Wirrwarr geht weiter

WhatsApp: Heimlich Einstellungen für Gruppen geändert? Gerüchte verwirren Nutzer

Seit Monaten sorgen die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp für Unmut. Mittlerweile sind auch viele Gerüchte um angebliche Änderungen im Umlauf.

Deutschland – Mit seinen neuen AGB hat der ehemals so beliebte Messenger WhatsApp sich keinen Gefallen getan. Seit Monaten reißen die Meldungen um Datenschutzbedenken und Konsequenzen für AGB-Verweigerer* nicht ab. Aktuell sind daneben zahlreiche Gerüchte im Umlauf, berichtet RUHR24*. So soll WhatsApp bereits die erste Funktion abgeschaltet haben. Auch ein Kettenbrief sorgt für Aufsehen, der Nutzer warnt, dass der Messenger heimlich eine wichtige Änderung vorgenommen habe.

Instant-Messaging-DienstWhatsApp
EntwicklerWhatsApp Inc/ Facebook Inc
Gründungsjahr2009

WhatsApp – Meldungen um Sperrung der ersten Funktion verunsichern Nutzer

Für Verweigerer der neuen Nutzungsbedingungen soll WhatsApp bereits die erste Funktion gesperrt haben: Diese Meldung verärgert derzeit zahlreiche Nutzer des Messengers. Der Hintergrund: Eigentlich hatte der Dienst angekündigt, die Deadline für die Zustimmung zu den AGB sei der 15. Mai. Diese Frist wurde allerdings nochmal nach hinten geschoben.

Für alle, die nicht zugestimmt haben, soll jetzt aber dennoch eine erste Funktion eingeschränkt sein, darüber berichtet beispielsweise Computerbild. Konkret geht es um die Backup-Funktion. Wer als Android-Nutzer den neuen Nutzungsbedingungen nicht zugestimmt habe, habe am 16. Mai 2021 keine Backups mehr in Google Drive hochladen können.

WhatsApp-Funktion: Backup funktioniert nicht mehr – das soll dahinter stecken

So weit, so ärgerlich. Aber scheinbar ist die Sache gar nicht so klar, wie dargestellt. Denn Giga.de ist den Meldungen nachgegangen und hat Folgendes festgestellt: Teilweise können Android-Nutzer die Backup-Funktion sehr wohl noch nutzen, teilweise nicht. In letzterem Falle sei allerdings nicht die fehlende Zustimmung zu den AGB der Grund.

Vielmehr habe der betroffene User der Backup-Möglichkeit selbst gar nicht zugestimmt. Es gehe demnach nicht um die fehlende Zustimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen, sondern um die fehlende Berechtigung in der App ein Backup zu machen.

Dass die Funktion nicht aufgrund der neuen Nutzungsbedingungen gesperrt sei, sei auch alleine deshalb unwahrscheinlich, weil diese in dem entsprechenden Hinweis nicht erwähnt würde und WhatsApp niemals angekündigt habe, dies zu tun.

Funktion abgeschaltet? WhatsApp bestreitet Vorwurf

Scheinbar hat Giga.de mit seiner Einschätzung recht. Denn gegenüber Inside Digital hat WhatsApp am Donnerstagmorgen (20. Mai) Stellung bezogen. Demnach sei an den aktuellen Anschuldigungen nichts dran.

Die Behauptung, die Funktion wäre abgeschaltet worden, sei unwahr. Alle Nutzer von WhatsApp „können ihre Konten wie gewohnt auf Google Drive und iCloud sichern, wenn sie dies wünschen“, habe ein WhatsApp-Sprecher dem Digital-Magazin gesagt.

WhatsApp: Heimliches Update – Kettenbrief sorgt für Aufregung

Noch eindeutiger ist die Sachlage im Falle eines WhatsApp-Kettenbriefes, der derzeit von Nutzer zu Nutzer geteilt wird – und der auch in den sozialen Medien für ordentlichen Zündstoff sorgt.

Darin heißt es unter anderem: „WhatsApp hat letzte Nacht seine Einstellung upgedated, ohne die Nutzer zu informieren! Es hat seine Grundeinstellungen verändert und dich zu „jeder“ hinzugefügt. Das bedeutet, dass jeder WhatsApp Nutzer – auch wenn du ihn nicht kennst – dich ohne dein Wissen und ohne deine Zustimmung zu jeder beliebigen Gruppe hinzufügen kann ...“

Weiter folgt in der Message eine Anweisung, wie man die Datenschutzeinstellungen unter „Gruppen“ von „Jeder“ auf „Meine Kontakte“ ändert. Zahlreiche besorgte Nutzer, die diese Einstellung im Zuge der Meldungen überprüft haben, waren erst einmal geschockt. Denn tatsächlich steht an entsprechender Stelle bei vielen „Jeder“.

WhatsApp-Änderung: vermeintlich heimliches Update ist eine Standardeinstellung

Hinter dem vermeintlichen geheimen Update steckt aber etwas ganz anderes: Denn diese Einstellung ist bereits seit 2019 eine Standardeinstellung des Dienstes, wie der Spiegel und Techbook berichten. Demnach wurde keine „heimliche Änderung“ vorgenommen.

Vielmehr waren die Datenschutzoptionen unter Gruppen zuvor die gleichen – Nutzer haben standardmäßig „Jeder“ voreingestellt. Dieses muss man bereits seit 2019 manuell ändern, um zu verhindern, dass man zu irgendwelchen Gruppen eingeladen wird.

WhatsApp-Einstellungen zum Datenschutz – „Jeder“ ist standardmäßig voreingestellt.

WhatsApp: „Jeder“ kann Nutzer zu Gruppen hinzufügen – die Einstellung ist nicht neu

So betont der Spiegel, diejenigen, die zuvor nur „Meine Kontakte“ ausgewählt hätten, hätten diese Einstellung auch weiterhin. Und jeder, der die Nachricht weiterleite, trüge „aktiv zu Falschinformationen bei“.

Allerdings: t3n berichtet auch von Usern, die angeben, dass sie zuvor „Meine Kontakte“ ausgewählt hätten – was sich nun geändert habe. Das Digital-Magazin sieht darin aber ebenfalls keine „heimliche Änderung“.

Vielmehr könne es durch ein App-Update passiert sein, dass die WhatsApp-Einstellungen auf die normale Standardeinstellung zurückgesetzt wurden. So oder so – neu oder geheim ist die Standardeinstellung „jeder“ unter Gruppen in keinem Fall.

WhatsApp – Kettenbrief mit Warnung ist „Panikmache“

Nichtsdestotrotz ist es natürlich sinnvoll, die Gruppen-Einladungen auf „meine Kontakte“ zu begrenzen. So sensibilisiert der Kettenbrief Nutzer immerhin dazu, ihren Datenschutz zu überprüfen.

Primär hat die durch die sozialen Medien geisternde Nachricht aber wohl den Zweck, unter den durch die AGB ohnehin schon verunsicherte WhatsApp-Nutzern weiter Misstrauen zu schüren. Der Fall zeigt, wie verwirrend das ganze Thema „WhatsApp-Nutzungsbedingungen“ mittlerweile ist. Standards werden plötzlich als „heimliches Update“ bezeichnet – und das kommt bei vielen sogar an.

Neue Nutzungsbedingungen heizen Gerüchteküche an – das sagt WhatsApp

Mit seinen verwirrenden Ankündigungen rund um die neuen Nutzungsbedingungen hat WhatsApp allerdings auch seinen Teil dazu beigetragen, dass die Gerüchteküche derzeit derart brodelt. Die Folge: Immer mehr Nutzer wechseln zu Alternativen wie Signal oder Telegram*, wie Merkur.de berichtet.

Hätte WhatsApp wirklich bereits eine Funktion gesperrt, wäre das tatsächlich ein Unding gewesen. Denn auf der Webseite des Messengers heißt es: „Es werden aufgrund der Aktualisierung am 15. Mai weder Accounts gelöscht, noch die Funktionalität von WhatsApp eingeschränkt“.

Stattdessen gibt der Dienst in seinen FAQ aktuell folgende Konsequenzen für Nutzer an, die nicht zugestimmt haben:

  • Wer bis zum 15. Mai nicht zugestimmt hat, verliert zunächst keine Funktionen.
  • „Einige Wochen“ lang erinnert weiterhin eine Anzeige an die Zustimmung zu den AGB.
  • Erst dann erscheint eine permanente Erinnerung.
  • Achtung: Sobald man diese erhält, werden die WhatsApp-Funktionen eingeschränkt.
  • Nach nochmals „einigen Wochen“ stellt WhatsApp dann auch keine Anrufe und Nachrichten mehr zu.

WhatsApp gibt dabei offiziell an, das Einschränken der Funktionalität passiere „nicht bei allen Nutzern gleichzeitig.“ Auch die Zeitangabe „einige Wochen“ lässt Spielraum für weitere Spekulationen. Es ist daher zu erwarten, dass uns die Meldungen rund um den Messaging-Dienst noch eine Weile begleiten werden. *RUHR24 und Merkur.de sind Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Yui Mok/dpa, RUHR24; Collage: RUHR24

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