Ausbreitung in Großbritannien

Corona-Mutation aufgetaucht: Wirkt Impfstoff bei Virus-Variante? Experten-Meinungen deutlich

In Großbritannien ist eine Mutation des Coronavirus entdeckt worden, das deutlich ansteckender als die bisher bekannte Form sein soll. Was bedeutet das jetzt für uns?

Seit Monaten läuft der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Mit voller Wucht hat die zweite Corona-Welle Deutschland im Winter getroffen – die unvermeidbare Folge: ein harter Lockdown* mit Schließung des Einzelhandels sowie unter anderem Friseursalons, Schulschließungen, weiteren Kontaktbeschränkungen und Ausgangsbeschränkungen in einigen Bundesländern.

Mitten in diese Zeit platzt jetzt eine weitere Meldung, die kurz vor Weihnachten Sorgen bereitet: Eine Coronavirus-Mutation ist in Großbritannien aufgetaucht – und sie soll deutlich ansteckender sein und die Infektionszahlen nach oben treiben, wie echo24.de* berichtet (Stand vom 21. Dezember). Was bedeutet das jetzt für uns?

Corona-Mutation aus Großbritannien: Deutschland reagiert auf Ausbreitung der Variante

Seit einigen Wochen (man geht von Ende September aus) verbreitet sich in London und Südostengland die Coronavirus-Mutation. Die Virus-Variante soll ersten Erkenntnissen von Wissenschaftlern zufolge um bis zu 70 Prozent ansteckender sein als die bisher bekannte Version Sars-CoV-2. Für die betroffenen Regionen in Großbritannien wurde ein Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren angeordnet.

Um zu verhindern, dass sich die Coronavirus-Mutation ausbreitet, lassen mehrere Länder bereits keine Einreisen aus dem Vereinigten Königreich mehr zu. Ab dem 21. Dezember sind auch in Deutschland Flüge aus Großbritannien und Nordirland untersagt. Das Verbot gilt zunächst bis zum 31. Dezember, ausgenommen sind Frachtflüge. Am Sonntagabend wurden Flugpassagiere aus London an deutschen Flughäfen gestoppt. Auch Einschränkungen für den Reiseverkehr zwischen Deutschland und Südafrika sind angekündigt. Dort war eine ähnliche Mutation aufgetreten.

Corona-Mutation in Großbritannien aufgetaucht: Ist die Virus-Variante bereits in Deutschland?

In einigen Ländern ist die Corona-Mutation bereits nachgewiesen worden. Fälle in Dänemark, in den Niederlanden, in Australien und Italien sind bekannt. In Deutschland ist die Virus-Variante aus Großbritannien laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch nicht nachgewiesen. Am Sonntagabend wurden noch zahlreiche Passagiere nach Flügen aus Großbritannien an deutschen Flughäfen gestoppt. Bild-Informationen zufolge wurden dabei mehrere Fluggäste positiv auf Covid-19 getestet. Ob es sich dabei um die neue Variante des Coronavirus handelt, muss noch geklärt werden.

Virologe Christian Drosten geht allerdings davon aus, dass die neue Corona-Mutation Deutschland bereits erreicht hat. „Wir wissen jetzt: Es ist schon in Italien, in Holland, in Belgien, in Dänemark – sogar in Australien. Warum sollte es nicht in Deutschland sein?“, sagte Drosten am Montag im Deutschlandfunk. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich gegenüber Bild besorgt: „Wenn es jetzt käme, wo wir mitten in der zweiten Welle sind, wo wir so hohe Fallzahlen haben, wäre das eine Katastrophe.“ Auch er zeigte sich davon überzeugt, dass die Variante über kurz oder lang nach Deutschland komme.

Corona-Variante aus Großbritannien: Wie gefährlich ist die Mutation des Virus?

Die Mutation des Coronavirus ist nach Einschätzung der britischen Regierung um bis zu 70 Prozent ansteckender – also leichter übertragbar – als die bisher bekannte Variante Sars-CoV-2. „Allerdings gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die neu Virusvariante auch zu einem schwereren Verlauf von Covid-19 führt“, teilt die Bundesregierung auf der Website mit. Auch auf eine höhere Sterblichkeitsrate gibt es laut dem britischen Premierminister Boris Johnson bislang keine Hinweise. Allerdings könnte die Corona-Mutation dazu führen, dass sich das Virus schneller verbreitet und die Pandemie damit beschleunigen.

Der Virologe Christian Drosten gab im Deutschlandfunk aber zu bedenken, dass die Datenlage noch sehr lückenhaft sei. Britische Wissenschaftler hätten demnach erklärt, sie bräuchten noch bis mindestens Mitte dieser Woche, um genaue Aussagen über die Corona-Mutation treffen zu können. Vorerst geht es darum, weitere Daten aus Großbritannien abzuwarten. Sicherheitsmaßnahmen wie das Flugverbot wurden aber vorsichtshalber bereits getroffen. Gerade hinsichtlich von Unterschieden im Langzeitverlauf weiß man aber noch nichts.

Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die neue Variante des Coronavirus Deutschland bereits erreicht hat.

Corona-Mutation: Wirkt der Impfstoff bei der neu aufgetauchten Virus-Variante?

Die britischen Behörden und viele Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die Impfstoffe gegen Covid-19* auch gegen die Mutation wirksam sind. Eindeutig geklärt ist das aber noch nicht. „Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel laut der dpa. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien hält fest, dass Mutationen nicht ungewöhnlich seien.

Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Coronavirus-Variante dpa-Informationen zufolge über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen – vor allem im Spike-Protein. Dieses Protein benötigt der Erreger, um in Zellen einzudringen. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein. Allerdings erzeuge der Impfstoff Immunreaktionen gegen das gesamte Spike-Protein, erklärt Neher. „Selbst wenn eine Mutation vorhanden ist, verhindert dies nicht die Erkennung durch das Immunsystem.“ In Großbritannien wird bereits gegen Corona geimpft, auch in Deutschland steht die Impfstrategie schon fest. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

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