ARD-Talk „Hart aber Fair“

Glyphosat-Minister sorgt für Zoff-Sendung bei Plasberg - “Die Nervschwelle ist erreicht“

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Bekannt geworden durch seinen Alleingang in Brüssel: Agrarminister Christian Schmidt (CSU).

Ein angezählter Landwirtschaftsminister und ein Grüner, dem das deutsche Agrarsystem nicht schmeckt. „Hart aber Fair“ kann mit einem Randthema punkten, das viel Zoff garantiert - auch um den Glyphosat-Alleingang von Minister Schmidt.

Die erste Überraschung für den „Hart aber Fair“-Zuschauer dürfte schon das Thema gewesen sein. Moderator Frank Plasberg erklärte deshalb auch gleich: „GroKo, Seehofer - das Politikgesumse soll heute mal Pause haben, damit wir woanders hinhören können.“ Plasbergs Arbeitstitel war diesmal also: „Der stille Tod der Bienen - wer vergiftet unsere Natur?“

Spannend machte die Sendung natürlich vor allem der arg in der Kritik stehende Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Der hatte zuletzt entgegen der Haltung der Bundesregierung bei der EU für das Glyphosat gestimmt. Dazu Glyphosat-Gegner Harald Ebner von den Grünen. Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband, sowie Onlineredakteurin und Bienenbesitzerin Agnes Flügel.

„Hart aber Fair“: Plasberg stellt Bauern-Funktionär kalt

Allen ist klar: Die Bestäubung der Bienen ist überlebensnotwendig für unsere Kultur. Schmidt etwa sagt: „Die Bienen sind unsere wichtigsten Nutztiere nach Rind und Schwein. Sie brauchen blühende Landschaften.“ Nur wie? Denn in der modernen Landwirtschaft geht ohne Chemie fast nichts mehr. Sterben bei uns wirklich die Insekten durch Agrar-Gifte und Monokulturen?

Funktionär Krüsken möchte gleich zu Beginn klar machen, dass die Landwirtschaft nicht alleine am Bienen- und Insektensterben Schuld ist und weicht einer Frage immer wieder aus. Plasberg macht ihm früh klar: „Als Funktionär haben Sie immer die böse Karte. Ich möchte nicht, dass Sie die heute Abend haben, aber sie erarbeiten Sie sich gerade.“

Wenn sich die Diskussion nicht im Detail verlor, war sie durchaus spannend. Journalist Yogeshwar nannte Zahlen, die zum Nachdenken anregen: „Hummeln und Falterarten haben sich halbiert. Das ist ein Alarmsignal.“ Seit 1989 sei die Masse der Fluginsekten in Deutschland um 75 Prozent zurückgegangen.

„Hart aber Fair“: „Die Biologische Tinder-App ist kaputt“

Ebner, der immer wieder mit Fachausdrücken auffällt und das deutsche Agrarsystem ändern will, veranschaulicht schön: "Die jahrmillionen alte, biologische Tinder-App ist kaputt. Die Partnersuche funktioniert dann nicht."

Einen Grund dafür liefert Yogeshwar. Selbst wenn das Gift Bienen nicht direkt tötet: "Es verändert zum Beispiel die Orientierungsfähigkeit", erklärt er.

Neonicotinoide sollen die großen Schädlinge sein. Frankreich hat sie ab 2020 komplett verboten. In Deutschland und dem Rest der EU nicht. Schmidt rechtfertigt sich: „Ich habe die schädlichen Neonicotinoide bereits vor zwei Jahren verboten. Wenn sich herausstellt, dass alle anderen auch schädlich sind, dann müssen sie komplett verboten werden.“

„Hart aber Fair“: Glyphosat-Zoff zwischen CSU-Minister und Grünem Ebner

Und dann kommt es doch noch zum Zoff um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat: 

Schmidt legt vor: „Wir müssen den Einsatz von Glyphosat reduzieren. Wir haben das in den letzten Jahren auch getan, um 30 Prozent in Deutschland.“ 

Ebner: „Wir sind immer noch bei 5000 Tonnen.“ 

Schmidt: „Bei 4000!“ Dann verteidigt er seinen Alleingang: „Meine Entscheidung war übrigens sehr richtig, weil ich damit erreicht habe, dass die EU-Kommission nicht einen Blankoscheck erhalten hat. Wir müssen die Artenvielfalt in den Mittelpunkt stellen. Das ist jetzt gelungen.“

Ebner wettert: „Das ist nicht gelungen, Herr Schmidt! Den Blankoscheck hat die Kommission jetzt trotzdem!“ 

Schmidt: „Den hat sie nicht!“

Es geht hin und her. Plasberg macht das einzig richtige. Er beendet die Diskussion und sagt: „Die Nervschwelle ist jetzt erreicht.“

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