Propaganda-Werke im Buchhandel

Große Buchkette macht gemeinsame Sache mit China – und erntet nun heftige Kritik

Zwei Personen mit Mundschutz stehen in einer Buchhandlung und schauen sich Bücher an.
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In drei Buchhandlungen einer Kette wird Propaganda-Literatur ausgestellt.

In mehreren Filialen stellt eine große deutsche Buchhandelskette chinesische Propaganda-Bücher prominent aus. Die einseitige Präsentation verärgert Kunden und Politiker.

  • Die Buchhandelskette Thalia präsentiert in drei ihrer Filialen Bücher chinesischer Staatsverlage.
  • Thalia lässt sich für die prominent ausgestellten Regale bezahlen – eine kritische Einordnung erfolgt nicht.
  • Eine Kundin und Politiker kritisieren die Zurschaustellung chinesischer Propaganda.

Berlin – Thalia ist die größte Buchhandelskette in Deutschland. Jetzt ist sie heftig in die Kritik geraten. Der Grund: In einer Filiale am Berliner Alexanderplatz sind zunächst einer Sinologin (China-Wissenschaftlerin) drei Bücherregale im dritten Stock aufgefallen. Dort war Literatur über Chinas Traditionen, Literatur und Geschichte ausgestellt, was sie zuerst begeistert zur Kenntnis nahm. Doch es gibt einen Haken.

Thalia-Kette sorgt für Aufsehen: Propaganda-Literatur aus China in deutschen Filialen

In den Regalen finden sich nämlich regierungsfreundliche Werke, unter anderem zwei Bücher des chinesischen Präsidenten Xi Jinping namens „China regieren“ – klassische Propagandaliteratur. China-kritische Bücher sind an dieser Stelle in den Regalen überhaupt nicht zu finden. Eine Verkäuferin erklärte, hier werden nur Bücher chinesischer Verlage, also regierungsnahe Publikationen, präsentiert. Andere Werke über China würde man im Erdgeschoss finden. Die Sinologin veröffentlichte auf Facebook Fotos von ihrer Beobachtung.

Chinesische Propaganda-Werke bei Thalia – Was steckt dahinter?

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, werde auch in Thalia-Filialen in Hamburg und Wien chinesische Literatur ebenso propagandistisch dargestellt. Auf Nachfrage des RND, warum Thalia regimenahe Bücher so prominent und unkommentiert präsentiere, erklärte die Kette in einem Statement: Es handele sich um einen zeitlich begrenzten Test in Zusammenarbeit mit China Book Trading, bei dem die chinesischen Partner Bücher vorschlagen, die vom Thalia Sortimentsmanagement geprüft würden. Ziel sei ein „Service für die wachsende chinesische – bzw. China-interessierte-Community in Deutschland.“

Autoritäre Regierung bestückt China-Regale bei Thalia: Politiker fassungslos

Was unangenehm auffällt: China Book Trading untersteht vollständig der Kommunistischen Partei Chinas. Unabhängige Verlage, etwa aus Hongkong, sind dort nicht vertreten. Ex-CDU-Generalsekretär Rupert Polenz teilte den Beitrag der Sinologin auf Twitter und zeigte sich entgeistert: „Das darf nicht wahr sein. Thalia überlässt der chinesischen Regierung die Bestückung der Regale mit China-Literatur?“

Dass Verlage spezielle Werbemaßnahmen in Buchhandlungen mieten können, ist nicht ungewöhnlich. Für die Hervorhebung von Büchern auf bestimmten Verkaufsflächen, Tischen und Regalen lassen sich Buch-Filialen bezahlen.

Dabei werden aber normalerweise keine politischen Werbeinhalte für eine Diktatur angepriesen, etwa mit einer Markierung als „Thalia-Tipp“ über dem Regal, wie in der Filiale in Berlin geschehen.

China-freundliche Bücher bei Thalia: Bundestagsabgeordnete fordert mehr Transparenz

Dagmar Schmidt, Vorsitzende der deutsch-chinesischen Parlamentariergruppe und SPD-Bundestagsabgeordnete, kritisierte gegenüber ZDFheute Thalia für mangelnde Transparenz. „Es muss nachvollziehbar sein, wessen Interessen dort vertreten werden. Und andere Literatur gleichermaßen zugänglich sein.“

Sie plädiert für wenigstens ein Schild am Buchregal, dass eindeutig zuordnet, dass die Kommunistische Partei Chinas diese Bücher präsentiere. Vor allem wünsche sie sich aber eine Diskussion darüber, „wie wir mit Positionen aus unfreien Gesellschaften umgehen”.

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