Philipp K. vor Gericht

Prozess um Münchner Amoklauf: Die bizarre Welt Waffenhändlers

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Der Angeklagte Philipp K. (M) steht in München (Bayern) zusammen mit seinen Anwälten David Mühlberger (l) und Sascha Marks im Landgericht im Verhandlungssaal.

Am Montag hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Verkäufer der Tatwaffe für den Münchner Amoklauf begonnen. Ein Blick auf das Leben von Philipp K. macht seine bizarre Welt deutlich.

Philipp K. lässt über seine Verteidiger ein Geständnis verlesen, ansonsten schweigt er. Ja, er habe wie angeklagt die Waffe für den Münchner Amoklauf verkauft, aber nein, die Folgen des Verkaufs habe er nicht erahnt: So lässt sich das knappe Geständnis zusammenfassen, in dem auch eine dürre Beileidsbekundung für die Angehörigen der neun vom Amokschützen David S. vor einem Jahr ermordeten Menschen vorkommt. 

Über den Prozess berichtet tz.de* live aus dem Gerichtssaal.

Die Tat versetzte München im Juli vergangenen Jahres in einen Ausnahmezustand, über Stunden galt Terroralarm. Wegen des Suizids des Amoktäters ist das Verfahren gegen K. die einzige juristische Aufarbeitung der Tat - viele Angehörige schlossen sich als Nebenkläger dem Verfahren an. 

K.s Verteidiger geben an, wegen einer angeblichen Vorverurteilung in den Medien werde ihr 32 Jahre alter Mandant vorerst schweigen. Allerdings drängt sich eher der Verdacht auf, dass der laut Staatsanwaltschaft spätestens seit dem Jahr 2014 als Waffenhändler unter dem Pseudonym "Rico" im Darknet - also dem verborgenen Teil des Internets - auftretende Angeklagte nicht zu viel von seinen Tätigkeiten im Verborgenen preisgeben will. 

Denn dem schweigenden Angeklagten hält der Vorsitzende Richter Frank Zimmer im Landgericht München I einige Datenfunde vor, die auf eine äußerst bizarre rechtsextreme Gedankenwelt hindeuten. Auf Datenträgern fanden die Ermittler etliche Nazisymbole. Außerdem soll der in Untersuchungshaft sitzende K. bei seiner Festnahme vor einem Jahr zu Polizisten gesagt haben, dass er sich mit Waffen auf eine mögliche Rache der Hinterbliebenen vorbereiten wolle: "Dann muss ich mir wohl wieder was besorgen, damit ich mich schützen kann." 

Er habe auch den Führergruß gezeigt und hatte - völlig rätselhaft - Fotos im Zusammenhang mit dem Attentat von Nizza bei sich auf dem Handy. Unter anderem war drunter ein Bild des Personalausweises von dem Mann, der im Juli vergangenen Jahres 86 Menschen mit einem Lastwagen getötet hatte. K. ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, dazu kommen wegen weiterer Waffengeschäfte Verstöße gegen das Waffengesetz. Sollte er verurteilt werden, droht ihm eine lange Haftstrafe. Allerdings geht manchen Nebenklägern die Anklage nicht weit genug - sie werfen S. vor, von den Amokplänen gewusst zu haben. 

In dem bis zum 19. September geplanten Verfahren dürfte die mögliche Mitwisserschaft nach dem Geständnis eine zentrale Rolle spielen. In dem Geständnis bestreitet S. allerdings, von Amokplänen gewusst zu haben. 

Er habe sich mit allen Käufern seiner Waffen nach der Geschäftsanbahnung im Darknet immer real getroffen - laut Anklage regelmäßig in einem Park in Marburg. Dabei habe er sich einen Eindruck über die Käufer verschaffen wollen. "Man kann sagen, ich habe diese Leute kennenlernen wollen", erklärte der Angeklagte. 

Was nach einem verantwortungsbewussten Waffenhändler klingen soll, ist allerdings allein schon durch die Auswahl der Kundschaft zweifelhaft. So findet sich neben dem erst 18 Jahre alten psychisch kranken Amokläufer David S. auch ein 17-jähriger Käufer darunter, der erst heranwachsend und Schüler war. 

In einem vom Richter verlesenen Brief an seine Mutter zeigt der nach einem Scheingeschäft von verdeckten Ermittlern festgenommene K. eine gewisse Einsicht. "Mittlerweile denke ich, dass ich ganz froh über die Festnahme sein kann, denn wo hätte das sonst hingeführt mit mir", schrieb er - für die neun Amokopfer von München eine Einsicht, die viel zu spät kommt.

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afp

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