Filmreifer Coup

Spektakulärer Goldmünzen-Raub in Berlin: Von Beute fehlt noch immer jede Spur - Nun ist das Urteil gefallen 

Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf" wurde aus dem Bode-Museum in Berlin geklaut. Allein der Goldwert beträgt 3,75 Millionen Euro.
+
Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf" wurde aus dem Bode-Museum in Berlin geklaut. Allein der Goldwert beträgt 3,75 Millionen Euro.

Der Diebstahl einer 100-Kilo-Goldmünze aus einem Museum in Berlin sorgte vor zwei Jahren für Schlagzeilen. Nun wurden drei Männer verurteilt. 

Update vom 20. Februar 2020, 10.21 Uhr:

Knapp drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum hat das Berliner Landgericht drei junge Männer zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Der vierte Angeklagte wurde freigesprochen.

Zwei Männer im Alter von 23 und 21 Jahren, die zu einem bekannten arabischstämmigen Clan gehören, wurden wegen Diebstahls zu einer Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein 21-jähriger Wachmann aus dem Museum erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Die riesige Münze „Big Maple Leaf“ mit einem Wert von 3,75 Millionen Euro war in der Nacht zum 27. März 2017 aus einer Vitrine gestohlen und mit einer Schubkarre und einem Rollbrett abtransportiert worden. Die Diebe waren durch ein Fenster eingestiegen.

Die Beute ist bis heute verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass die Goldplatte zerstückelt und verkauft wurde. Es waren Goldpartikel in einem Auto und an Kleidung festgestellt worden.

Update vom 20. Februar 2020, 10.04 Uhr: Im Prozess um den spektakulären Diebstahl einer hundert Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sind drei der vier Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Gegen einen der Männer verhängte das Berliner Landgericht am Donnerstag drei Jahre und vier Monate Haft, gegen zwei andere jeweils vier Jahre und sechs Monate. Der vierte Angeklagte wurde freigesprochen.

Spektakulärer Goldmünzen-Raub in Berlin: Täter vor Gericht

Ursprungsartikel vom 8. Januar 2019: Berlin - Fast zwei Jahre nachdem sie mit dem Diebstahl einer hundert Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum weltweit für Schlagzeilen sorgten, kommen die mutmaßlichen Täter vor Gericht. Wissam R., Ahmed R. und Wayci R. sowie Denis W. müssen sich ab Donnerstag vor dem Landgericht Berlin wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in einem besonders schweren Fall verantworten. Der Verbleib des Golds ist ungeklärt.

Da alle Angeklagten erst Anfang 20 sind, sind sie als Heranwachsende vor einer Jugendkammer angeklagt. Es wird mit einem großen Medienandrang gerechnet, weil der Diebstahl nicht nur spektakulär war, sondern auch exemplarisch für Berlins Problem mit sogenannter Clankriminalität steht. Der 20-jährige Ahmed, sein 24-jähriger Bruder Wayci und ihr Cousin Wissam gehören einer Großfamilie an, deren Mitglieder wiederholt durch Straftaten auffielen.

Video: Prozess um spektakulären Diebstahl von Goldmünze

Auch wenn der Fall gemeinhin als Münzraub bezeichnet wird, handelt es sich juristisch um einen Diebstahl. Diesen soll Denis W. erst ermöglicht haben, indem er als Wachmann im Bode-Museum die R.s mit Informationen über Zugänge und Sicherheitsmaßnahmen versorgte. Ausgestattet mit diesem Wissen war der Diebstahl der Münze, deren Verkaufswert die Staatsanwaltschaft mit 3,75 Millionen Euro beziffert, überraschend simpel.

Goldmünzen-Raub in Berlin: So lief der Coup ab

In der Nacht zum Montag, dem 27. März 2017, gingen die Diebe über die Hochbahntrasse der Berliner S-Bahn, die zwischen den Bahnhöfen Hackescher Markt und Friedrichstraße nur wenige Meter am berühmten Bode-Museum vorbeiführt. Eine mitgebrachte Leiter diente den Einbrechern als Brücke von der Hochbahntrasse zum historischen Nachbargebäude, wo sie über ein Fenster einstiegen.

Wie klauten die Diebe die 100-Kilo-Goldmünze?

Sie zertrümmerten eine Glasvitrine und wuchteten die in Kanada geprägte Sondermünze namens "Big Maple Leaf" mit einem Durchmesser von 53 Zentimetern auf ein Rollbrett. Anschließend ging es mit Hilfe einer Schubkarre über die S-Bahntrasse zurück in Richtung Hackescher Markt. Auf der der anderen Seite des Spreeufers ließen die Männer ihr schweres Diebesgut auf den Boden des Monbijouparks fallen.

Auf der Grünfläche gegenüber der Museumsinsel verliert sich die Spur des Golds. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Diebe die Münze in Einzelteile zertrümmerten und verkauften. Ein Wiederfinden sei daher unwahrscheinlich. Allerdings fanden Ermittler Medienberichten zufolge Goldspuren gleichen Reinheitsgrads an Tatwerkzeugen und Kleidungsstücken, die vier Monate später bei den Angeklagten gefunden wurden.

Tatort: Bode Museum in Berlin.

Den Männern drohen nun mehrjährige Haftstrafen. Noch aber sind sie auf freiem Fuß: Wie die Berliner Zeitung "B.Z." berichtete, bewahrten teure Anwälte die offiziell arbeitslos gemeldeten Angeklagten vor einem Verbleib in der Untersuchungshaft.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare