Neue Studie enthüllt

Bundestagswahl: Dort wurde in Deutschland die AfD gewählt

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Alexander Gauland (l.), Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion zusammen mit Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. 

Die AfD gilt als einer der Gewinnerparteien der vergangenen Bundestagswahl, doch wer hat die Alternativen gewählt und vor allem wo in Deutschland gab es Sympathien für Alexander Gauland und Co.? Eine neue Studie gibt Aufschluss. 

München - Die AfD ist bei der Bundestagswahl einer Studie zufolge besonders in dünn besiedelten Regionen mit alter Bevölkerung gewählt worden. Ein Zusammenhang der AfD-Zustimmung mit dem Ausländeranteil vor Ort konnte hingegen kaum nachgewiesen werden, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Das Institut forderte die Politik zu mehr Unterstützung für strukturschwache Regionen auf.

Auch die Arbeitslosenquote oder der Bildungsgrad hingen demnach nicht unmittelbar mit dem AfD-Ergebnis zusammen. Allerdings stellten die Forscher fest, dass die Stimmenanteile der Partei dort zunahmen, wo das Haushaltseinkommen unterhalb des Bundesdurchschnitts liegt. Das sei besonders in ostdeutschen Wahlkreisen der Fall; aber auch in westdeutschen Wahlkreisen mit niedrigem Einkommen erhielt die Partei demzufolge mehr Zuspruch.

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Vor allem ältere Menschen wählten die AfD

Auch die Art der Beschäftigung beeinflusste das Wahlverhalten offenbar: In westdeutschen Wahlkreisen sei die AfD besonders dort gewählt worden, wo überproportional viele Menschen in der Industrie arbeiten. Im Osten beeinflusst demnach die Dichte von Handwerksunternehmen das Wahlverhalten zugunsten der AfD.

Ältere Menschen wählten die AfD eher als jüngere, denn dem Institut zufolge entfalten "überalterte Wahlkreise eine andere Lebensdyamik und geringere wirtschaftliche Perspektiven". Das ist demnach besonders im Osten zu beobachten: Wesentlich mehr Menschen in den neuen Bundesländern als im Westen seien über 60 Jahre alt. Davon ausgenommen sind laut DIW die Städte Leipzig, Dresden und Potsdam.

Zwischen dem Ausländeranteil und dem AfD-Ergebnis wurden nur schwache Zusammenhänge nachgewiesen. In ansonsten gleichen Wahlkreisen sei das Zweitstimmenergebnis der AfD höher, wenn überdurchschnittlich viele Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft dort leben würden, heißt es in dem Bericht. Mit dem Ausländeranteil gebe es dennoch keine "einschlägige Korrelation", schrieben die Forscher.

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DIW-Forscher fordert: „Mehr Gewicht auf die Entwicklung strukturell schwacher Regionen“ legen

Dem Forschungsinstitut zufolge spricht vieles dafür, dass in bestimmten Regionen "auch aufgrund einer empfundenen Perspektivlosigkeit" der Zuspruch der Wähler für etablierte Parteien schwinde. Es formulierte klare Forderungen an die Politik. "Die soziale Teilhabe muss verbessert werden und mehr Gewicht auf die Entwicklung strukturell schwacher Regionen gelegt werden", schrieben die DIW-Forscher.

Sie rieten Politik in Bund, Ländern und Kommunen, in strukturschwachen Regionen öffentliche Investitionen zur Absicherung öffentlichen Grundversorgung etwa mit Schulen oder Krankenhäusern zu sichern. Andernfalls werde "die Verstärkung politischer Polarisierung billigend in Kauf" genommen.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, warnte vor einer Radikalisierung in ländlichen Regionen. "Hier muss die Politik entschlossen gegensteuern, um dem Gefühl, abgehängt zu sein, entgegenzuwirken und Radikalisierungstendenzen wirksam zu bekämpfen", sagte er dem "Handelsblatt". Behörden sowie Wirtschaftsstrukturen müssten dort gestärkt werden.

Er verlangte, dass die Daseinsvorsorge von der ärztlichen Versorgung über eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur bis zu einem funktionsfähigen öffentlichen Personennahverkehr flächendeckend gewährleistet wird.

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AFP

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