Live-Sendung mit der Kanzlerin

„Wahlarena“ im Ticker: Merkel ausdrücklich gegen „Obergrenze“  

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Wahlarena mit Bundeskanzlerin Merkel

Kann vor der Bundestagswahl noch etwas schiefgehen? Angela Merkel ging am Montagabend jedenfalls ein Risiko ein: Im Ersten sprach sie live mit Wählern. Wie ging‘s aus? Hier im ticker nachlesen!

  • Update vom 15. Oktober 2017: Unsere Nachbarn haben gewählt. Die regierende SPÖ ist abgewählt. Wird Sebastian Kurz (ÖVP) neuer Kanzler? Wir bieten alle Informationen im Live-Ticker zur Wahl 2017 in Österreich.
  • Die Wahlarena startete in der ARD am Montagabend um 20.15 Uhr.
  • Angela Merkel stellte sich den Fragen von 150 Wahlberechtigten im Publikum.
  • Die Sendung war live.

Angela Merkel in der „Wahlarena“ - der Ticker zum Nachlesen

21.28 Uhr: Als die Rentenbeiträge für Arbeitnehmer zum  Thema werden, kommt von der Kanzlerin nur eine ausweichende Antwort: „Da kann ich Ihnen nichts versprechen“, sagt sie.

21.25 Uhr: Dem Sohn iranischer Eltern, der sich als voll integriert bezeichnete, aber seine Sorge vor Ausländerfeindlichkeit etwa der Alternative für Deutschland (AfD) und einem Rechtsruck äußerte, sprach sie Mut zu. „Lassen Sie sich ihren Schneid nicht abkaufen und halten sie dagegen. Es ist die Zeit, wo wieder Mut gefragt ist“, sagte Merkel in Anerkennung seiner Leistung als studierter Wissenschaftler. Sie mahnte, Menschen dürften nie nach ihrem Aussehen beurteilt werden.

Die Kanzlerin warnte dabei vor Ausgrenzungen jeglicher Art und bezog sich sowohl auf Ausländer und Migranten als auch auf Behinderte und Andersdenkende.

21.20 Uhr: Thema Ehe für alle. Ein Teilnehmer fragt Merkel, warum sie gegen das entsprechende Gesetz gestimmt habe. Die CDU-Chefin verteidigt ihr Vorgehen beim Thema „Ehe für alle“. Sie freue sich, dass durch den Bundestagsbeschluss jetzt eine Befriedung erzielt worden sei, sagte Merkel. Sie sei gegen jede Diskriminierung wegen sexueller Identität, fügte die Kanzlerin hinzu. Sie habe aber gegen den Gesetzentwurf zur Ehe für alle gestimmt, weil sie der Meinung sei, dass das Grundgesetz unter Ehe die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau verstehe. 

21.15 Uhr: Parteispenden von Unternehmen werden zum Thema und ein Mann fragt, ob die Politik nicht zu nachsichtig und intransparent mit der Wirtschaft und vor allem der Autoindustrie ist.

Merkel dazu:  Parteispenden seien wichtig zur demokratischen Willensbildung, die Politiker müssten mit den Vertretern der Wirtschaft sprechen, „Aber deswegen müssen wir nicht alles umsetzen, was die sagen,“, so Merkel. Bezogen auf den Diesel-Skandal sagt Merkel, es reiche nicht, die Automobilindustrie und ihre Vorstände „an den Pranger zu stellen.“ Allerdings gibt Merkel zu. „Wir sind schlauer geworden“ Das Ausmaß des Betruges habe sie sich nicht vorstellen können.

21 Uhr: Wie Merkel weiter mit dem türkischen Präsidenten Erdogan umgehen will, möchte ein Fragesteller wissen. Die Kanzlerin antwortet: „Wir haben unsere Türkei-Politik geändert“. Die EU werde im November über die Suspendierung oder den Abbruch der Beitrittsgespräche mit Ankara abstimmen.

Die Türkei habe sich weit davon wegentwickelt, was sie unter einem Rechtsstaat verstehe, betonte Merkel. Hier gehe es um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und die herrschende Partei AKP. Deutschland müsse da „mehr Flagge zeigen“.

Angesichts der massiven Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis warb Merkel eindringlich für den Zusammenhalt mit türkischstämmigen Bürgern in Deutschland. Ihnen müsse gesagt werden: „Ihr seid hier Zuhause. Wir schätzen Euch“, sagte die CDU-Vorsitzende. Gleichzeitig müsse aber allen klar sein: „Wir wollen nicht, dass Ihr Eure Konflikte hier austragt.“ 

20.55 Uhr: Ein Meeresbiologe kommt zu Wort und schildert, dass sich die Umweltbedingungen „schleichend“ verschlechtern.  Massentierhaltung oder Verschmutzung der Meere nennt er als Beispiele. Merkel antwortet, sie wolle die Landwirtschaft nicht an den Pranger stellen, aber Merkel betont, es müsse sich auch dort viel verbessern. Beim Kampf gegen die Vermüllung der Meere räumt Merkel ein, dass „der Fortschritt unzureichend“ ist.

20.45 Uhr:  Eine Frau mit Down-Syndrom kritisiert, dass viele Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben werden und dass auch Spätabbrüche möglich sind. 

„Viele Eltern haben wahrscheinlich Angst davor“, ein Kind mit Behinderungen aufzuziehen, sagt Merkel. Sie verweist darauf, dass die Union eine verpflichtende Beratung bei Spätabtreibungen eingeführt hat. „Es steckt so viel an Fähigkeiten und Möglichkeiten in jedem Menschen“ sagte Merkel, an die junge Frau gewandt. Deshalb sei es gut, dass sie sich so deutlich zu Wort melde. Was Merkel konkret in Zukunft tun will, sagte sie allerdings nicht.

20.36 Uhr: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, zitiert ein junger Pfleger und erzählt aus seiner Erfahrung in der Pflege. Die Situation für die Patienten sei allerdings ganz anders. Die Würde der Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werde „tausendfach verletzt“. Die Pfleger seien überlastet und für zu viele Patienten zuständig.

Die Antwort von Angela Merkel ist die „Neuausrichtung“ der Betreuungsschlüssel und Mindestpflegestandards, die gerade mit den Kassen verhandelt werden. 

20.30 Uhr: Eine Mutter fragt nach den Kita-Gebühren, die abhängig sind vom Einkommen. Merkel räumt ein, dass  das bundesdeutsche Kita-System ein „Fleckenteppich“ sei. Die Kanzlerin sagt aber auch, es gebe eine „Tendenz“, die Beiträge perspektivisch abzuschaffen. 

20.22 Uhr: Eine Frau fragt nach der Gefahr von Altersarmut. Merkel dazu: „Wir wollen das Renteneintrittsalter nicht erhöhen“. Und die Kanzlerin wirbt dafür, die Vorsorge selbst in die Hand zu nehmen: „Ich rate Ihnen dazu, eine zweite Säule aufzubauen.“

20.19 Uhr: Die erste Frage kommt von einem 18-jährigen Jungwähler aus Bayern. Er sagt, dass er Merkels Arbeit gut findet, aber mit dem Wahlprogramm der CSU nicht einverstanden ist, vor allem wegen der Obergrenze.  

Merkel bekräftigt, dass sie die Obergrenze nicht will. Wörtlich: „Meine Haltung zu der Obergrenze ist ja bekannt, dass ich sie nicht will. Ich möchte sie nicht. Garantiert. Ich halte sie auch nicht für praktikabel.“ 

Wählern Auge in Auge gegenüber getreten 

Der Bundestagswahlkampf plätschert dahin, sogar das TV-Duell war eine müde Nummer, die Umfrageergebnisse scheinen mehr als eindeutig. Kann Angela Merkel (CDU) vor der dritten Wiederwahl zur Bundeskanzlerin tatsächlich noch etwas dazwischenkommen?

Wenn, dann wohl nur der Wähler. Und genau dem wird die Kanzlerin am Montag Auge in Auge gegenübertreten. In der ARD-Sendung „Wahlarena“ stellt sich Merkel am Montagabend um 20.15 Uhr den Fragen der Bürger

„Wahlarena“ im Ticker: Merkels verletzlichster Moment?

Potenziell heikel für die deutsche Regierungschefin dabei: Die Sendung wird live übertragen. Kritische Nachfragen und peinliche Situationen scheinen damit sogar wahrscheinlicher als beim minutiös durchorganisierten Duell mit Schulz - die bislang letzte Ausgabe der „Wahlarena“ im Jahr 2013 nannte die Zeit damals „Merkels verletzlichsten Wahlkampf-Moment“.

Aufbauarbeiten: Hier soll sich Angela Merkel am Montagabend den Wählerfragen stellen

Nach Angaben des Senders werden diesmal 150 Wahlberechtigte bei der Übertragung aus Lübeck im Publikum sitzen. Sie spiegeln, so heißt es, einen Querschnitt durch die Wahlbevölkerung wieder. 75 Minuten lang soll Merkel Rede und Antwort stehen - dann sollte auch der letzte brenzlige Moment im Wahlkampf 2017 für die Bundeskanzlerin Geschichte sein.

Allerdings wird Herausforderer Martin Schulz in dem - nach amerikanischem Vorbild - auch „Townhall-Meeting“ genannten TV-Format ebenfalls noch zu seinem Recht kommen. Er soll in genau einer Woche, am 18. September, für die Livesendung nach Lübeck reisen.

Genau hinhören: Mit diesen rhetorischen Tricks gewann Angela Merkel das TV-Duell.

fn

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