Fünf Festnahmen in Italien

Berlin-Terrorist Anis Amri: Mutmaßliche Dokumentenfälscher gefasst

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Der Anschlag von Berlin Ende 2016.

Lange ist ermittelt worden, wie das Netzwerk der Berliner Attentäter Anis Amri in Italien aussah. Nun gehen der Polizei in der Gegend um Rom mehrere seiner mutmaßlichen Komplizen ins Netz. Es ist eine weitere Anti-Terror-Aktion, die den Italienern derzeit Angst macht.

Rom - Mehrere mutmaßliche Komplizen des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri sind in Italien festgenommen worden. Die Polizei in Rom und der nahegelegenen Stadt Latina fasste fünf Verdächtige, wie die Ermittler am Donnerstag mitteilten. Bei der groß angelegten Anti-Terror-Razzia habe es darüber hinaus auch in Viterbo, Matera, Neapel und Caserta Aktionen gegeben.

Es soll sich um ein Terrornetz gehandelt haben, zu dem Amri Kontakte hatte. Einer der Festgenommenen soll Amri Dokumente verschafft haben, um nach Deutschland auszureisen. Den Verdächtigen, die alle aus Tunesien stammen sollen, werden unter anderem Aktivitäten zum internationalen Terrorismus, Begünstigung von illegaler Einwanderung und Dokumentenfälschung vorgeworfen, wie italienische Nachrichtenagenturen berichteten.

Amri bekam gefälschte Dokumente wohl über tunesisches Netzwerk

Vier Tunesier bildeten den Ermittlern zufolge ein Netzwerk. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Amri sich bei ihnen gefälschte Dokumente für seinen Aufenthalt in Deutschland beschafft habe, sagte der Chef der Polizeieinheit Digos in Rom, Giampietro Lionetti, bei einer Pressekonferenz. Ihnen wird Begünstigung von illegaler Einwanderung und Dokumentenfälschung vorgeworfen.

Bei dem fünften handelt es sich um den einzigen Terrorverdächtigen. Der Mann, der sich als Palästinenser ausgibt, aber den Ermittlern zufolge ebenfalls Tunesier sein könnte, soll Anschläge geplant und dazu aufgerufen haben, Ungläubigen „die Kehle und die Genitalien abzuschneiden“. „Sehr intensiv“ und nahezu zwanghaft habe er im Internet nach allen möglichen Informationen über Waffen gesucht und wie diese beschafft werden könnten, sagte Ermittler Luca Montella. Der 37-Jährige habe indirekt Kontakt zu Amri gehalten. Er saß bereits wegen Drogendelikten im Gefängnis.

Drei weitere Tunesier, denen die Ermittler direkten Kontakt zu Amri nachgewiesen haben, wurden bereits im Januar und März 2017 wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgewiesen. Weder sie noch die fünf Verdächtigen hätten Amri aber direkt dabei geholfen, den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zu verüben, sagte Ermittler Walter Dian. „Es gibt keinen Hinweis, der uns - auch nicht im geringsten - zu solch einem Schluss kommen lässt.“

Amri wurde auf der Flucht in Mailand erschossen

Amri hatte am 19. Dezember 2016 mit dem Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt zwölf Menschen getötet. Er wurde kurz darauf vor Heiligabend auf der Flucht bei Mailand erschossen. Der gebürtige Tunesier war einst mit einem Flüchtlingsboot in Italien angekommen und saß dort längere Zeit in einem Gefängnis, wo er sich auch radikalisiert haben soll. Seit langem wird in Italien ermittelt, welche Kontakte er dort hatte.

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In den vergangenen Tagen gab es in Italien mehrere Anti-Terror-Aktionen. Das Innenministerium erhöhte daraufhin noch einmal die Sicherheitsvorkehrungen.

Über Ostern werden Sicherheitsvorkehrungen erhöht

Am Mittwoch wurde ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Turin gefasst. Der Mann mit marokkanischen Wurzeln soll sich unter anderem informiert haben, wie man mit einem Lastwagen einen Anschlag verüben könnte. Gegen 13 andere Verdächtige wird ermittelt.

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Zuvor wurde ein Haftbefehl gegen ein anderes mutmaßliches IS-Mitglied vollstreckt, das Kinder zu Selbstmordattentaten aufgerufen haben soll. Der Verdächtige war Leiter eines islamischen Kulturzentrums in Foggia in Apulien.

Über Ostern gelten vor allem in Rom noch stärkere Sicherheitsmaßnahmen. Besonders die Gegend um den Petersplatz und das Kolosseum wird noch strenger als sowieso schon überwacht. Dort finden die Osterfeierlichkeiten mit Papst Franziskus statt.

dpa

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