Ergebnisse in den drei größten Städten

Warum München anders wählte als Berlin und Hamburg

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In den Großstädten wird bei der Bundestagswahl traditionell anders gewählt, als auf dem Land. Doch auch zwischen den drei größten deutschen Metropolen gibt es Unterschiede. Eine Analyse.

München - Für die Union und die SPD war die Bundestagswahl 2017 eine Zäsur: Rund 13.8 Prozent Stimmenanteile verloren die beiden Partner der großen Koalition, während die kleinen Parteien - allen voran die AfD und die FDP - Gewinne verbuchen konnten. Zwar stellen CDU und CSU weiterhin die größte Fraktion im Bundestag, doch ob sie so schnell eine Mehrheit für eine Regierung finden werden, ist zumindest fraglich. Auch in den Großstädten zeichnet sich bei den Zweitstimmen ein desaströses Bild für Schwarz und Rot ab.

In den drei größten Städten Berlin, Hamburg und München verloren sie im günstigsten Fall zusammen „nur“ 12,5 Prozent (Berlin), über 14.5 Prozent (München) bis hin zu erdrutschartigen 22,3 Prozent im Falle der Elbmetropole. Die genauen Ergebnisse finden Sie in folgenden Grafiken:

Zwar stieg die Wahlbeteiligung in allen drei Millionenstädten moderat bis deutlich an, doch weder die Union noch die SPD konnten daraus Gewinne für sich ziehen. Im Gegenteil.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl in den Großstädten

Dabei geht es in den Großstädten deutlich bunter zu, als beispielsweise auf der Ebene von Wahlkreisen. Betrachtet man die Ergebnisse in den Wahlbezirken wird die Vielfalt innerhalb der Städte deutlich. Dies erklärt sich natürlich durch die vollkommen unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründe der Einwohner. In München-Grünwald wohnt nun einmal eine andere Klientel als in Hamburg-Altona oder Berlin-Friedrichshain.

In folgenden Karten können Sie einen Blick auf die Ergebnisse der Wahlbezirke in den drei größten deutschen Städten werfen. Dabei haben wir zur besseren Vergleichbarkeit die Zweitstimmen der Parteien ausgewertet. Im ersten Reiter sehen Sie jeweils die Wahlbezirke in den Farben der stimmenstärksten Partei eingefärbt. In den weiteren Reitern sehen sie dagegen die Hochburgen der Parteien in den jeweiligen Städten. Also diejenigen Stimmbezirke, in denen die Parteien einen Großteil ihrer Stimmen einfahren konnten.

Dabei ist zu beachten: Die Briefwähler sind in diesen Statistiken nicht eingeschlossen. Da der Anteil an Briefwählern bei der Bundestagswahl 2017 deutlich angestiegen ist, bilden unsere Zahlen also nur zum Teil die politische Einstellung eines Wahlbezirks ab.

Karte: So wählte Berlin

Grundsätzlich zeigt sich in allen drei Städten: Die Union holt ihre Stimmen eher nicht im Zentrum, sondern an den Stadträndern. Die SPD ist hier eher im Westen der Bundeshauptstadt stark, in Hamburg sind die Stimmen für die Sozialdemokraten gleichmäßig verteilt, in München sind vor allem der Norden und der östliche Stadtrand rot. Die Grünen dagegen konnten in allen drei Großstädten ihre Stimmen primär in den Stadtzentren einfahren. Dort, wo statistisch gesehen die Jungen wohnen.

Auffällig, aber nicht wirklich überraschend, ist in Berlin zudem der große Anteil der Wähler der Linkspartei. Der Osten der Hauptstadt ist bekannt für seine eher alternativen Bewohner. Auch die linke Szene ist in Berlin stark vertreten. Dass die AfD sowohl im Osten als auch im Westen der Stadt einzelne Wahlbezirke für sich entscheiden konnte, zeigt die bevölkerungsübergreifende Zustimmung für die Deutschnationalen.

Karte: So wählte Hamburg

Auch in Hamburg ist tendenziell in lila und rot verfärbt. Dass die linksautonome Szene hier stark vertreten ist, ist nicht erst seit den Krawallen rund um den G20-Gipfel in der Elbmetropole im Juni 2017 bekannt. Seit März 2011 regiert mit Olaf Scholz zudem ein SPD-Mann. Während sich die Zustimmung für die Linken vor allem auf das Hamburger Zentrum konzentriert, gewannen die Sozialdemokraten in der ganzen Stadt Wahlbezirke für sich.

Hier finden Sie die bundesdeutschen Wahlergebnisse zur Bundestagswahl 2013.

Karte: So wählte München

Ein im Vergleich zu den beiden anderen bislang genannten Städten unterschiedlicheres Bild zeichnet sich in der bayerischen Landeshauptstadt ab. Dass im Freistaat die CSU stark ist, ist bekannt. In München mussten die Christsozialen zwar - wie im übrigen Bayern auch - teils herbe Verluste einstecken, doch die vier Direktmandate gingen erneut an die CSU. Auffällig ist auch hier, dass Die Grünen im Zentrum viele Wahlbezirke für sich entscheiden konnten und auch in den südlichen Vierteln rechts und links der Isar dominiert ihre Farbe besonders. 

Zudem gibt es versprengte Siege in der ganzen Stadt und in Schwabing konnte gar die FDP einen Wahlbezirk knapp für sich holen. Was im Gegensatz zu den zwei anderen bisher gezeigten Großstädten komplett fehlt, sind Siege der Linken oder gar der AfD. In München hat offenbar noch der vom damaligen Ministerpräsidenten ausgegebene Spruch bestand, dass es „Rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei“ geben darf. Und dass in der Hauptstadt Bayerns die linke Szene eher ein Schattendasein fristet, ist ebenfalls kein Novum.

Technische Umsetzung: Michael Haas

Redaktion: Xaver Bitz

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