Bundestagswahl 2017 

Spitzenpersonal abgestraft: Herbe Rückschläge für Merkel & Co.

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Lange Gesichter nach der Bundestagswahl: Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte in ihrem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern zwar ihr Direktmandat verteidigen., bekam aber wesentlich weniger Stimmen als vor vier Jahren. 

Bei der Erststimme, der Entscheidung um die Direktmandate für den Bundestag, musste das politische Spitzenpersonal von Berlin fast durchgehend herbe Schlappen einstecken - angeführt von der Kanzlerin.

Berlin - Alle Kabinettsmitglieder der noch amtierenden Bundesregierung haben sich bei der Bundestagswahl blaue Flecken geholt. Angeführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel mussten die Minister jeweils deutliche Verluste hinnehmen. 

Auch andere politische Spitzenkräfte wie von der AfD, den Grünen oder der Linken mussten im Kampf um ein  Direktmandat teilweise kräftig Federn lassen. 

Merkel verteidigt Direktmandat, bekommt aber deutlichen Dämpfer 

Zum achten Mal in Folge zieht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Direktkandidatin in den Bundestag ein, hat in ihrem Wahlkreis in Vorpommern aber erheblich an Zustimmung eingebüßt. Nur noch 44,0 Prozent der Wähler gaben der CDU-Bundesvorsitzenden am Sonntag ihre Erststimme. Bei der Wahl 2013 waren es noch 56,2 Prozent gewesen. Trotz der Verluste erzielte Merkel bei der Wahl in diesem Jahr das beste Erststimmenergebnis aller Direktkandidaten in Mecklenburg-Vorpommern. Im Wahlkreis 15 kam AfD-Kandidat Leif-Erik Holm mit 19,3 Prozent deutlich hinter Merkel auf Rang zwei.

Gabriel verteidigt sein Direktmandat

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sein Direktmandat im niedersächsischen Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel verteidigt. Der frühere SPD-Chef erreichte bei der Bundestagswahl am Sonntag 42,8 Prozent der Erststimmen. Er setzte sich damit klar gegen seinen Mitbewerber Uwe Lagosky (CDU) durch, der 29,1 Prozent der Stimmen erhielt.

Von der Leyen verpasst erneut Direktmandat

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat bei der Bundestagswahl erneut ein Direktmandat verpasst. Wie schon 2013 und 2009 kam die Spitzenkandidatin der niedersächsischen CDU am Sonntag im Wahlkreis Stadt Hannover II auf den zweiten Platz. Sie erreichte 28,9 Prozent der Erststimmen. Die frühere Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi, gewann mit 33,7 Prozent das Direktmandat. 2013 hatte von der Leyen mit 33,9 Prozent der Erststimmen im Duell mit Edelgard Bulmahn den kürzeren gezogen.

Schäuble erringt wieder Direktmandat

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist klar als Direktkandidat wieder in den Bundestag gewählt worden. In seinem Wahlkreis Offenburg kam er am Sonntag auf 48,1 Prozent der Erststimmen, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. Er lag damit klar vor seiner SPD-Herausforderin Elvira Drobinski-Weiß mit 17,3 Prozent.

Der 75-jährige Schäuble sitzt bereits seit 45 Jahren im Bundestag. Im neuen Parlament wird er damit Alterspräsident. Nach einer jüngst erfolgten Änderung der Geschäftsordnung geht dieses Amt nicht mehr an den ältesten Abgeordneten im Bundestag, sondern an denjenigen mit der längsten Parlamentszugehörigkeit. Damit sollte verhindert werden, dass ein AfD-Vertreter Alterspräsident wird.

Dobrindt verliert in seinem Wahlkreis fast zehn Prozentpunkte

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in seinem oberbayerischen Wahlkreis Weilheim zwar das Direktmandat gewonnen - aber deutlich an Zustimmung eingebüßt. Er verlor bei den Erststimmen 9,5 Prozentpunkte und landete nach dem vorläufigen Endergebnis vom Sonntagabend bei 47,9 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte er 57,4 Prozent erreicht. Bei den Zweitstimmen verloren die Christsozialen in dem Wahlkreis noch stärker an Zustimmung. Sie landeten bei 42,9 Prozent, ein Verlust von 9,9 Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2013. Die Christsozialen stürzten bayernweit am Sonntag auf für ihre Verhältnisse katastrophale 39,0 Prozent ab - nach 49,3 Prozent vor vier Jahren.

Lindner erzielt in seinem Wahlkreis gutes Ergebnis

FDP-Chef Christian Lindner hat bei der Bundestagswahl in seinem Wahlkreis ein noch besseres Ergebnis erzielt als seine Partei im Bund und im Land NRW. Im Rheinisch-Bergischer-Kreis kam Lindner als Direktkandidat am Sonntag auf 15,7 Prozent der Erststimmen. Bundesweit erreichte die FDP 10,6 Prozent, in NRW 13,1 Prozent. Den Wahlkreis gewonnen hat der CDU-Kandidat Hermann-Josef Tebroke mit 40,0 Prozent. Er wird damit Nachfolger des CDU-Innenpolitikers Wolfgang Bosbach, der nicht wieder kandidiert hatte. Lindner zieht als Nummer eins der NRW-Landesliste seiner Partei aber sicher in den Bundestag ein.

Arbeitsministerin Nahles verpasst Direktmandat 

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat den Einzug als Direktkandidatin in den neuen Bundestag in ihrem Wahlkreis in Rheinland-Pfalz klar verpasst. In Ahrweiler kam sie am Sonntag auf 27,4 Prozent der Erststimmen, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. Gewählt wurde die CDU-Kandidatin Mechthild Heil mit 42,8 Prozent. Nahles steht allerdings auf Platz eins der SPD-Landesliste in Rheinland-Pfalz.

Im Wahlkreis Ahrweiler kam die SPD bei den Zweitstimmen auf 22,7 Prozent, die CDU auf 40,6 Prozent. Die bisherige Arbeitsministerin Nahles als künftige Fraktionschefin der SPD im Bundestag im Gespräch.

Kanzleramtschef Altmaier verteidigt Direktmandat gegen Maas

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) hat das Duell gegen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) um das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis gewonnen. Altmaier kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf 38,0 Prozent der Stimmen, Maas auf 32,1 Prozent, teilte die Landeswahlleiterin am Sonntagabend mit. Damit hat Altmaier das Direktmandat verteidigt, das er bereits 2009 und 2013 für die CDU gewonnen hatte. Es war das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag. Maas wird als Spitzenkandidat seiner Partei über die Landesliste erstmals in den Bundestag einziehen.

Entwicklungsminister Müller: Stark verloren, Mandat gewonnen  

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat im Oberallgäu trotz starker Verluste erneut mit absoluter Mehrheit das Bundestags-Direktmandat gewonnen. Der 62-Jährige kam am Sonntag auf 50,4 Prozent der Erststimmen, etwas mehr als 10 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Ähnlich hoch sind die Verluste der CSU insgesamt. Müller äußerte sich kritisch über das Gesamtergebnis der Christsozialen. „Das ist eine saubere Klatsche“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk in Kempten.

Grünen-Chef Özdemir verfehlt Direktmandat knapp

Grünen-Bundeschef Cem Özdemir hat das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I knapp verfehlt. Özdemir kam auf 29,7 Prozent der Erststimmen, vor vier Jahren waren es 27,5 Prozent, wie die Stadt am Sonntagabend mitteilte. Das Direktmandat ging erneut an den CDU-Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann - obwohl er deutlich an Zustimmung verlor: Kaufmann erzielte 32,0 Prozent der Erststimmen, rund zehn Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren.

Claudia Roth baut Erststimmenergebnis aus

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat ihr Erststimmenergebnis im Vergleich zu 2013 ausgebaut. Die 62-Jährige, die auch bayerische Grünen-Spitzenkandidatin war, kam am Sonntag in ihrem Augsburger Wahlkreis auf 13,9 Prozent. Dies waren 2,9 Prozentpunkte mehr als bei der Bundestagswahl 2013. Das Direktmandat errang mit 34,8 Prozent erneut CSU-Mann Volker Ullrich.

CSU-Direktmandat für Andreas Scheuer - Deutlicher Verlust

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat in seinem niederbayerischen Wahlkreis Passau erneut ein Direktmandat für den Einzug in den Bundestag geholt. Der 42-Jährige gewann 47,5 Prozent der Stimmen, das sind aber 12,3 Prozentpunkte weniger als 2013. Noch größer ist der Verlust bei der Zweitstimme: Im Wahlkreis Passau kam die CSU auf 40,5 Prozent der Stimmen, das sind 13,4 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl vor vier Jahren. Scheuer ist sei 2002 Mitglied im Bundestag, seit 2013 ist er Generalsekretär der CSU.

SPD-Fraktionschef Oppermann gewinnt Direktmandat

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann, hat erneut das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen gewonnen. Er setzte sich am Sonntag mit 34,9 Prozent der Erststimmen knapp gegen den CDU-Bewerber Fritz Güntzler durch. Vor vier Jahren hatte Oppermann noch 40,4 Prozent der Erststimmen geholt.

Göring-Eckardt ohne Chancen auf Direktmandat

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt hat im Rennen um das Direktmandat in ihrem Thüringer Wahlkreis keine Chancen gehabt. Die 51-Jährige landete im umkämpften Wahlkreis 193 (Erfurt/Weimar/Weimarer Land II) mit 7,1 Prozent der Erststimmen nur auf Platz fünf der Kandidaten, wie aus Zahlen des Landeswahlleiters hervorgeht. Das Direktmandat verteidigte mit großem Vorsprung Antje Tillmann (CDU). Sie erhielt 27,3 Prozent.

Gysi gewinnt erneut Direktmandat in Berlin

Der frühere Linke-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi hat erneut seinen Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick direkt gewonnen. Er erhielt am Sonntag 39,9 Prozent der Stimmen, wie die Landeswahlleiterin mitteilte. Der CDU-Kandidat Niels Korte kam auf 19,0 Prozent. Gysi hatte den Wahlkreis bereits 2005, 2009 und 2013 direkt geholt.

Wagenknecht verpasst erneut Direktmandat

Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht hat ein Direktmandat im Bundestag erneut verpasst. In ihrem Düsseldorfer Wahlkreis (Düsseldorf II) erreichte die 48-Jährige am Sonntag 13,0 Prozent der Stimmen. Das ist ein besseres Ergebnis als bei der Wahl vor vier Jahren. Damals hatte Wagenknecht 9,1 Prozent der Stimmen erreicht. Da sie auf Platz eins der NRW-Landesliste der Linken steht, hat sie aber den Wiedereinzug in den Bundestag geschafft.

Gauland unterliegt im Kampf um Direktmandat 

Trotz des Erfolgs der AfD bei der Bundestagswahl hat deren Spitzenkandidat Alexander Gauland den Kampf um das Direktmandat im Brandenburger Wahlkreis 63 (Frankfurt (Oder) - Oder-Spree) verloren. Der 76-Jährige lag mit 21,9 Prozent der Erststimmen klar hinter dem CDU-Bewerber Martin Patzelt, der mit 27,1 Prozent das Direktmandat errang, wie der Landeswahlleiter am Sonntag nach Auszählung aller Wahlbezirke mitteilte.

AfD-Spitzenkandidatin Weidel mit 10,4 Prozent am Bodensee

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel hat in ihrem Wahlkreis am Bodensee 10,4 Prozent der Erststimmen erzielt. Das ist etwa der gleiche Wert, den die AfD auch an Zweitstimmen bekam. Das Direktmandat am Bodensee ging zum dritten Mal in Folge an den CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen, der auf 41,1 Prozent der Erststimmen kam. Weidel wird aber als Spitzenkandidatin im Land und im Bund trotzdem im Bundestag Mitglied werden.

dpa/AFP/js

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