug auf

Eine Frau mit Mundnasen-Schutz fotografiert in einer Straße von Rio de Janeiro eine Dosis des Corona-Impfstoffes, der einem im Auto wartenden Angehörigen verabreicht werden soll.
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Eine Frau fotografiert in einer Straße von Rio de Janeiro eine Dosis des Corona-Impfstoffes, den ein im Auto wartender Angehörigen erhalten soll.

Das Prinzip klingt erst einmal bequem: Mit dem Auto vorfahren und eine Corona-Impfung erhalten. Für manch ältere Menschen entpuppte sich das nun als fataler Schwindel.

  • Auch in Brasilien wird der Covid-19-Impfstoff aktuell nur bestimmten Gruppen zugeteilt.
  • Dabei werden die Impf-Berechtigten offenbar mit einer bestimmten Masche um den Schutz geprellt.
  • Der Tagesschau zufolge deckten Videos den Corona-Skandal auf.

Rio de Janeiro - In Brasilien sollen Senioren nur zum Schein gegen Corona geimpft worden sein. „Wind-Impfung“ wird diese Praxis in den Medien genannt. „Es geht um Einzelfälle, doch einige sind ziemlich eindeutig“, berichtet eine Tagesschau-Reporterin.

Das Vorgehen: Die älteren Menschen bekämen zwar einen Einstich in den Oberarm - doch die Impfhelfer drückten den Kolben der Spritze nicht herunter. Teils seien die Spritzen ohnehin leer.

Corona-Auto-Impfstraßen in Brasilien: Videos des Betrugs vom Beifahrersitz aufgenommen

In Brasilien wird der Impfstoff* gegen Covid-19* dem Bericht auch durch die offene Autotür verabreicht - in den „Auto-Impfstraßen“, während die Patienten sitzen bleiben. „Die Angehörigen filmen das gern vom Fahrersitz aus, was wiederum die Impfhelfer oft gar nicht sehen können. So tauchten in den vergangenen Tagen immer wieder Videos auf, die die „Wind-Impfungen“ belegen, heißt es.

„Wind-Impfungs“-Fälle in Rio de Janeiro, in São Paulo, in Goiania, Maceió und in Manaus im Amazonasgebiet seien so bekannt geworden. „In brasilianischen Medien findet man Berichte über gut ein Dutzend Fälle.“

Corona in Südamerika: Strenge Impfreihenfolge - aber noch keine Hinweise auf Schwarzmarkt

In Brasilien gilt eine strenge Impfreihenfolge. „Dass ‚Impfdrängler‘ versuchen, an die begehrte Spritze zu kommen, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe sind, liegt nahe.“ Beweise für einen Impf-Schwarzmarkt gebe es bislang aber noch nicht - Skandale um Impfdränger aber bereits in mehreren Ländern Südamerikas, stets drehten sie sich um die dort amtierenden Gesundheitsminister (Peru, Ecuador, Argentinien), so die Tagesschau.

Sicher sei, dass die regulären Impfungen in ganz Südamerika nur stockend vorankommen - mit Ausnahme von Chile, das inzwischen bei der Erstimpfungs-Quote die USA überholt habe.

„Tropen-Trump“ Bolsonaro und Corona: Brasiliens Präsident zweifelt Sinn der Impfung an

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro* verharmloste das Virus von Anfang an, Einschränkungen des öffentlichen Lebens und Schutzmaßnahmen lehnte er ab. Mittlerweile zieht der rechtspopulistische Politiker - in Anspielung auf Donald Trump auch als „Tropen-Trump“ tituliert - auch den Sinn von Impfungen gegen Corona grundsätzlich in Zweifel.

Bislang haben sich in Brasilien mehr als 10,5 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert - nur in den USA und in Indien sind die Zahlen noch höher. Zuletzt überschritt das Land die Marke von 250.000 Toten in Verbindung mit dem Virus. Trotz der dramatischen Lage lief die Impfkampagne dort erst im Januar an und wurde noch dazu von Komplikationen geprägt.

Corona-Mutation aus Brasilien gilt als ansteckender als Ursprungs-Variante

Angesichts fehlender Impfstoffe setzten Rio und andere wichtige Städte die Impfungen zuletzt sogar aus. Hinzu kommt: Die im Amazonas-Gebiet nachgewiesene Mutation des Erregers gilt als ansteckender als die ursprüngliche Variante.

Ein Hoffnungsschimmer nun: Am Samstag (27. Februar) kam eine wichtige Lieferung mit Grundstoffen zur Herstellung von 12,2 Millionen Dosen des AstraZeneca-Vakzins in Rio de Janeiro an, wie brasilianische Medien berichteten. Der Arzneistoff-Import aus China soll den Beginn einer Erfolgsgeschichte markieren - so erhoffen es sich zumindest viele Brasilianer. (frs mit Material der dpa)

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