Angst vor Atomkrieg

USA will mit Nordkorea direkt verhandeln, doch es gibt ein Problem

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Der Konflikt mit Nordkorea weckt Ängste vor einem Krieg. In Peking spricht US-Außenminister Tillerson mit Chinas Führung über die Spannungen. Kanzleramtsminister Altmaier kritisiert das Säbelrasseln.

Peking - Die USA haben nach Angaben ihres Außenministeriums keine Hinweise darauf, dass Nordkorea an Gesprächen über eine Denuklearisierung interessiert ist. Das betonte Sprecherin Heather Nauert am Samstag und bestätigte zugleich, dass US-Diplomaten mehrere offene Kanäle zur Kommunikation mit Mitgliedern der nordkoreanischen Führung hätten.

Zuvor hatte US-Außenminister Rex Tillerson erstmals mitgeteilt, dass die USA im Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm in direktem Kontakt mit Pjöngjang stünden. „Wir befinden uns nicht in einem Blackout“, sagte Tillerson. „Wir können mit ihnen sprechen. Wir sprechen mit ihnen.“

Nauert sagte: „Trotz Zusicherungen, dass die USA nicht daran interessiert sind, den Zusammenbruch des gegenwärtigen Regimes zu fördern, Regimewandel zu verfolgen, die Wiedervereinigung der Halbinsel zu beschleunigen oder Kräfte nördlich der demilitarisierten Zone zu mobilisieren, haben nordkoreanische Offizielle keine Hinweise gegeben, dass sie an Gesprächen bezüglich Denuklearisierung interessiert oder dazu bereit sind.“

Altmeier warnt vor Eskalation

China und die USA haben ihren Austausch über das Vorgehen gegen die Provokationen Nordkoreas intensiviert. Der Konflikt um Pjöngjangs Atom- und Raketenprogramm stand am Samstag im Mittelpunkt der Gespräche von US-Außenminister Rex Tillerson mit der chinesischen Führung in Peking. Sogar Staats- und Parteichef Xi Jinping empfing Tillerson, der zugleich den geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump im November in China vorbereitete.

Xi Jinping lobte dabei die „sehr guten Arbeitsbeziehungen und persönliche Freundschaft“, die seit seinem ersten Treffen mit dem US-Präsidenten im April in Trumps Golfclub Mar-a-Lago in Florida bestünden. Er gehe davon aus, dass Trumps erster Besuch in China „besonders, wunderbar und erfolgreich“ werde.

Angesichts der Spannungen mit Nordkorea warnte Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) vor einer Eskalation des Konflikts. „Die Lage ist absolut unerfreulich, weil wir im Augenblick einen Krieg der Worte erleben, der uns einer Lösung nicht näherbringt“, sagte Altmaier dem „Focus“.

Die Probleme seien nur durch Gespräche und nicht durch rhetorische Eskalation zu lösen. „Wir brauchen kein Säbelrasseln, wir müssen erkennen, dass Konflikte wie in der Ukraine oder in Nordkorea durch Waffeneinsatz nicht zu lösen sind“, sagt Altmaier. In dem Streit erwägt Trump auch militärische Optionen und hatte mit der „totalen Vernichtung“ Nordkoreas im Falle eines Angriffs gedroht.

Der Konflikt dürfte auch seine in sechs Wochen geplante Reise nach China überschatten. Xi Jinping setzt große Erwartungen in den Besuch von Trump. „Die Visite wird eine große Gelegenheit für die Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen“, sagte der Staats- und Parteichef laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua bei dem Empfang von Tillerson in Peking.

Trump auf Asienreise

Auch der US-Außenminister sprach bei einem Treffen mit Chinas Staatsrat Yang Jiechi von einer „sehr regelmäßigen und engen Arbeitsbeziehung“, die Trump und Xi Jinping entwickelt hätten. Yang Jiechi, der oberste für Außenpolitik zuständige chinesische Politiker, rief dazu auf, sich auf die Kooperation zu konzentrieren und „angemessen mit unseren Differenzen umgehen“. Tillerson traf auch Außenminister Wang Yi, der in der Machthierarchie unter dem Staatsrat steht.

Die Visite Trumps in Peking ist Teil einer Asienreise, die den US-Präsidenten vom 3. bis zum 14. November auch nach Japan, Südkorea, Vietnam und auf die Philippinen bringt. Geplant ist dabei eine Teilnahme an den Gipfeln der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) auf den Philippinen und der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Vietnam.

Die USA hatten versucht, China zu mehr Druck auf Nordkorea zu drängen, das rund 90 Prozent seines Handels über den großen Nachbarn abwickelt. Peking ist aber gespalten: Zwar will das Land in seiner Nachbarschaft keine Atomwaffen. Jedoch fürchtet China einen Kollaps Nordkoreas, der Flüchtlingsströme nach China und das Heranrücken von US-Truppen bis an die chinesische Grenze zur Folge haben könnte. 

Peking will deswegen nicht zu weit gehen, setzt aber die mitbeschlossenen UN-Sanktionen gegen Nordkorea um. So ordnete Peking erst am Donnerstag im Rahmen der UN-Beschlüsse eine Schließung aller nordkoreanischen Unternehmen in China bis Ende Januar an, lehnt aber ein von den USA gefordertes komplettes Öl-Embargo gegen Nordkorea ab.

Der Konflikt spitzte sich in den vergangenen Tagen weiter zu, nachdem Nordkorea als Reaktion auf kriegerische Töne von Trump mit dem möglichen Test einer Wasserstoffbombe über dem Pazifik gedroht hatte. Ob Nordkorea tatsächlich über eine Wasserstoffbombe verfügt, ist zurzeit allerdings unklar. Die USA schickten zugleich B-1B-Bomber und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea.

Tillerson: USA in Kontakt mit Nordkorea wegen Atomprogramms

Die USA stehen nach den Worten ihres Außenministers Rex Tillerson in Kontakt mit Nordkorea, um die Möglichkeit von Verhandlungen über dessen Atom- und Raketenprogramm auszuloten. Es gebe "Kommunikationskanäle nach Pjöngjang", sagte Tillerson am Samstag bei einem Besuch in Peking. "Wir sondieren", fügte er hinzu. "Wir sind nicht im Dunkel, im Blackout, wir haben zwei, drei Kanäle nach Pjöngjang offen." Zuletzt hatten die USA und Nordkorea im Konflikt um das Atom- und Raketenprogramm des ostasiatischen Landes auf äußerst martialische Töne gesetzt. US-Präsident Donald Trump hatte Nordkorea sogar mit der "vollständigen Vernichtung" gedroht, falls das Land seine atomare Aufrüstung fortsetze. Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho wertete dies als Kriegserklärung. Angesichts der Eskalation hatten US-Partnerländer wie Deutschland einen Dialog angemahnt, um die Eskalation zu beenden. Nordkorea hatte am 3. September seinen bislang stärksten Atomwaffentest vorgenommen. Zudem testet das isolierte Land regelmäßig Raketen und verletzt damit Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Nordkorea arbeitet erklärtermaßen an der Entwicklung einer Rakete, die einen Atomsprengkopf bis aufs Festland der USA tragen kann. Die USA wollen dies verhindern. cp/bt

dpa

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