Anschläge auf Soldaten "militärisch geplant"

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Den Angehörigen des getöteten Soldaten sprach Außenminister Frank-Walter Steinmeier sein Beileid aus.

Masar-i-Scharif - Die tödlichen Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier scharf verurteilt. Den Angehörigen des getöteten Soldaten sprach er sein Beileid aus.

In einer Ansprache vor den Bundeswehrangehörigen im Feldlager Masar-i-Scharif im Norden des Landes sagte Steinmeier: “Der Auftrag bleibt.“ Verteidigungsminister Franz Josef Jung sprach von einem “feigen, hinterhältigen Anschlag“.

Bei zwei Anschlägen am Vortag nahe Kundus war ein Soldat getötet worden, neun weiter wurden leicht verletzt. Steinmeier besuchte in Masar-i-Scharif sieben der Verletzten, die im Feldkrankenhaus behandelt werden.

Er sei sicher, dass die Anschläge im Widerspruch zu den Interessen des afghanischen Volkes stünden, sagte Steinmeier. "Deshalb müssen wir die afghanische Armee und die afghanische Polizei noch rascher ausbilden.“ Deutschland werde sich von seinem Engagement, von dem Wiederaufbau Afghanistans und der Bekämpfung des Terrorismus nicht abbringen lassen. “Nie wieder darf Afghanistan der Hort für weltweit agierenden Terrorismus werden.“

Jung kondoliert Angehörigen

Auch Jung sprach den Angehörigen des gefallenen Soldaten seine Anteilnahme aus. Der CDU-Politiker betonte, dass die Bundeswehr ihren Auftrag in Afghanistan, den Kampf gegen den Terrorismus, weiter erfüllen werde. “Das sind wir unseren gefallenen und verwundeten Soldaten schuldig.“ Der Einsatz im Hindukusch sei mit Gefahren für Leib und Leben verbunden.

Die insgesamt neun Soldaten sind nach Auskunft von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan alle nur leicht verwundet worden. Es handele sich zumeist um Brandverletzungen und Schock. Den Anschlag aus dem Hinterhalt, bei dem der Hauptgefreite ums Leben kam, nannte Schneiderhan eine “fast militärisch geplante Aktion“. Daher könne er sich nicht vorstellen, dass er in Zusammenhang mit dem unangekündigten Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Kabul am Mittwoch gestanden habe.

Die Patrouille war nahe dem deutschen Lager in Kundus in einen Hinterhalt geraten. Nachdem sich die Patrouille durch einen ersten Angriff mit Panzerfäusten durchgeschlagen hatte, wartete laut Schneiderhan fünf Kilometer weiter ein zweiter Hinterhalt auf sie. Es habe ein “massives Feuergefecht“ gegeben, bei dem der Hauptgefreite fiel und vier Soldaten verletzt wurden. Schneiderhan ging davon aus, dass “auch die andere Seite Verluste erlitten“ habe.

Offenbar mit militärischem Plan

Dieser Anschlag aus dem Hinterhalt sei “etwas anderes als der fast zur Routine gewordene, ständige Raketenbeschuss“ des Lagers in Kundus, meinte Schneiderhan. Er sei auch nicht mit der Taktik des Zuschlagens und Wegrennens zu vergleichen.

Da der Überfall in zwei Phasen stattgefunden habe, könne man zum ersten Mal sagen: “Da steckt ein militärischer Plan dahinter.“ Man werde prüfen, ob es sich um eine dauerhafte Qualitätsveränderung handele.

 Insgesamt sei Kundus “eine Problem-Zone“ geworden. Insgesamt kamen bei dem Einsatz am Hindukusch seit 2002 bisher 32 deutsche Soldaten ums Leben. Derzeit sind mehr als 3800 Bundeswehrangehörige in Afghanistan stationiert.

AP

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